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Norddeutschland Appell an Eltern: Schaut auf eure Kinder, nicht aufs Handy
Nachrichten Norddeutschland Appell an Eltern: Schaut auf eure Kinder, nicht aufs Handy
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07:45 21.06.2018
Blick auf Tablet statt aufs Kind. Quelle: dpa
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Kiel

Eltern, die den Blickkontakt zu ihrem Nachwuchs vernachlässigen, verstärkten bei ihren Sprösslingen auf Dauer Frust und Aggression, so die Studie. Der Kinderschutzbund Schleswig-Holstein richtet einen Appell an Eltern: „Schaut euren Kindern in die Augen!“

Irene Johns, Vorsitzende des Landeskinderschutzbundes, hat folgendes Szenario selbst erlebt. „Ein Kinderspielplatz. Ein Mädchen fängt an zu schreien.“ Doch die Mutter, nur wenige Meter entfernt auf einer Bank sitzend, ignoriert die Schreie, surft stattdessen in sozialen Netzwerken. „Dabei hätte es hier dringend eines direkten Blickkontakts zwischen Mutter und Kind bedurft“, sagt Johns. Nicht von ungefähr heiße es, „der Glanz im Auge der Mutter stellt eine Spiegelung für das Kind dar“.

Ein direkter Blickkontakt vermittle Kindern und erst recht Säuglingen Aufmerksamkeit und Geborgenheit, gebe ihnen die nötige Sicherheit. Kinder von Eltern, die solche Regeln vernachlässigten, lernten leider früh eines: „Das Handy ist wichtiger als ich.“ Das Gleiche gelte für den Umgang mit Laptop und Fernseher. Am Ende könne ein Mangel an aktivem Miteinander zu Verhaltensauffälligkeiten beim Nachwuchs führen.

Missachtete Kinder seien eher frustriert, hyperaktiv, jammerten, schmollten oder reagierten mit Wutanfällen, berichten US-Forscher im Fachjournal „Pedriatic Research“ zum Ergebnis ihrer Studie. Kinder merkten ganz genau, wie das Smartphone ihnen die Aufmerksamkeit der Eltern stiehlt. Der Teufelskreis: Viele Eltern reagierten auf als anstrengend empfundene Kinder mit noch mehr Medienkonsum. Für die Studie hatten 183 Elternpaare mit Kindern unter fünf Jahren beantwortet, wie oft sie verschiedene Mediengeräte nutzen und dafür die Kommunikation mit ihren Kindern unterbrechen.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte Schleswig-Holstein stimmt dem Tenor der Studie zu. In den Wartezimmern hätten sich Eltern früher mit ihren Kindern Bilderbücher angeschaut, hätten auf dem Boden gehockt, um gemeinsam mit ihren Sprösslingen Spielzeug zu bewegen. „Das ist nahezu vorbei“, sagt Verbandsvize Dr. Jens Hartwig (Schleswig). Heute überließen Eltern die Kinder sich oft selbst, starrten lieber ins Handy.

Folge solchen Verhaltens seien Heranwachsende, die Bindung nie erlebt hätten und schließlich daran krank würden. „Tatsächlich haben wir eine zunehmende Zahl von hyperaktiven und aggressiven Kindern“, erklärt Hartwig. Manche Eltern glaubten, die Erziehung ihres Kindes an den Kindergarten delegieren zu können. Lehrer berichteten ihm von nachlassendem Durchhaltevermögen und mangelnder Konzentrationsfähigkeit der Schüler. Eltern sollten ihre Handynutzung deshalb hinterfragen.

Von Curd Tönnemann

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