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Norddeutschland Viele Senioren im Norden brauchen staatliche Hilfe
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08:19 09.08.2018
Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt bekommen die Schleswig-Holsteiner monatlich fast 46 Euro weniger Altersrente.  Quelle: Stephanie Pilick/dpa
Kiel

Grund dafür ist unter anderen das verhältnismäßig niedrige Lohnniveau im Land.

„In Schleswig-Holstein fehlt eine starke Industrie wie es sie beispielsweise in Baden-Württemberg gibt“, sagt Sebastian Bollig von der Deutschen Rentenversicherung Nord. Wirtschaftsschwache Regionen treffe das niedrige Rentenniveau am härtesten.

Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt bekommen die Schleswig-Holsteiner monatlich fast 46 Euro weniger Altersrente. Vermögen wie Immobilien seien dabei nicht einberechnet, dennoch sei eine Tendenz zu erkennen, sagt Bollig. Für Alleinerziehende und Selbständige sei das Risiko für Altersarmut besonders hoch. Laut Statistikamt Nord spielt auch das Geschlecht eine Rolle: 58 Prozent der Unterstützten sind Frauen.

„Viele Menschen machen aus Scham ihre Ansprüche nicht geltend“

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Sven Picker, stellvertretender Vorsitzender des Sozialverbandes Schleswig-Holstein (SoVD), sagt: „Der Bedarf an Grundsicherung steigt bundesweit stetig, im Norden sind dazu die Gehälter niedriger.“ Er vermutet eine hohe Dunkelziffer bei den Betroffenen. Bundesweit würden schätzungsweise etwa 700 000 Anspruchsberechtigte nicht zum Amt gehen. „Viele Menschen machen aus Scham ihre Ansprüche nicht geltend“, sagt er.

Zudem würden einige Senioren befürchten, dass ihre Kinder ähnlich wie bei der Sozialhilfe zur Verantwortung gezogen werden. Diese Sorge sei bei der Grundsicherung aber unberechtigt. Picker warnt vor zukünftigen Problemen: „Die Altersarmut muss wirksam bekämpft werden, weil wir auf eine zunehmende Zahl von Menschen zusteuern, die darunter leiden“, sagt er. Wichtig sei dafür die Einführung eines Freibetrags. Derzeit wird bei der Berechnung des Bedarfs für die Grundsicherung der gesamte Rentenbetrag mit einbezogen und auf einen Wert von 850 Euro aufgestockt.

Gerechtigkeitslücke bei der Grundsicherung

Picker plädiert dafür, einen Teil der Rente nicht einzuberechnen, der den Empfängern zusätzlich zur Verfügung stehen würde. Dadurch wäre auch die geleistete Arbeitszeit mit einbezogen. Derzeit bekommt ein Rentner, der gearbeitet hat, genauso viel Grundsicherung, wie jemand, der nie berufstätig war. „Das ist eine Gerechtigkeitslücke“, sagt Werner Kalinka (CDU). Der Landtag habe den Bund auf dieses Problem aufmerksam gemacht.

Grünen-Politikerin Marret Bohn fordert hingegen eine Garantiesicherung, bei der jeder automatisch Anspruch auf Grundsicherung hat. Zudem müsse Care-Arbeit wie Kindererziehung aufgewertet werden. Diese Tätigkeiten würden vor allem bei Frauen zu Lücken in der Berufstätigkeit und damit zu niedriger Rente führen. „Der Handlungsbedarf beim Thema Grundsicherung ist riesig“, sagt Bohn.

Niedrige Renten

Die durchschnittliche Altersrente liegt bundesweit bei 913, 44 Euro, in Schleswig-Holstein bei 867,<TH>45 Euro. Bei verminderter Erwerbsfähigkeit sind es 766, 54 Euro (SH) und 779, 48 Euro bundesweit. Die Rente wegen Todes beträgt 581,76 Euro (SH) und 601,65 Euro bundesweit.

Von Alessandra Röder

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