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Norddeutschland Amazon lässt Online-Händler auf ihr Geld warten
Nachrichten Norddeutschland Amazon lässt Online-Händler auf ihr Geld warten
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20:55 08.11.2017
Riesen-Panne oder böse Absicht? Der amerikanische Konzern Amazon zahlt seit gut einer Woche an viele seiner Online- Händler kein Geld aus. Quelle: DPA

Gleichzeitig werden Händler jedoch aufgefordert, ihre Artikel weiterhin an den Konzern zu versenden. Die Ware soll bei Amazon schließlich jederzeit verfügbar sein.

Ein betroffener Elektronik-Großhändler aus der Region Lübeck sagt: „Amazon hat bei mir Außenstände von rund 2500 Euro.“ Bei Beschwerden über eine Hotline sei er seit Ende vergangenen Monats wiederholt vertröstet worden mit dem Hinweis, es handele sich bedauerlicherweise um einen technischen Defekt, in zwei Tagen laufe alles wieder normal. Doch nichts passierte. Der Frust in den sozialen Netzwerken ist groß. Andere Online-Händler berichten von ausstehenden Zahlungen sogar im sechsstelligen Bereich. Medienberichten zufolge droht ersten Händlern nun ausgerechnet im lukrativen Weihnachtsgeschäft die Pleite. In seinem Vertrag mit Amazon ist der betroffene Händler aus der Region Lübeck dazu verpflichtet, bestellte Ware innerhalb von zwei Tagen an Kunden zu liefern. Das bedeutet: Er geht finanziell in Vorlage.

Üblicherweise bedarf es lediglich eines Mausklicks am Computer, damit der Online-Händler den vom Kunden an Amazon gezahlten Kaufpreis über ein Konto abrufen kann. Die Kommunikation läuft über das „Seller Central Portal“. Derzeit zeigt das System dem Händler einen „Status in Bearbeitung“ an.
Beim Bundesverband Online- Handel sind etliche Beschwerden über Amazons Verhalten eingegangen. Betroffene hätten das Problem zunächst auf die Zeitumstellung oder den Feiertag am letzten Oktober-Tag zurückgeführt. Das scheine aber nicht zuzutreffen, teilt der Verband mit. Amazon- Händler in Großbritannien würden offensichtlich vor derselben Problematik stehen. Zur Rechtslage sagt BVOH-Justitiar Wolfgang Wentzel: „Amazon hat kein Zurückbehaltungsrecht gegenüber dem Verkäufer, so weit dieser seine Verpflichtungen gegenüber Amazon und dem Endkunden erfüllt.“ Der Verband sei „zutiefst erschüttert“, sagt Wentzel, „wenn ein Unternehmen von dieser Größe, das die Logistik quasi erfunden hat, von einer technischen Panne spricht“. Das sei wenig plausibel. Der Bundesverband Online-Handel fordert Amazon deshalb auf, „sich endlich vernünftig zu äußern“.

Bei Amazon bleibt man auf Anfrage einsilbig. „Wir arbeiten schnellstmöglich an einer Lösung für den kleinen Anteil betroffener Verkäufer“, erklärt Sprecher Christian Blum. Eine Auskunft dazu, wann die angebliche Panne behoben sein wird, gibt es nicht. Curd Tönnemann

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