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Norddeutschland Abschied von Gottfried Böttger
Nachrichten Norddeutschland Abschied von Gottfried Böttger
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19:18 02.11.2017
Statt eines Blumenschmucks zierte eine Klaviatur den schlichten, schwarz lackierten Sarg.  Quelle: Martina Janke-Hansen
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Hamburg

In St. Johannis war dieses ungläubige Staunen spürbar. Gottfried Böttger war doch gerade noch da; hatte sechs Wochen vor seinem Tod bei einer Veranstaltung vor der Kirche in Harvestehude Klavier gespielt und war im August in der „Fabrik“ aufgetreten.

Gottfried Böttger war am 16. Oktober an den Folgen seiner Krebserkrankung gestorben. Er wurde 67 Jahre alt. Quelle: dpa

Trotz seiner schweren Erkrankung hatte „Gotti“, wie seine Freunde ihn nannten, bis zuletzt gekämpft, war voll positiver Energie und Zuversicht. Und nun sollte es für Familie, Freunde und die zahlreichen Wegbegleiter tatsächlich ein Abschied für immer sein? 

Tieftraurig zeigten sich Judith Rakers und Giovanni di Lorenzo. 40 Jahre war Gottfried Böttger der Mann am Klavier in der Talk- Show „3 nach 9“gewesen. Die Moderatoren nahmen seitlich vor dem Altar Platz, blickten sichtlich bewegt auf den Sarg des Künstlers und verneigten sich später. 

Pianist Vince Weber, der Saxofonist und Freund Reiner Regel, der Musiker Abi Wallenstein, die Kabarettisten Henning Venske und Hans Scheibner, die Hörspiel-Produzentin Heikedine Körting-Beurmann, der Maler Kurt Schulzke, Carlo von Tiedemann („Gottfried bleibt ewig“) und viele andere kamen, um sich vom Mitbegründer der Hamburger Szene zu verabschieden. Mit „Rentnerband“ und „Leinemann“ hatte Gottfried Böttger Musikgeschichte geschrieben.

„Musik war das Leben von Gottfried Böttger“, sagten Bischöfin Kirsten Fehrs und Pastorin Dr. Claudia Tietz in ihren sehr persönlichen Traueransprachen. Seine Musik sei das Geschenk an die Welt gewesen; dieses großzügigen, freundlichen und hilfsbereiten Menschen, der so voller Vertrauen und Zugewandheit war. Axel Zwingenberger, einer seiner guten Freunde, gab dieses Geschenk zurück. Während der Trauerfeier setzte er sich an den hinter dem Sarg stehenden Flügel und spielte neben dem How-Long-Blues und einem Gospel „Gottis“ Rentnerband-Hit „Der Clou“. Für Zwingenberger bleibt „Gotti“ immer „ein sehr lieber Freund und genialer Klavierspieler. Einer mit so vielen Talenten. Er war sogar Computergenie.“

„Gott- und Lebensvertrauen“ hätten Gottfried Böttger neben der Musik in Momenten der Selbstzerstörung, wenn der Druck zu groß gewesen sei, immer wieder gerettet, sagte Kirsten Fehrs. Sie ermunterte die Trauergemeinde aufzustehen und mit dem Gospel „Swing low, sweet Chariot“ Abschied zu nehmen. „Coming for to carry me home“. Für den Allmächtigen sei die Zeit gekommen, „Gottfried Böttger nach Hause zu holen“.

Am Abend trafen sich Freunde und Fans in Ahrensburg, um „Gotti“ musikalisch zu gedenken.

Der Musiker zählte in den 1970er Jahren mit zur sogenannten „Hamburger Szene“. Zusammen mit Udo Lindenberg, Marius Müller-Westernhagen und Otto Waalkes wohnte er in der „Villa Kunterbunt“ in Winterhude. Genau 40 Jahre lang begleitete Böttger als Pianist die Talkshow „3 nach 9“ von Radio Bremen - kurz vor seinem 65. Geburtstag hatte er Abschied von der Sendung genommen.

jhw

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