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Norddeutschland Ärztemangel: Kurorte riskieren ihren Heilbad-Titel
Nachrichten Norddeutschland Ärztemangel: Kurorte riskieren ihren Heilbad-Titel
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11:23 08.05.2016
Ein ganz Industriezweig hat Zukunftssorgen, weil es immer weniger Badeärzte gibt. Quelle: Wenzel
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Lübeck

Weit über die Hälfte der 82 Badeärzte im Land sind über 60 Jahre alt. In vielen Orten praktiziert nur noch ein Mediziner. Kommunen finden keine Nachfolger. Problem: Die Kosten für die Zusatzausbildung sind hoch, die Erträge der Ärzte mittlerweile gering. Ein ganzer Industriezweig hat Zukunftssorgen.

Zum Thema: Die Ausbildung zum Badearzt ist kostspielig — was viele abschreckt

In der Folge könnte es von Seiten des Wirtschaftsministeriums auch zu Aberkennungen oder auf Antrag der Gemeinde zu Rückstufungen kommen, sagt Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD). Laut einer Liste der zuständigen Kurärztlichen Verwaltungsstelle der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) gibt es landesweit 36 Heilbäder.

Hans-Jürgen Kütbach, Landesvorsitzender des Heilbäderverbandes spricht von einer Negativspirale. „Das ist ein besorgniserregender, bundesweiter Trend, der nicht umkehrbar ist“, klagt er. Waren vor 15 Jahren noch bundesweit 1579 Kurärzte mit der Zusatzausbildung physischer Therapie und Balneologie aktiv, betreute die KVWL 2015 noch 851 Mediziner in 366 Kurorten.

Im Land gibt es nur noch 82 Kurärzte. In der Gemeinde Scharbeutz gibt laut einer KVWL-Liste drei Badeärzte über 60 Jahre, in Kellenhusen, Sierksdorf und Weissenhäuser Strand praktiziert nur noch ein Arzt über 60. In der Gemeinde Timmendorfer Strand gehen fünf von sieben Ärzten bald in Rente. In Großenbrode ging der einzige Badearzt 2015 in den Ruhestand. Der Nachfolger ist kein Badearzt. Weil er aber in einer Gemeinschaftspraxis mit einem Badearzt aus Fehmarn zusammenarbeitet, „konnte Großenbrode die Not abwenden“, sagt Stefan Kraus, Betreiber des Kurmittelcentrums in Großenbrode. Für Großenbrodes Tourismuschef ist das Prädikat von großer Bedeutung. „Wir stehen zum Begriff ,Ostseeheilbad’“, sagt Ubbo Voss. Die Bezeichnung weist auf eine besondere Qualität hin, so Hans-Jürgen Kütbach, selbst Bürgermeister im Heilbad Bramstedt.

Der Vizepräsident des Verbandes deutscher Badeärzte, Dieter Heimann, weiß, warum junge Mediziner rar sind. „Die Ausbildung ist schwierig und zu teuer“, erklärt der 78-Jährige. 260 Kursstunden müssen angehende Badeärzte absolvieren. 500 bis 600 Euro kostet einer von insgesamt sechs Kursen. Zudem nimmt kaum mehr ein Gast eine ambulante Kur in einer Praxis in Anspruch. Die Folge: Badekuren in Arztpraxen sind deutlich zurückgegangen.

Laut Kütbach wollen der Heilbäderverband und die Ärztekammer den Kurort anders definieren. Mit der Ärztekammer Schleswig-Holstein wird über die Regelungen diskutiert. Heimann sagt: „Wenn nichts am System geänderte wird, dann gibt es bald keine Badeärzte mehr.“

Von Beke Zill

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