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Norddeutschland Armut nimmt zu: Immer mehr Rentner bei den Tafeln
Nachrichten Norddeutschland Armut nimmt zu: Immer mehr Rentner bei den Tafeln
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22:00 26.11.2016
Bundesweit unterstützen 923 Tafeln etwa 1,5 Millionen Menschen. 24 Prozent davon sind Senioren. Quelle: dpa
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Lübeck

Auch auf Bundesebene sei dieser Trend spürbar, bestätigt Jochen Brühl, Vorstandsvorsitzender des Vereins „Die Tafel“ in Berlin. Mitglieder sind auch Träger wie die Diakonie, das Deutsche Rote Kreuz oder Kirchgemeinden. Bundesweit unterstützen 923 Tafeln etwa 1,5 Millionen Menschen. 24 Prozent davon sind Senioren. Brühl: „Wir erwarten, dass in den nächsten Jahren noch mehr Rentner zu uns kommen.“ Die Tafeln seien „ein Seismograph für die gesellschaftliche Entwicklung“.

„Die Armut in Deutschland nimmt zu“, resümiert Friedrich Keller, Sprecher des diakonischen Werkes Schleswig-Holstein. Erschreckend hoch sei mit bundesweit 23 Prozent auch die Zahl der bedürftigen Kinder. Eine weitere Gruppe, die zunehmend Unterstützung brauche, seien Alleinerziehende und Hartz-IV-Empfänger. Zuvor hätten zahlreiche Flüchtlinge die gemeinnützige Organisation aufgesucht. Dies lasse nun wieder nach. Dennoch, so Keller, stoße die Tafel vielerorts an ihre Grenzen. „Es sind nicht nur Wohnungslose, die zu uns kommen. Das Thema Armut ist in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen.“

Helfer in der Not

220 Ehrenamtler engagieren sich für die Lübecker Tafel. Für seine Arbeit braucht der Verein Unterstützung.

Das Spendenkonto
Kontoinhaber: Lübecker Tafel e.V.
IBAN: DE09 2305 0101 0160 3474 56
BIC: NOLADE21SPL
Sparkasse zu Lübeck, Verwendungszweck: „Hilfe im Advent“

Wer alleine ein Einkommen von unter 750 Euro monatlich habe, also unter der Armutsgrenze liege, der bekomme einen Bedarfsschein, erläutert der Diakonie-Sprecher. Bei Familien liege die Grenze entsprechend höher.

Um die zahlreichen Bedürftigen mit Lebensmitteln unterstützen zu können, sind die Tafeln auf Waren-Spenden, etwa von Märkten und Einzelpersonen, angewiesen. Meist handelt es sich um Lebensmittel, die nicht mehr für den Verkauf geeignet sind, weil das Haltbarkeitsdatum abläuft oder Brot vom Vortag oder Gemüse, das erste dunkle Stellen zeigt.

„Manchmal könnte es mehr sein“, sagt Monika Gertenbach, die ehrenamtlich die Tafel in Eutin (Ostholstein) leitet. Vor allem Eier, Milch, Käse, Öl, Mehl, Nudeln und Reis seien oft Mangelware.
Darüber hinaus verursachen Gebäudemieten sowie die eingesetzten Fahrzeuge Kosten. Für die Versicherungen und den Sprit muss Geld aufgebracht werden: „Die gespendeten Lebensmittel müssen abgeholt, transportiert und sachgerecht gelagert werden“, erklärt Monika Gertenbach. Zudem seien Kühlgeräte erforderlich. „Wir müssen die Hygienevorschriften einhalten.“

„Wir sind auf Geldspenden angewiesen, betont Tafel-Vorsitzender Brühl, der sein Amt ebenfalls ehrenamtlich ausübt. „Wir freuen uns über jeden, der nicht nur Missstände kritisiert, sondern handelt. Das ist unser Ansatz.“

Marcus Stöcklin

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