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Norddeutschland Alkohol per Internet: Eine Lücke im Jugendschutzgesetz?
Nachrichten Norddeutschland Alkohol per Internet: Eine Lücke im Jugendschutzgesetz?
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20:45 14.11.2017

Jetzt wurde ein Beispiel aus Hessen bekannt: Anna (17) aus der Nähe von Wiesbaden hatte sich eine Flasche Wodka im Internet bestellt, sie gab dafür einfach ein falsches Geburtsdatum an. Die Flasche wurde geliefert, als sie nicht zu Hause war, ein Abholzettel lag im Briefkasten. Beim Nachbarn bekam sie das neutral verpackte Paket in die Hand gedrückt.

Jugendliche in Deutschland kämen leicht an Alkohol, sagt Raphael Gaßmann, der Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). Das liegt an einer Lücke im Jugendschutzgesetz, erklärt Joanna Batista, Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. „Eine explizite Regelung wie etwa beim Verkauf von Tabakwaren im Internet fehlt bei Alkohol“, sagt sie. „Das muss auf jeden Fall geändert werden, um Jugendliche zu schützen“, sagt Batista. Es sei ein Problem, das der Versandhandel lösen müsse.

„Ziemlich entsetzt“ sei sie über diesen Fall, sagt Irene Johns, die Vorsitzende des Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein. „Alkoholabhängigkeit bei Kindern und Jugendlichen ist ein riesiges Problem, das uns Sorgen macht. Völlig unfassbar, dass es hier eine Gesetzeslücke zu Lasten der Kinder gibt“, sagt sie. Der Jugendschutz müsse umgehend nachgebessert werden, fordert Irene Johns.

Marlene Mortler, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, fordert, beim Jugendschutz im Internet sollten dieselben Spielregeln gelten wie an der Ladentheke.

Nach Auffassung der obersten Landesjugendbehörden darf auch nach geltendem Recht Alkohol nur mit Altersprüfung beim Bestellen und bei der Zustellung versandt werden. Dennoch wolle sich Schleswig-Holstein für eine „Klarstellung“ im Jugendschutzgesetz einsetzen, erklärte Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP). „Der Verkauf von Alkohol braucht eindeutige Leitplanken, um Kinder und Jugendliche wirksam zu schützen“, sagt der Minister. Noch wichtiger sei, in den Familien oder unter Freunden das Bewusstsein zu schärfen, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen, um Kinder wirksam vor Alkohol zu schützen. „Die schädigende Wirkung von Alkohol für Heranwachsende wird immer noch unterschätzt, hier ist auch ein gesellschaftliches Umdenken notwendig“, warnt Garg.

Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh) empfiehlt seinen etwa 500 Mitgliedern, bei Aufnahme der Bestellung und bei Übergabe der Lieferung eine „hinreichende Altersverifikation“ zu gewährleisten. „Harter Alkohol hat in den Händen von Jugendlichen nichts zu suchen“, sagt Sebastian Schulz vom bevh. Jugendschutzgesetz und Rechtssprechung wären aber nicht eindeutig. Und schwarze Schafe in einer Branche gebe es immer.

Von Christian Risch

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