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Albig gegen Günther: Wahl-Duell zum Mitmachen

Lübeck Albig gegen Günther: Wahl-Duell zum Mitmachen

Direkter geht’s nicht: Wissenschaftler der Universität Freiburg haben ein Instrument entwickelt, mit dem Zuschauer das Duell der Spitzenkandidaten von SPD und CDU zur Landtagswahl sofort bewerten können. Das Ergebnis des Debat-O-Meters wertet ein Team um Politik-Professor Uwe Wagschal für unsere Zeitungsgruppe aus.

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Prof. Uwe Wagschal.

Lübeck. Lübecker Nachrichten:  Professor Wagschal, am 25. April treffen im NDR-Fernsehen die beiden Spitzenkandidaten zur Landtagswahl aufeinander: Torsten Albig (SPD) und Daniel Günther (CDU). Welche Bedeutung hat ein solches Duell auf den Ausgang von Wahlen?

Uwe Wagschal: Wir wissen aus der Vergangenheit, dass der Kandidat immer wichtiger wird. Gerade, wenn es auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen hinausläuft und der Abstand zwischen zwei Parteien relativ gering ist, kann eine solche Debatte den Ausschlag geben.

Die Umfrage von Infratest dimap belegt, dass die Ausgangssituation in Schleswig-Holstein extrem eng ist.

Eine solche Debatte kann vor allem unbekannteren Kandidaten nützen, also auch Daniel Günther. Genau die mangelnde Bekanntheit ist ja sein Problem.

Das heißt, der Herausforderer profitiert vom Duell stärker als der Amtsinhaber?

In der Regel ja. Der Amtsinhaber kann, weil er einen Amtsbonus hat, fast nur verlieren – es sei denn, er liegt stark zurück, was in Schleswig-Holstein typischerweise in den vergangenen Jahren nicht der Fall war.

Spitzenpolitiker bereiten sich auf TV-Duelle akribisch vor und lassen sich trainieren. Was bewerten Zuschauer positiv?

Wir merken mit unserem Auswertungstool, dass emotionale Argumentationen sehr gut ankommen – jedenfalls deutlich besser, als wenn jemand nur Fakten herunterleiert. Der Zuschauer von heute will Emotionen und Engagement sehen. Das bloße Herunterbeten von Leistungen und reinen Zahlen kommt eher schlecht an.

Was wiegt am Ende mehr: sympathisches Auftreten oder Kompetenz und Schlagfertigkeit?

Schlagfertigkeit kommt immer gut an – ein gutes, witziges Gegenargument. Eine beißende Aggressivität dagegen nicht so.

Ist das Votum der Zuschauer am Ende nicht rein zufällig?

Nein. Man sieht schon: Wer die Debatte gewinnt, hat in der Regel auch eine größere Chance, bei der Wahl als Sieger hervorzugehen. Gerade bei den Unentschiedenen zeigt sich, dass sie am Ende einer Fernsehdebatte einem Lager stärker zuneigen als dem anderen. Die Frage ist, ob dieser Effekt bis zur Wahl vorhält oder bis dahin nicht andere, kurzfristige Dinge passieren, so dass die langfristige Neigung wieder hervorkommt.

Wie verhindern Sie, dass sich Parteianhänger tarnen, um bei Ihnen teilnehmen zu dürfen?

Jeder muss sich persönlich in das System einloggen, so dass wir damit Computer-Bots ausschließen. Er muss vorher eine kleine Umfrage ausfüllen, damit wir seine Parteineigung einschätzen können. Wenn einer permanent seiner Partei zustimmt, ist das im Übrigen gar nicht so schlimm, weil wir viel stärker an den Nicht-Entschiedenen interessiert sind. Der Parteisoldat wählt seinen Kandidaten ja sowieso, der wird sich nicht umentscheiden. Für die Parteistrategen ist wichtiger zu sehen: Worauf reagieren die Unentschiedenen?

Im Saarland konnte sich CDU-Amtsinhaberin Annegret Kramp-Karrenbauer kürzlich bei der Wahl klar gegen die Konkurrenz behaupten. Bei Ihnen dagegen landete sie nach einer sogenannten Elefantenrunde mit den anderen Spitzenkandidaten nur auf Platz 5. Wie solide sind Ihre Ergebnisse?

In der Zwischenzeit hatte sie stärker bei der Flüchtlingsdebatte und der Türkei-Frage politisiert. Damit ist es ihr gelungen, Wähler von der AfD abzuziehen. Sie hat also nach der Fernsehdebatte noch nachgelegt. Das ist im Debat-O- Meter natürlich nicht zu erfassen.

Wie lange wirken die Eindrücke auf den Zuschauer nach einem Duell nach?

Der Zuschauer macht sich während der Diskussion ein Bild. Die Medien berichten darüber und erklären, wer der Sieger und wer der Verlierer ist. Das wiederum hat einen Effekt auf die Menschen, die die Debatte nicht gesehen haben. In der Vergangenheit wurden Gewinner und Verlierer stets von Experten verkündet. Wir sind jetzt in der Lage, belastbare Daten vorzulegen und damit zu sagen, warum jemand gewonnen hat.

Sie machen Mechanismen und Strategien transparent und objektivierbar?

Genau das ist unser Ziel. Unsere wissenschaftliche Analyse braucht Zeit. Aber in Schleswig-Holstein legen wir den Kieler Nachrichten, der Segeberger Zeitung und den Lübecker Nachrichten noch am selben Abend eine schnelle Analyse vor: Hat Albig oder Günther das Duell gewonnen, wo haben die meisten Zuschauer die Seiten gewechselt, was waren die wichtigsten Themen?

Wie viele Teilnehmer benötigen Sie für ein aussagekräftiges Debat-O-Meter?

Je mehr, desto besser. Mit 400 bis 500 Teilnehmern wären wir schon zufrieden. Damit hätten wir bereits eine gute Aussagefähigkeit erreicht.

Welche Voraussetzungen muss ich als Teilnehmer mitbringen?

Sie brauchen einfach nur ein Smartphone, ein Tablet oder einen Personal Computer und eine Internetverbindung. Sie müssen nichts herunterladen, sondern brauchen sich einfach nur kurz vor Sendebeginn am Abend einzuloggen, vier bis fünf Vorfragen zu beantworten – und dann geht’s los.

Muss ich mich bewerben?

Nein. Jeder darf mitmachen. Und es ist vollkommen anonym. Wir fragen aber ab, ob sie in Schleswig-Holstein wahlberechtigt sind. Jeder, der Interesse hat, kann teilnehmen.

  Interview: Christian Hiersemenzel

So funktioniert die Echtzeit-Abstimmung

Mit dem Debat-O-Meter können Zuschauer während der Fernsehdebatte zwischen Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) und seinem Herausforderer Daniel Günther (CDU) am 25. April in Echtzeit sofort mit Plus und Minus ihre Zustimmung oder Ablehnung zu einem Argument ausdrücken. Ein Team aus Computer- und Politikwissenschaftlern der Uni Freiburg wertet die Ergebnisse aus und stellt am Ende fest, wer gewonnen hat. Die Fachleute bewerten, in welchen Themen die Kandidaten besonders gut oder schlecht waren. Wer am Debat-O-Meter teilnimmt, hat den Eindruck, stärker bei der Diskussion dabei zu sein und durch sein Votum sogar Einfluss zu nehmen. Das Freiburger Team analysierte bereits Debatten zu Landtagswahlen im Saarland und in Baden-Württemberg sowie zur Präsidentschaftswahl in Frankreich.

Nähere Infos unter www.debatometer.de

 

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