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Norddeutschland Schüler hat sich offenbar gemobbt gefühlt
Nachrichten Norddeutschland Schüler hat sich offenbar gemobbt gefühlt
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07:01 04.04.2019
Ein Polizeiauto parkt vor der Eckener Schule in Flensburg, an der ein Amoklauf verhindert wurde. Quelle: dpa
Flensburg

Der Schüler sei dann am Morgen in die Polizeikontrolle am Schuleingang regelrecht „reingelaufen“, sagte Sven Mohr, Leiter der betroffenen Eckener Schule, die von 2500 Schülern besucht wird. „Im Nachhinein würde ich fast sagen, er wollte erwischt werden.“

Vier Polizisten hätten die einzigen zwei geöffneten Eingänge besetzt, so Mohr. „Die standen da in Uniform und mit Streifenwagen.“ Alles sei sehr professionell und ruhig abgelaufen. Die an diesem Schultag – dem letzten vor den Osterferien – vorgesehenen Prüfungen hätten ohne Probleme stattfinden können. Die meisten Schüler hätten von der Festnahme nichts mitbekommen.

Schüler war unauffällig

Der mit den Messern erwischte 17-Jährige ist laut Staatsanwaltschaft ein Deutscher ohne Migrationshintergrund. Offenbar habe er sich von seinen Schulkameraden gemobbt gefühlt, informierte Ulrike Stahlmann-Liebelt, die Leitende Oberstaatsanwältin in Flensburg zum Motiv. Derzeit befinde der Jugendliche sich in Polizeigewahrsam.

Ermittelt werde wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz und „Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung einer Straftat“. Dabei sei unklar, ob die Ankündigung in einem privaten Chat für die Erfüllung des Tatbestandes ausreichend sei. Ob auch ein versuchtes Tötungsdelikt in Betracht komme, werde ebenso geprüft, wie die Frage, ob der junge Mann voll schuldfähig sei. Die Drohung soll allgemein formuliert gewesen sein, bestimmte Lehrer oder Mitschüler wurden nicht genannt.

Laut Schulleiter Mohr war der betreffende Schüler zuvor stets ruhig und unauffällig. Die Schule mache eine umfangreiche Präventionsarbeit. „Es ist traurig, dass es offenbar bei diesem Schüler nicht angekommen ist.“ Einen ähnlichen Vorfall habe es an der Schule bisher nicht gegeben. Zwar komme es vor, dass Schüler „mal ein Messer, eine Airgun oder einen selbstgebastelten Schlagring“ dabei hätten, diese würden aber „immer sofort abgegeben“, wenn eine Aufsichtsperson darauf aufmerksam werde.

Amok-Drohungen im Norden

2018 erlebten Schüler der Max-Planck-Schule in Kiel eine erhöhte Polizeipräsenz. In einem Raum nahe der Mensa wurde durch Unbekannte das Wort „Amok“ an eine Tafel geschrieben.

2015 fiel wegen eines von einem Unbekannten per E-Mail angedrohten Amoklaufs an drei Schulen in Schleswig-Holstein der Unterricht aus. Betroffen waren das Schulzentrum Glinde mit dem Gymnasium Glinde und der Sönke-Nissen-Gemeinschaftsschule sowie die Erich Kästner-Gemeinschaftsschule Barsbüttel im Kreis Stormarn.

2009 kündigte eine 13 Jahre alte Schülerin der Goethe-Realschule in Kiel per Handy einen Amoklauf an. Ihr Lehrer entdeckte die Drohung, als er einem Klassenkameraden im Unterricht das Handy wegnahm. Der Direktor der Schule rief die Polizei.

Ebenfalls 2009 sorgte eine vermeintliche Amok-Drohung an der Flensburger Kurt-Tucholsky-Schule im Internet-Forum Schüler-VZ für Aufregung. Offenbar ein Gerücht, denn es konnte niemand ausfindig gemacht werden, der die vermeintliche Amok-Ankündigung gesehen hatte.

Messer auch an Lübecker Schulen

Auch an Lübecker Schulen werden gelegentlich Schüler mit Messern erwischt. „Bei uns sind Messer laut Schulordnung verboten“, sagte Ludger Hegge, Leiter der Emil-Possehl-Schule den LN. Das gelte auch für Taschenmesser. „Wenn uns zu Ohren kommt, dass jemand eine Waffe hat, verständigen wir die Polizei.“ Geschehnisse wie jetzt in Flensburg seien ihm jedoch aus Lübeck bislang nicht bekannt. „Ausschließen kann man so etwas natürlich nie.“

Landes-Schülersprecher Benjamin Lemke (18) besucht selbst eine berufsbildende Schule in Flensburg. „Schrecklich, dass so etwas stattgefunden hat.“ Der versuchte Amoklauf sei ein Signal, das Anlass gebe, die Präventionsarbeit an Schulen in dieser Richtung zu verstärken.

Sowohl Lemke wie Mohr lobten das Vorgehen der Polizei. Die Schule war bereits am Dienstagabend kontaktiert worden, das weitere Vorgehen wurde mit der Schule besprochen, nachdem der Chatpartner aus Nordrhein-Westfalen die Polizei informiert hatte. Auch nach der Festnahme wollten die Beamten mit einer Streifenwagenbesatzung an der Schule noch Präsenz zeigen.

Marcus Stöcklin

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