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Norddeutschland Anschläge auf die Bahn: Regionalzüge bei Lauenburg fast entgleist
Nachrichten Norddeutschland Anschläge auf die Bahn: Regionalzüge bei Lauenburg fast entgleist
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10:50 13.09.2013
Aus diesem Arbeitsweg wurden die Bohlen genommen und auf die Gleise gelegt. Quelle: Polizei
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Lauenburg/Basedow

„Die Folgen hätten katastrophal sein können“, sagt Gerhard Stelke, Sprecher der Bundespolizei in Kiel. Es sei Glück, dass die etwa 20, rund 80 Zentimeter langen Holzbohlen, die die Täter auf die Gleise geschichtet hatten, vom anrauschenden Zug nur in Tausende Splitter zerfetzt worden sein. „Hätte sich das Holz aber unter dem Zug verkeilt, hätte es schlimm ausgehen können“, sagt Stelke. Beide Züge waren mit einer Geschwindigkeit von über 100 Stundenkilometern auf das Hindernis geprallt. Im schlimmsten Fall hätten sie entgleisen und in den Elbe-Lübeck-Kanal stürzen können.

Die Katastrophe blieb zum Glück aus. Verletzt wurde bei den Unfällen niemand. Die Bahn brachte die Fahrgäste – 30 am Mittwoch, 51 gestern – mit Bussen an ihren Zielort. Der Sachschaden ist aber erheblich: Den Unfall von Mittwoch beziffert die Bahn mit rund 50 000 Euro, der Schaden gestern fiel geringer aus.

Die Bundespolizei steht vor einem Rätsel, Anhaltspunkte auf mögliche Täter gibt es bislang nicht. Von Anschlägen will die Polizei zum jetzigen Zeitpunkt zwar noch nicht sprechen. „Zwei Vorfälle an derselben Stelle, unmittelbar hintereinander lassen aber auf eine hohe kriminelle Energie schließen“, sagt Stelke. Die Holzbohlen hatten die Unbekannten von einem Arbeitsweg für Bahn-Mitarbeiter genommen, der an der Brücke entlang führt. Haben die Verantwortlichen das zweite Attentat verübt, weil es ihnen beim ersten Mal nicht gelungen war, den Zug zum Entgleisen zu bringen? „Das ist Spekulation. Wir schließen im Moment aber gar nichts aus“, betont der Polizeisprecher. Die Ermittlungen liefen auf Hochtouren.

Ebenso nicht ausgeschlossen werden könne derzeit, ob die Täter möglicherweise ein drittes Mal zuschlagen. Um Fahrgäste nicht zu gefährden, sollen die Regionalzüge zwischen Lübeck und Lüneburg an den gefährdeten Stellen zunächst langsam „auf Sicht“ fahren. Es könnte in den kommenden Tagen zu Verspätungen kommen.

Zeugen, die Hinweise auf die Verantwortlichen geben können, werden jetzt gebeten, sich mit der Bundespolizei unter Telefon 0800/6888000 in Verbindung setzen. Wegen gefährlichen Eingriffs in den Schienenverkehr droht den Tätern bis zu zehn Jahren Haft.

Oliver Vogt

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