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Angst um Schleswig-Holsteins Kaninchen

Lübeck Angst um Schleswig-Holsteins Kaninchen

Große Sorgen um Schleswig-Holsteins Wildkaninchen: Die Bestände gehen im Norden immer weiter zurück, mancherorts sind die Tiere sogar schon ausgestorben. Schuld sind gefährliche Seuchen, die unter den Hopplern grassieren.  Der Naturschutzbund (Nabu) fordert jetzt, die Jagd auf die Tiere auszusetzen. Doch die Jäger sträuben sich.

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Auch Pauline (8, l.) und Lilly (7) aus Lübeck sorgen sich um ihre Hoppler „Willy“ und „Rudolf“. Denn Hauskaninchen sind von den Krankheiten ebenso bedroht.

Quelle: Maxwitat

Lübeck. Wie schlecht es um die Kaninchen steht, lässt sich vor allem an der Zahl der erlegten Tiere ablesen: Wurden im Jahr 2000 noch rund 25 000 Kaninchen geschossen, erreichte die „Kaninchenstrecke“ mit nur noch 10 554 Tieren 2012 den niedrigsten Stand seit über 50 Jahren. Zum Vergleich: 1990 wurden noch rund 120 000 Tiere geschossen, 1978 waren es knapp 240 000. Diesem massiven Rückgang könne nicht mehr tatenlos zugesehen werden, sagt Nabu- Landesgeschäftsführer Ingo Ludwichowski. „Die Jagd auf Wildkaninchen muss deshalb vorerst ausgesetzt werden, damit sich die Bestände regenerieren können.“

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Pauline füttert ihren kleinen „Rudolf“, der trotz des Namens eine Dame ist. „Zum Glück war sie noch nie krank“, sagt die Achtjährige.

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Eine Gefahr für die Kaninchen stellt neben der Myxomatose seit einigen Jahren auch die sogenannte China-Seuche dar. „Eine Heilung gibt es nicht, beide Krankheiten führen bei den Tieren unweigerlich zum Tode“, erklärt Tierärztin Vanessa Wrieg aus Lübeck. Die Krankheiten könnten sowohl untereinander als auch über Mücken und Fliegen sowie Grünfutter übertragen werden. Deshalb seien Hauskaninchen ebenso davon bedroht. Eine Impfung sei zwar möglich und werde von Tierärzten ausdrücklich empfohlen. „Man kann allerdings keine Wildkaninchen impfen“, erklärt die Veterinärin. Denn anders als bei der Tollwut gebe es keine Schluckimpfung gegen die Seuchen.

Laut Nabu seien deshalb nur große Kolonien stark genug, um sich gegen die Krankheiten zu stemmen. Je größer die genetische Vielfalt, umso eher würden sich bei den Tieren Resistenzen herausbilden, sagt Ludwichowski. Auch Wolf Freiherr von Schenck, Geschäftsführer des Wildparks Eekholt in Großenaspe (Kreis Segeberg), spricht sich für eine Schonung aus. Denn dabei gehe es nicht um Kaninchen allein. „Da Kaninchen ein Teil der Nahrungskette sind, hat ein Aussterben auch Einfluss auf Raubtiere wie zum Beispiel Füchse und Uhus“, erklärt der Wildpark- Chef.

Der Landesjagdverband hält eine Dauer-Schonzeit für Wildkaninchen gleichwohl für nicht notwendig. „Das würde den Kaninchen nicht viel helfen“, meint Sprecher Marcus Börner. Im Gegensatz zum Nabu vertrete der Landesjagdverband die Auffassung, dass sich in großen Kaninchenbeständen die Seuchen sogar schneller ausbreiten könnten. „Zudem achten die Jäger auch selbst darauf, kleine Kaninchenbestände zu schonen und keine Jagd zu machen, wenn Seuchen unter den Tieren grassieren“, sagt Börner. Ein generelles Jagdverbot würde aber verhindern, dass Kaninchen dort geschossen werden können, wo sie sich als Schädlinge erweisen — zum Beispiel an Deichen. Sinnvoller als Jagdverbote wären nach Börners Ansicht Neuansiedlungen von Kaninchenpopulationen, wie es sie in anderen Bundesländern schon gegeben habe. Allerdings sei die Auswilderung von Wildkaninchen in Schleswig-Holstein verboten.

Von dieser Praxis will das Umweltministerium in Kiel vorerst nicht abrücken. „Hier sollte der natürlichen Entwicklung Raum gelassen werden“, sagt Sprecherin Nicola Kabel. Allerdings werde sich das Ministerium voraussichtlich an die Seite des Nabu stellen und in der neuen Landesjagdzeitenverordnung, die derzeit überarbeitet wird, längere Schonzeiten für Kaninchen festlegen. „Wie die aussehen wird, ist aber noch nicht abschließend geklärt“, sagt Kabel.

„Willy“ und „Rudolf“, die beiden Zwergkaninchen von Pauline und Lilly aus Lübeck, müssen zwar ohnehin nicht fürchten, dass jemand Jagd auf sie macht. Myxomatose und China-Seuche bedrohen sie allerdings auch. „Wir haben beide Tiere deshalb impfen lassen“, sagt Paulines und Lillys Mutter. Das sei nicht ganz billig, da die Impfungen jährlich und halbjährlich wiederholt werden müssten. „Aber die beiden gehören jetzt zur Familie und sind uns das wert.“

Im Mittelalter aus Südeuropa eingewandert
Wildkaninchen sind ursprünglich nicht in unseren Breiten heimisch gewesen. Ursprünglich war die Art nur in Südeuropa und Nordafrika verbreitet. Erst im Mittelalter wurden die Tiere nach Frankreich, Großbritannien und ab dem 14. Jahrhundert auch in Deutschland künstlich angesiedelt. Mittlerweile ist die Art in ganz Europa verbreitet, allerdings gehen die Bestände wegen grassierender Seuchen allerorts stark zurück. Im Ursprungsland Spanien hat die Population seit 1950 um 95 Prozent abgenommen. Bei der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN) steht das Kaninchen deshalb auf der Vorwarnliste bedrohter Arten.

Die China-Seuche, auch RHD (rabbit haemorrhagic disease) genannt, ist eine Viruserkrankung, die ausschließlich Kaninchen befällt. Der Erreger wurde das erste Mal Ende der 1980er Jahre in China nachgewiesen. Die Inkubationszeit des Virus beträgt ein bis drei Tage. Der Tod des Tieres tritt dann bereits nach einem bis zwei Tagen ein.

Oliver Vogt

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