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20:25 05.04.2014
Arzthelfer Daniel Dresel (19) nimmt in der Gemeinschaftspraxis in Travemünde Blut ab. Quelle: Olaf Malzahn
Travemünde

Anfangs waren einige Patienten irritiert, heute fragen viele gezielt nach ihm. Daniel Dresel ist in seinem Job ein echter Exot. Der 19-Jährige ist Arzthelfer, genauer gesagt Medizinischer Fachangestellter in der internistischen Gemeinschaftspraxis Travemünde. Der einzige männliche Kollege zu sein, stört den Azubi nicht im Geringsten. „Ich fühle mich voll integriert“, sagt Dresel lächelnd. Er ist im dritten Ausbildungsjahr und weiß bereits, dass er übernommen wird. Sein Spezialgebiet ist die Endoskopie. „Wir spiegeln den Menschen von innen“, erklärt der Azubi.

Er hatte sich auch als Krankenpfleger beworben, wurde aber abgelehnt, weil er als damals 16-Jähriger keinen Schichtdienst hätte machen dürfen. Heute ist er froh über die Absage, denn er hat in Travemünde seinen Traumjob gefunden. „Die Endoskopie hat auch viel mit Technik zu tun, dieser Bereich fasziniert mich sehr“, so Dresel. Und so steht für ihn jetzt schon fest, dass er nach seiner Ausbildung eine Fortbildung zum Endoskopie-Fachangestellten machen will. Die häufigsten Untersuchungen in der Endoskopie sind Magen- und Darmspiegelungen. Letzteres sei vielen Patienten peinlich und Männer seien oft froh, wenn ihnen ein Mann zur Seite stehe, erzählt Daniel Dresel.

Hänseleien wegen seiner Berufswahl musste der Arzthelfer bisher nicht über sich ergehen lassen. „Familie und Freunde fanden meine Entscheidung gut“, erinnert sich der Azubi. Ihm ist es ein Rätsel, dass sich nicht mehr Männer für den Beruf des Medizinischen Fachangestellten entscheiden: „Der Job ist abwechslungsreich und kommunikativ.“

Derzeit lernen 1391 junge Schleswig-Holsteiner den Beruf des Medizinischen Fachangestellten. Nur 24 davon sind Männer. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Der praktische Teil in Arztpraxen, Krankenhäusern und sonstigen Betrieben wird durch eine überbetriebliche Ausbildung im Edmund-Christiani-Seminar der Ärztekammer ergänzt.

Auch die Chefs sind von ihrem männlichen Auszubildenden begeistert, geben jedoch offen zu, anfangs skeptisch gewesen zu sein. „Ich war zunächst dagegen, weil Jungs in dem Alter oft noch nicht so weit sind. Sie stecken mit 16 Jahren häufig noch mitten in der Pubertät und sind nicht so kommunikativ wie es der Beruf erfordert“, sagt Dr. Andreas Mohr. Doch da Personalentscheidungen in der Travemünder Gemeinschaftspraxis demokratisch getroffen werden, wurde Mohr von seinen Mitarbeiterinnen überstimmt — und ist heute sehr froh darüber. „Unterm Strich ist Daniel Dresel das Beste, was uns je passiert ist“, sagt Mohr. Der 19-Jährige sei „enorm interessiert und motiviert und hat in den vergangenen Monaten eine riesige Entwicklung gemacht“.

Arzthelferin Lisa Maskow (20) und ihre Kolleginnen haben sich sehr gefreut, „endlich mal eine Bewerbung von einem Mann zu bekommen“. Daniel Dresel passe gut ins Team und sei eine echte Bereicherung.

Die Arzthelferinnen schätzen an ihm dreierlei: „Er ist ehrlich, lustig und kann am besten von uns allen Blut abnehmen“, verrät Jelena Leitzke (22). Grit Petersen

LN

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