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Norddeutschland Abzocke: Verbraucher im Norden zahlen für Erdgas viel zu viel
Nachrichten Norddeutschland Abzocke: Verbraucher im Norden zahlen für Erdgas viel zu viel
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11:55 29.12.2015
Quelle: fotolia
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Hamburg/Lübeck

Verbraucher in Schleswig-Holstein haben 2015 mindestens 152 Euro zu viel für ihr Erdgas ausgegeben. Das geht aus einer Studie des Hamburger Beraterbüros EnergyComment im Auftrag der Grünen Bundestagsfraktion hervor. Danach gaben die Energieversorger die stark gefallenen Marktpreise in diesem Jahr kaum oder gar nicht an ihre Kunden weiter. Verbraucherschützer raten zu konsequentem Anbieterwechsel.

Bundesweit nahmen die Versorger laut Studie damit 1,3 Milliarden Euro extra ein. Für einen Durchschnittshaushalt mit einem Verbrauch von 20 000 Kilowattstunden waren das Bundesvergleich 132 zu viel gezahlte Euro. Mit sogar 152 Euro lag der Norden am oberen Ende der Preisskala. Nur in Baden-Württemberg (172 Euro) und Nordrhein-Westfalen (157) Euro war es für Verbraucher noch teurer. Dabei sind die Gaspreise international seit 2014 um mehr als ein Drittel gefallen. Grund ist das Überangebot auf den Weltmärkten unter anderem wegen der Förderung in den USA per Fracking.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) wies den Vorwurf der Abzocke gestern zurück: „Die in der Studie unterstellten niedrigen Beschaffungskosten sind in der Realität so nicht erzielbar“, erklärte Sprecherin Manuela Wolter. Bei Termingeschäften würden die Preise lange im Voraus festgelegt, die starken Preissenkungen hätten sich aber vor allem auf den kurzfristigen Handel bezogen. Überdies hänge der Endkundenpreis für Gas nur zu etwas mehr als der Hälfte von den Beschaffungskosten ab, hinzu kämen Netzentgelte sowie Abgaben und Steuern. Auch 2016 ist offenbar kaum mit nennenswerten Preissenkungen zu rechnen, denn die Versorger „zum Teil steigende Netzentgelte in ihrer Kalkulation berücksichtigen“, so die Sprecherin.
Zumindest im Norden zieht dieses Argument aber nicht: Nach Angaben der Schleswig-Holstein Netz AG werde das Netzentgelt, das rund 22 Prozent des Gaspreises ausmache, 2016 um 9,4 Prozent auf 1,1615 Cent pro Kilowattstunde gesenkt. „Ob die Versorger diese Senkung später auch an ihre Kunden weitergeben, haben wir allerdings nicht in der Hand“, sagt Sprecher Volker Mielisch.

Verbraucher müssten niedrige Preise deshalb selbst durchsetzen, indem sie konsequent den Anbieter wechseln, rät Margret Hintze, stellvertretende Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Jedenfalls sei kaum davon auszugehen, dass die Energieunternehmen freiwillig mit ihren Preisen runtergingen. Verbraucher hätten aber alle Karten in der Hand. „Je nach Ort gibt es zwischen 30 und 60 verschiedene Gas anbieter am Markt“, sagt Hintze.

Kunden müssten zwar selbst aktiv werden und die verschiedenen Tarife in Internetportalen miteinander vergleichen. Von Anbieter zu Anbieter könnten sich die Preise um zehn Prozent und mehr unterschieden. „Im Jahr lassen sich auf diese Weise mehrere Hundert Euro sparen“, erklärt Hintze. Für Strom gelte das ebenso. Ratsam sei dabei auch, möglichst nur Verträge mit geringer Laufzeit abzuschließen, um auf Preiserhöhungen flexibel reagieren zu können.

Oliver Vogt

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