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Norddeutschland Landes-Jobs für Spitzensportler: „Das ist ein Muss“
Nachrichten Norddeutschland Landes-Jobs für Spitzensportler: „Das ist ein Muss“
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20:23 20.03.2019
Ministeriums-Jobs für Spitzensportler: Ruder-Achter-Silbermedaillen-Gewinner Maximilian Munski wäre dafür, um Talente zu fördern. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Kiel

„Das ist generell eine gute Idee“, sagt Meike Evers-Rölver. Die 41-jährige Ratzeburgerin holte als Rudererin 2000 und 2004 olympisches Gold im Doppelvierer. Das Land sei als Arbeitgeber auch groß genug, um die fünf Stellen zu verkraften, sagt die Ex-Athletin. Ob die Zahl ausreiche, sei mal dahingestellt. „Wir haben viele hoffnungsvolle Talente im Land.“ Und das gelte für viele Sportarten. Die Fördermöglichkeiten seien hingegen beschränkt. Sie selber sei damals bei der Polizei sehr unterstützt worden. In größerem Stile gebe es so etwas aber bislang nicht. Man müsse dann natürlich auch Sportlerinnen und Sportler finden, die Lust auf eine Behördenlaufbahn hätten.

Job und Sport, das geht bislang nur bei Bundeswehr oder Polizei

„Wir haben viele hoffnungsvolle Talente im Land“, sagt Gold-Rudererin Meike Evers-Rölver. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Maximilian Munski gewann 2016 ebenfalls als Ruderer im Achter Silber. Auch der Lübecker hält den SPD-Vorstoß für eine gute Idee. „Das ist ein guter Anfang“, sagt der 31-Jährige. Die Größenordnung der Stellenzahl passe schon mal. 2016 seien in Rio sieben Athleten aus Schleswig-Holstein bei Olympia am Start gewesen. Tatsächlich gäbe es sonst ja nur die Möglichkeit, bei Bundeswehr oder Bundespolizei Beruf und Sport miteinander zu verbinden, „und für beides wäre ich nicht der Typ gewesen“. Er zog daher zunächst den Sport vor, beendet erst jetzt nach seinem Karriere-Ende sein Studium zum Sonderschullehrer.

Mehr lesen: Trainieren bei vollem Gehalt: SPD fordert Landes-Jobs-für Spitzensportler

Kirsten Bruhn: „Das ist ein Muss“

Die gebürtige Eutinerin und Gold-Schwimmerin Kirsten Bruhn hält die SPD-Forderung für absolut begrüßenswert. Quelle: Christopher Lee/Getty Images

Die Schwimmerin Kirsten Bruhn holte bei den Paralympics 2004, 2008 und 2012 allein jeweils eine Goldmedaille. Seit einem Motorradunfall 1991 ist die gebürtige Eutinerin querschnittsgelähmt. Für sie steht fest: Solche Arbeitsstellen für Spitzensportler im Landesdienst „sind ein Muss“. Das sei „absolut notwendig“, um Sportler angemessen zu fördern. Womöglich müsse ihre Zahl im Hinblick auf die Vorbereitung für Olympia 2022 in Peking auch noch aufgestockt werden. Gerade paralympische Athleten kämen oft erst nach einem Unfall im Jugend- oder jungen Erwachsenenalter zu ihrem Sport, wenn sie bereits in Studium oder Ausbildung stecken. Und ohne 25 bis 30 Stunden Training pro Woche könne man im Sport eben nicht an die Spitze kommen. Solche Jobs in den Ministerien könnten zudem ein Signal in die Wirtschaft hinein sein, Sportler ebenfalls besser zu unterstützen.

„Der Sport wird ganz schnell ein Vollzeit-Job“

Gold in Rio de Janeiro 2016: Der Rendsburger Ruderer Lauritz Schoof. Quelle: LN

„Super“, sagt der Rendsburger Ruderer Lauritz Schoof. Solche Jobs wären gerade für jene Sportlerkollegen eine große Hilfe, die kein Studium ansteuern. Er selber habe an der Uni Bochum viele Freiheiten gehabt, habe im Herbst sehr viele Vorlesungen belegen und im Frühjahr dafür dann fehlen können. „Für Spitzensportler, die eine Ausbildung machen, ist das Zeitmanagement aber viel, viel schwieriger und anspruchsvoller“, sagt der 29-Jährige. Einige Mit-Ruderer etwa, die bei der Landespolizei angefangen hätten, hätten ihre sportlichen Leistungen nicht halten können. Schoof holte 2012 und 2016 Olympia-Gold. Und der Sport in diesen Regionen sei ganz schnell „ein Vollzeitjob“.

„Eine tolle Idee“, lobt auch der Vielseitigkeitsreiter und Goldmedaillengewinner 2008, Hinrich Romeike, Zahnarzt in Rendsburg. Sport sei, wenn man es top machen wolle, ein Fulltime-Job – in Deutschland nur leider ohne Bezahlung. Wenn das Land jetzt mithelfen wolle, Talente zu unterstützen, sei das durchweg positiv. Und dem dürften sich auch die Regierungsparteien wohl kaum entziehen können, sagt Hinrich Romeike.

Hinrich Romeike gewann 2008 doppeltes Olympiagold im Vielseitigkeitsreiten. Quelle: RUE

Wolfram Hammer

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