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Ärger um Tourismus-Schilder

Lübeck Ärger um Tourismus-Schilder

„Karls Erlebnis-Dorf“ darf jetzt an der A 1 werben. Andere Interessenten gehen leer aus.

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Quelle: Roeßler

Lübeck. Ein kleines Mädchen auf einem Traktor, ein leckeres Stück Torte und eine Tasse Kaffee — so wirbt „Karls Erlebnis-Dorf“ seit Kurzem an der A 1 bei Ratekau. Und das hochoffiziell — mit einer braun-weißen „touristischen Unterrichtungstafel“, die das Land dem Erdbeer-Imperium der Familie Dahl jetzt genehmigt hat. Während Unternehmenschef Robert Dahl hocherfreut über die Anerkennung als wichtiges touristisches Ziel ist, sind andere, die ebenfalls seit Jahren darum kämpfen, konsterniert. Ihnen hatte das Land abgesagt — mit fragwürdigen Begründungen.

„Ich habe mich einfach gefragt, warum wir so ein Schild eigentlich noch nicht haben“, erklärt Unternehmer Robert Dahl die Gründe für den Antrag beim Landesamt für Straßenbau und Verkehr. Da zum Beispiel die „Tolk-Schau“, der „Tierpark Gettorf“, das „Freilichtmuseum Molfsee“, der „Hansa-Park Sierksdorf“ und zahlreiche andere touristische Stätten im Land ebenfalls auf diese Weise gewürdigt werden, müsse sein Erlebnishof doch ebenfalls ein Autobahnschild verdienen.

Das Land sah das ähnlich. Etwas über ein Jahr habe es gedauert, dann war der Antrag durch. „Natürlich haben wir uns riesig gefreut“, sagt Dahl. Ob die beiden Schilder vor der Anschlussstelle Ratekau nun für zusätzliche Besucher sorgen, lasse sich zwar noch nicht sagen. Für den Hof sei das gleichwohl eine „tolle Geschichte“.

Ingo Wilhelm indes kann die Entwicklung nicht ganz verstehen. Natürlich gönne er dem Erdbeerhof sein Schild an der A 1, sagt der Chef des Zoos Arche Noah in Grömitz. „Aber ich kämpfe bereits seit drei Jahren darum. Und mir hat das Land jetzt abgesagt.“ Begründung: Seinem Zoo fehle das „Alleinstellungsmerkmal“. Für Wilhelm ist das absurd.

Er sei der einzige Tierpark im Land, der keine Hinweistafel an der Autobahn haben dürfe. Dabei sei sein Park mit über 100 000 Besuchern im Jahr nicht nur einer der erfolgreichsten in Schleswig-Holstein, sondern auch offiziell als kulturelle Einrichtung anerkannt. „Aber wahrscheinlich fehlen mir die nötigen Beziehungen“, ärgert sich Wilhelm.

Auch die Stadt Reinfeld gehört zu den Ausgeschlossenen. Dabei kämpft die Kleinstadt im Kreis Stormarn seit etlichen Jahren um eine Würdigung an der Autobahn — als historische „Karpfenstadt“ und Geburtsort des Dichters Matthias Claudius. Im Januar sagte das Land allerdings zum wiederholten Male Nein, obwohl sich die Autobahnschilder im Kreis Stormarn nicht eben drängeln.

„Wir würden unsere Stadt ja gern besser vermarkten und mehr Touristen zu uns locken. Deswegen wollen wir das Schild ja haben“, sagt Bürgermeister Heiko Gerstmann. Dagegen argumentiere das Land „relativ selbstherrlich“, dass Reinfeld mit seinen klösterlichen Karpfenteichen touristisch nicht bedeutsam genug sei, so Gerstmann. „Da beißt sich die Katze in den Schwanz.“

Das Kieler Verkehrsministerium verteidigt seine Haltung. Man wolle an den Autobahnen keinen Schilderwald, da sich der Zweck der Hinweistafeln dadurch selbst aufheben würde, sagt Ministeriumssprecher Harald Haase. Gemeinsam mit der Tourismusagentur Schleswig-Holstein habe man deshalb im Oktober vergangenen Jahres ein neues Konzept für das Genehmigungsverfahren erarbeitet.

Dadurch sei das „Korsett jetzt sehr eng gestrickt“. Von den insgesamt 26 Anträgen, die zuletzt eingereicht worden waren, seien nur sechs positiv beschieden worden. Neben dem Erlebnisdorf seien das die Holsten-Therme Kaltenkirchen, das Schloss Weissenhaus, das Naturschutzgebiet Graswarder, der Friedrichskoog sowie der Naturpark Schlei.

Für den Erlebnishof sprächen die hohen Besucherzahlen mit mehr als einer Million Gäste im Jahr und ein — im Sinne der Landes-Tourismusstrategie wichtiges — qualitativ hohes und saisonunabhängiges Angebot. Im Fall des Grömitzer Zoos räumt Haase zwar ein, dass „andere Zoos unbestritten braune Schilder haben“. Für sie gelte aber noch ein fünfjähriger Bestandschutz. Anschließend müssten sie und alle anderen Einrichtungen einen Neuantrag stellen — zu den aktuellen Bedingungen.

Oliver Vogt

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