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Albig will Lehrer nach Israel schicken

Jerusalem Albig will Lehrer nach Israel schicken

Schleswig-Holsteiner sollen künftig an Fortbildungen in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem teilnehmen.

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"Guten Morgen" am 8. April 2016

Nachdenklich steht Torsten Albig in der Gedenkstätte Yad Vashem vor Bildern getöteter Juden.

Quelle: Fotos: Rehder/dpa

Jerusalem. Still steht Torsten Albig in der Halle der Erinnerung von Yad Vashem und gedenkt der von den Nazis ermordeten sechs Millionen Juden. Sein Blick fällt in der Holocaust-Gedenkstätte auf den von ihm zuvor niedergelegten Kranz, auf der Schleife steht „In stillem Gedenken — Der Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein“. Das hohe Mahnfeuer, das er mit einem Hebel entfacht hat, lodert daneben. Auf Bodenfliesen sind die Namen von 22 Konzentrationslagern oder Exekutionsstätten graviert — ausgewählt aus hunderten Mordstätten der Nazis, die im Zweiten Weltkrieg die europäischen Juden auslöschen wollten.

LN-Bild

Schleswig-Holsteiner sollen künftig an Fortbildungen in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem teilnehmen.

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„Ich habe mich sehr darüber gefreut, wie herzlich uns Staatspräsident Rivlin empfangen hat.“ Ministerpräsident Torsten Albig

„Ich bin fassungslos, was Menschen einander antun können“, sagt Albig gestern nach einer Führung durch das Holocaust-Museum in Jerusalem. Tiefe Trauer erfasst den SPD-Politiker auch in der Kindergedenkstätte von Yad Vashem — einer dunklen Höhle, in der gespiegelte Kerzen wie ein endloses Universum an die Ermordung von 1,5 Millionen getöteten jüdischen Kindern erinnern.

Albig trägt sich ins Gästebuch ein und hält eine kurze Rede. Die Kernaussage: Die Überlebenden des Holocaust werden bald alle gestorben sein — das Kriegsende liegt 71 Jahre zurück. Künftig werden allein Nachgeborene die Lehren aus der fürchterlichen Vergangenheit Deutschlands von Antisemitismus und Rassenwahn von Generation zu Generation weitertragen müssen. Und Albig sieht hierfür eine besondere Aktualität und Notwendigkeit, denn Antisemitismus und religiöser Hass nähmen in Europa wieder zu.

Dann geht es weiter zur International School for Holocaust Studies, wo Albig ein zukunftsweisendes Zeichen setzt. Der Ministerpräsident und sein Bildungsstaatssekretär Dirk Loßack unterschreiben eine Vereinbarung mit Yad Vashem zur Lehrerfortbildung über den Holocaust. Im Zentrum der „Gemeinsamen Absichtserklärung“ stehen Seminare, die Yad Vashem anbietet und an denen künftig regelmäßig Lehrer aus Schleswig-Holstein teilnehmen sollen. Ziel sind Vermittlungsformen und Unterrichtsmaterialien für alle Schulformen und -fächer. Loßack betont, 2017 werde das nächste Seminar für etwa 25

Pädagogen stattfinden. Die Vereinbarung knüpft an eine 2013 unterzeichnete Absichtserklärung der Kultusministerkonferenz der Länder mit Yad Vashem an. Einige Bundesländer haben schon Vereinbarungen mit der weltgrößten Holocaust-Gedenkstätte. Es sei höchste Zeit, dass Schleswig-Holstein diesem Beispiel folge, sagt Albig.

Am Nachmittag lud Israels Staatspräsident Reuven Rivlin den deutschen Gast in seine Residenz in Jerusalem ein. „Ich habe mich sehr darüber gefreut, wie herzlich uns Staatspräsident Rivlin empfangen hat“, sagte Albig. Er habe seinen Staatsbesuch in Kiel im Mai 2015 in bester Erinnerung gehabt und habe den engen Austausch als wichtiges Zeichen der deutsch-israelischen Freundschaft bekräftigt.

„Ich habe dem Präsidenten versichert, dass wir zu unserer Verantwortung gegenüber Israel stehen und hohes Interesse an einem weiteren Ausbau der Kooperationsprojekte zwischen Schleswig-Holstein und Israel — insbesondere Jerusalem — haben.

Nicht nur als Ministerpräsident, sondern auch als stellvertretender Vorsitzender der Jerusalem Foundation Deutschland macht Albig seinen Antrittsbesuch in Jerusalem. Sie hat nach eigenen Angaben bereits 2000 Projekte in der Stadt und setzt sich für eine pluralistische Gesellschaft ein. Zum Tagesprogramm gehörten auch Besuche in der Max Rayne Hand in Hand Schule für bilinguale Erziehung von Juden und Arabern sowie der Schmidt Schule, eine katholischen Mädchenschule, die den Status einer deutschen Auslandsschule hat. Nach Einschätzung Albigs lässt sich von diesen Projekten auch etwas darüber lernen, wie die Integrationsprobleme in Deutschland besser gelöst werden können.

Von Matthias Hoenig

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