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Norddeutschland Aktion soll freilaufenden Katzen helfen
Nachrichten Norddeutschland Aktion soll freilaufenden Katzen helfen
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11:38 14.10.2017
Tierpflegerin Sarina Tirrel vom Tierheim Bad Segeberg mit Katzenbabys, die als Fundtiere abgegeben wurden. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen, Dpa
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Flensburg

„Wenn jemand eine wild lebende Katze bringen möchte, leihen wir ihm eine Falle und machen einen Termin beim Tierarzt. Schon am Tag davor kann das Tier bei uns abgegeben werden“, sagt Tierpflegerin Sarina Tirrel (24) vom Tierheim Bad Segeberg. Wie in anderen Tierheimen ist man dort darauf vorbereitet, freilaufende Katzen zur Kastration anzunehmen.

Freilaufende Katzen ohne Besitzer gibt es viele. Nicht selten werden die Tiere krank oder leiden Hunger. Damit das Katzenelend nicht überhand nimmt, können „Tierschutzvereine und andere Überbringer“ Katzen ab Montag kostenlos kastrieren lassen. Die Aktion geht bis zum 10. November.

Nach der Kastration werde die Katze entweder zurückgebracht oder im Tierheim zur Vermittlung freigegeben, erklärt Tirrel. „Meist haben die Tiere dort, wo sie aufgegriffen wurden, einen Futterplatz.

Dann können sie da auch wieder hin“, meint die Tierpflegerin. „Wenn es gar nicht geht, versuchen wir, für das Tier eine Bleibe als Bauernhofkatze zu finden.“

Derzeit werden 50 Katzen im Bad Segeberger Tierheim gepflegt, gibt die Leiterin des Tierschutzvereins, Henrike Schwarz (45) Auskunft. 25 seien noch jünger als sechs Monate und daher für eine Kastration zu klein.

Auch „Sady“, eine kleine getigerte Katze, die freilaufend aufgegriffen wurde, könnte demnächst kastriert werden. Doch „Sady“ muss zunächst an der Pfote operiert werden. „Die ist gebrochen“, sagt Schwarz. In der Freiheit wäre „Sady“ wohl eingegangen, denn sie ist auch auf einem Auge blind. „Das kann eine Nebenwirkung des Katzenschnupfens sein“, führt Schwarz aus. „Und wenn eine Katze blind wird, ist das ihr Todesurteil.“

Tierheim-Besucherin Petra Herms (45) hat bei sich zu Hause eine Katze eingefangen, die offensichtlich keinen Eigentümer hat. „Sie hat eine Verletzung“, glaubt die Bürokauffrau. „Und ob sie kastriert ist, weiß ich auch nicht.“ Eine Falle hatte sie im Tierheim geliehen. „Da ist sie gleich reingegangen, das war kein Problem.“

„Leider melden sich die Besitzer von Katzen selten“, bedauert Tierschützerin Schwarz. „Bei Hunden ist das anders.“ Das ganze Jahr kämen Fundkatzen, die dann untersucht und oft auch kastriert werden müssten. „Im Schnitt bringt man uns fünf Katzen in der Woche.“

Eine Kastration ist bei Katern schnell gemacht, bei Katzen aber aufwendig und in jedem Fall mit Kosten verbunden. Bei der kommende Woche beginnenden Aktion werden die Kosten von Spendern übernommen.

Die Tierärzte vor Ort übernehmen 25 Euro, den Rest trägt ein von der Tierärztekammer Schleswig-Holstein verwalteter Fonds. Das Umweltministerium hat im Haushalt 2017 einen Betrag von 180 000 Euro für die Kastration der freilebenden Katzen bereitgestellt, weitere insgesamt rund 46000 Euro speisen der Deutsche Tierschutzbund und sein Landesverband, der Landestierschutzverband und die AG Wildtierstationen ein.

Sofern das Geld nicht mehr ausreiche, werde die Aktion vorzeitig beendet, teilen die Veranstalter mit. Gleichzeitig rufen sie Katzenhalter dazu auf, ihre Tiere in eigener Verantwortung kastrieren zu lassen.

Von Herbst 2014 bis einschließlich Herbst 2016 sind in Schleswig-Holstein nach Angaben der Initiatoren in vier Aktionen 10 104 Katzen kastriert worden. 7417 davon waren freilebende Katzen.

Schätzungen zufolge leben rund 75000 freilebende Katzen in Schleswig-Holstein. Und das Problem kann schnell größer werden, denn Katzen vermehren sich rasant, heißt es auf den Internetseiten der Landesregierung. Die Streuner würden sich oft an Futterstellen sammeln. „Sie sind – anders als Wildkatzen – auf die Hilfe des Menschen angewiesen.“

Darum gibt es das Projekt

Bis zu 35 Nachkommen kann es von einer nicht kastrierten Katze und deren Jungen innerhalb eines Jahres geben.

Das Problem: Freilebende Katzen finden oft nicht ausreichend Nahrung, sind häufig krank oder verletzt und daher auf die Fürsorge von Menschen angewiesen. Zu viele freilebende Katzen können außerdem die Populationen von Wildvögeln und anderen Kleintieren beeinflussen.

Ein Chip, den der Tierarzt einsetzt, ermöglicht die Registrierung der Katze und, falls sie entläuft, die Ermittlung des Eigentümers.

 Marcus Stöcklin

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