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Angekommen im Containerdorf

Rendsburg Angekommen im Containerdorf

In Rekordzeit hat das Land in Rendsburg eine neue Flüchtlingsunterkunft errichtet. Gestern trafen die Ersten ein.

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Begrüßt von den ehrenamtlichen Helfern beziehen die Flüchtlinge das neue Containerdorf.

Quelle: Fotos: Oliver Vogt

Rendsburg. „Welcome to Rendsburg“ steht mit roter Farbe auf ein weißes Bettlaken geschrieben. Michael Mai aus Büdelsdorf hat diesen Willkommensgruß an der Einfahrt zur neuen Flüchtlingsunterkunft an einen Bauzaun geknotet. „Hätten wir mehr Zeit gehabt, wäre das noch schöner geworden“, sagt er. Aber erst vor einigen Tagen habe er aus den Nachrichten erfahren, dass jetzt 800 Flüchtlinge nach Rendsburg kommen sollen. „Das soll einfach eine kleine Geste sein“, sagt Mai. „Ein Zeichen, dass wir auf ihrer Seite sind.“

Hinter dem Bauzaun laufen derweil die letzten Vorbereitungen für die Ankunft der Flüchtlinge. Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks sind damit beschäftigt, Schaumstoffmatratzen aus einem Lkw auszuladen und auf die Wohncontainer zu verteilen. Heidi Doppe, Einsatzleiterin des Deutschen Roten Kreuzes, ist ebenfalls im Stress, alle ehrenamtlichen Helfer zu koordinieren. Decken und Waschzeug müssen bereitgelegt, Verpflegung für das Abendessen organisiert werden. Zu allem Überfluss ist in der Nähe des großen Zeltes, in dem die Flüchtlinge später erfasst werden sollen, ein großes Nest mit Erdwespen aufgetaucht. „Müssen wir sehen, wer uns das jetzt noch entfernen kann. Bleiben kann es jedenfalls nicht“, sagt Doppe.

Die neue Unterkunft im Rendsburger Gewerbegebiet Rendsburger Straße, die insgesamt 800 Menschen Platz bieten soll, wurde buchstäblich aus dem Boden gestampft. Erst am Mittwochnachmittag standen die Pläne dafür fest. „Und am Donnerstagmorgen habe ich angefangen, alles in Bewegung zu setzen“, sagt Rüdiger Smal, Experte für Containerdörfer bei der Landespolizei, der von Innenminister Stefan Studt (SPD) aus dem Urlaub geholt wurde. „Logistisch war das eine extreme Herausforderung. Ohne die vielen Ehrenamtlichen würden wir das so schnell gar nicht schaffen“, sagt Smal.

Das Land habe leider nicht mehr Vorlauf, erklärt auch Innenminister Studt, der zur Ankunft der Flüchtlinge aus Kiel angereist ist. „Es gibt leider niemanden, der weiß, wie viele Menschen sich zu uns auf den Weg gemacht haben.“ Allein in den vergangenen Tagen seien rund 400 Menschen in der ohnehin überfüllten Erstaufnahmeeinrichtung in Neumünster eingetroffen. Da bliebe kaum mehr als ein paar Tage Zeit, allen Dach und Bett zur Verfügung zu stellen.

Aber auch die Einwohner von Rendsburg zeigen an diesem Tag, dass „Willkommenskultur“ nicht nur ein leeres Wort ist. Einige Bürger bringen kistenweise Sachspenden mit Kleidung und Lebensmitteln vorbei oder leisten ganz praktische Hilfe. So wie Noraldin Sheik Mohammed, der sich gemeinsam mit Ehefrau, Bruder und Cousin als ehrenamtlicher Übersetzer zur Verfügung stellt. „Ich selbst bin vor 15

Jahren nach Deutschland geflohen, daher weiß ich, was es bedeutet, in einem völlig fremden Land anzukommen, ohne die Sprache zu verstehen“, sagt der Rendsburger. Viele Flüchtlinge hätten schlimme Schicksale hinter sich, mussten im Bürgerkrieg oder auf der Flucht mitansehen, wie ihre Kinder sterben. „Wir möchten deshalb unseren Beitrag leisten, um es ihnen hier ein wenig leichter zu machen.“

Mittlerweile sind die ersten zwei Busse mit den Flüchtlingen eingetroffen. Vier weitere werden im Laufe des Tages noch folgen. 240 Menschen insgesamt, vorwiegend aus Syrien, dem Irak, Afghanistan und Eritrea. Gespannt blicken die ehrenamtlichen Helfer in die Gesichter der Neuankömmlinge, die schüchtern und schweigend aus den Bussen steigen. Ihre Habe ist in abgewetzten Koffern und Plastiktüten verstaut. Vor allem sind es Männer und ein paar wenige Frauen und Kinder, die nun in der vorletzten Station ihrer langen Flucht angekommen sind. Einige scheinen erleichtert, winken den Helfern freundlich zu. Eine Mutter aus Afghanistan weint jedoch, als sie die kleinen Wohncontainer sieht, die für die nächsten Wochen das Zuhause für sie und ihre Kinder sein werden. Kein neues Heim.

Nur wieder ein neues Lager.

Platz wird knapp
10 500 Asylsuchende sind bereits in diesem Jahr in Schleswig-Holstein angekommen, 1000 waren es allein in den ersten zwölf Augusttagen. Im ganzen Jahr wird mit 20 000 Flüchtlingen gerechnet. Neben der zentralen Erstaufnahmeeinrichtung in Neumünster hat das Land wegen der Vielzahl der Ankömmlinge Übergangs-Unterkünfte in Boostedt, Seeth, Albersdorf, Malente-Kiebitzhörn und Rendsburg eingerichtet.

Oliver Vogt

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