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Afghanistan und jetzt Syrien: Nils G. fliegt im „Tornado“

Jagel Afghanistan und jetzt Syrien: Nils G. fliegt im „Tornado“

Gefährlicher Auftrag in mehreren tausend Meter Höhe über feindlichem Gebiet: Luftwaffenoffizier Nils G. war bereits bei vielen Aufklärungsflügen über Afghanistan an Bord eines „Tornados“. Bald geht es für ihn in den Syrien-Einsatz.

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Quelle: Axel Heimken/dpa

Jagel. Sein Arbeitsplatz ist der „Tornado“ - hinter dem Piloten. Bereits sechsmal flog Waffensystem-Offizier Nils G. (Seinen vollen Namen nennt er aus Sicherheitsgründen nicht) mit einem Aufklärungsjet zu Bundeswehr-Einsätzen über Afghanistan. Seine nächste „Dienstreise“ führt ihn im neuen Jahr nach Syrien. Der Einsatz gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) gilt als eine der heikelsten Mission in der Geschichte der Bundeswehr. „Vieles ist einfach Gewohnheit“, sagt der Oberstleutnant ruhig.

Nils G. steht im Hangar auf dem Flugplatz im schleswig-holsteinischen Jagel und schaut zum Cockpit seines „Tornados“. Das dunkle Visier des Helms hat der Offizier heruntergezogen, der Anblick erinnert an Hollywoods „Top Gun - Sie fürchten weder Tod noch Teufel“. Im Gespräch wird aber schnell klar, dass der Deutsche nicht dem draufgängerischen Filmhelden Maverick entspricht, sondern besonnen und eher bodenständig ist. „Ich bin nicht der Klischee-Pilot“, sagt der 37-Jährige. „Haudrauf-Typen“ seien hier falsch, auch wenn einige mit dem Image spielten. „Im Großen und Ganzen passt das aber nicht in den Job hinein. Dafür ist unsere Aufgabe zu ernst.“

Die Soldaten des Taktischen Aufklärungsgeschwaders 51 „Immelmann“ sind Experten für hochauflösende Bilder aus Krisenregionen. Von 2007 bis 2010 flogen die Jets aus Norddeutschland über Afghanistan. „Rein fliegerisch“ sei die Aufgabe in Syrien damit vergleichbar, sagt der Offizier. „Wir fliegen auf jeden Fall immer zu zweit.“ Das habe sich im Einsatz bewährt. Seit 2002 sitzt Nils G. im Cockpit, 1500 Flugstunden. Sein Empfinden über den Wolken? „Das ist einfach schön.“

Kosenamen haben die Maschinen nicht. „Das ist ein Flugzeug, eher Arbeitsgerät“, sagt der Flieger. Als Waffensystem-Offizier übernimmt er den Großteil der Planung des Flugs, nach dem Start ist die Navigation seine Hauptaufgabe. Dazu kommt der Blick auf die Bilder vom Boden. Unterm Rumpf der Maschine ist das digitale Aufklärungssystem „RecceLite“ (Reconnaissance Litening Targeting Pod) befestigt und liefert mit seinen hochauflösenden elektro-optischen und Infrarot-Sensoren bei Tag und Nacht digitales Bildmaterial.

„Ich sehe auf meinem Monitor dabei jederzeit, was die Kameras fotografieren“, sagt Nils G.. Manuell den Auslöser drücken braucht er aber nicht ständig. Vieles läuft automatisch ab. Hat der „Tornado“ direkte Sichtverbindung, funkt er die Ergebnisse der Aufklärungsflüge in Echtzeit an die Bodenstation. Nach der Landung holen Spezialisten der Bundeswehr dann die Festplatte aus dem Behälter und werten das gesamte Bildmaterial aus. Dann stellen sie die Daten auch den Partner-Nationen zur Verfügung.

Zwar verfügen die Kämpfer des IS über keine Luftabwehr. Auch die Gefahr vom Boden schätzt der Flieger als gering ein. „Wir bleiben mit unserem „Tornado“ außerhalb der Reichweite schultergestützter Raketensystemen, die wollen wir überfliegen“, sagt er. „Wir müssen dank der Technik gar nicht ganz groß runter, das wird kein Tiefflug.“

Trotzdem bleibt der gefährliche Einsatz natürlich Thema, besonders in den Familien der „Tornado“-Besatzungen. „Es hilft nur, offen darüber zu sprechen“, sagt Nils G.. Zwar wisse seine Familie ungefähr, was auf ihn zukomme. „Aber das ist natürlich ein neuer Einsatz.“ Noch ist offen, ob er im „Tornado“ über Syrien mitfliegt oder am Boden im Stab in der Türkei arbeitet, wo die sechs Jets dann stationiert sind.

Geschwader-Kommodore Michael Krah hat bereits Anfang Dezember - ebenfalls als Waffensystem-Offizier - im ersten „Tornado“ gesessen, der von Jagel aus in Richtung Incirlik (Türkei) zum Syrien-Einsatz aufgebrochen ist. „Dieser Einsatz ist sicherlich gefährlich“, sagte er im Vorfeld. Übertriebene Sorgen müsse man sich aber nicht machen. Anfang Januar sollen die nächsten Maschinen aufbrechen.

Die grauenhaften Bilder eines von IS-Kämpfern bei lebendigem Leib verbrannten jordanischen Piloten stecken aber in den Köpfen. „Man klammert das nicht aus, die Wahrscheinlichkeit ist sehr, sehr gering“, sagt Nils G.. In Afghanistan habe es nur zwei Fälle gegeben, in denen ein „Tornado“ aus technischen Gründen umkehren musste. „Aber natürlich denkt man darüber nach.“ In Afghanistan hätten die Crews auch offen darüber gesprochen, wie man sich bei einer Gefangennahme verhält: „Denn es geht ja nicht nur einer runter.“

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