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Norddeutschland Immer mehr Amseln sterben
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19:35 12.09.2018
In ganz Norddeutschland sind Amseln von dem Virus bedroht. Quelle: Gerten/dpa
Lübeck

Die durch das Usutu-Virus verursachte Amsel-Seuche breitet sich im Norden zunehmend aus. Nachdem bereits Fälle in Hamburg und Schleswig-Holstein gemeldet wurden, wurde nun auch der Ausbruch in Mecklenburg-Vorpommern bestätigt. Eine an dem Virus verendete Amsel sei südlich von Wismar gefunden worden, bestätigte Renke Lühken vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. „Wir erleben derzeit den bislang größten Ausbruch des Usutu-Virus in Zentraleuropa.“

44 Fälle in Schleswig-Holstein

Das Institut führt eine Statistik über die an der Seuche verendeten Amseln. Demnach sind Hamburg mit 52 und Schleswig-Holstein mit 44 Fällen die bundesweit am meisten betroffenen Bundesländer. Nur ein Teil der verendeten Vögel werde dem Institut zur Untersuchung geschickt. „Zehntausende Amseln sind bereits verendet“, schätzt Lühken. Das Virus können auch andere Vögel befallen, so Drosseln, Meisen oder Finken, aber auch Eulen und Hühner. Bei den meisten Vogelarten führe das Virus aber nicht zum Tod. „Amseln scheinen besonders empfindlich zu sein.“ Außerdem lebten sie nah am Menschen, so dass Kadaver häufig entdeckt würden.

Lühken rechnet damit, dass sich das Virus weiter ausbreitet. Es werde „kurzfristig zu einem massiven Rückgang“ der Amselpopulation kommen. Zwar sei die Amsel ein vergleichsweise häufiger Vogel, dennoch könne es „lokal durchaus sein, dass die Amsel völlig verschwindet.“ Betroffen seien dann zum Beispiel einzelne Straßenzüge oder kleine Orte, während es einige Straßen weiter oder im Nachbarort noch Amseln gebe. Besonders in Hamburg und den angrenzenden Kreisen, wie etwa Lauenburg und Stormarn sei die Amsel „massiv bedroht“. „Wir bekommen hier täglich Meldungen“, bestätigte Trudel Borck vom Naturschutzbund (Nabu) in Mölln.

Übertragung durch Stechmücken

Die genauen Auswirkungen des Virus würden noch untersucht. Bekannt sei aber, dass es von Stechmücken übertragen werde. Auch der Mensch könne sich infizieren. Zu den Symptomen gehören Fieber, Kopfschmerzen und Hautausschläge. In seltenen Fällen drohe eine Gehirnhautentzündung. Bisher seien zwei Fälle einer Infektion bekannt, die jedoch keine Erkrankung ausgelöst hätten.

Vorbeugen könne man der Krankheit allenfalls durch die Beseitigung von Wasserstellen oder Regentonnen, in denen sich die Mücken vermehren könnten, meint Lühken. Den Vögeln helfe es, wenn sie mit Wasser und Vogelfutter versorgt würden.

„Wer tote Vögel findet, sollte diese nur mit Handschuhen oder einer umgestülpten Plastiktüte anfassen“, erklärt Lühken. „Anschließend sollte man sich die Hände waschen.“ Wer den Kadaver dem Bernhard-Nocht-Institut schicken wolle, tue dies am besten zusammen mit einem Tiefkühlakku oder gefrorenem Wasser in Plastikflaschen.

Marcus Stöcklin

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