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Norddeutschland Atomkraftwerk Brokdorf darf wieder ans Netz
Nachrichten Norddeutschland Atomkraftwerk Brokdorf darf wieder ans Netz
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13:51 30.07.2017
Quelle: jeb
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Kiel/Brokdorf

Das im Februar wegen rostiger Brennstäbe vom Netz genommene Atomkraftwerk Brokdorf (Kreis Steinburg) darf wieder hochgefahren werden. Die Atomaufsicht des Landes Schleswig-Holstein hat die Zustimmung am Samstagabend erteilt, wie das Energieministerium in Kiel am Sonntag mitteilte. Allerdings gelten Beschränkungen. So wird die Leistung des AKW zunächst auf 88 Prozent reduziert. Später darf sie maximal 95 Prozent erreichen. Voraussetzung dafür ist, dass die mittlere Kühlmitteltemperatur abgesenkt wird.

Am Sonnabend demonstrierten rund 80 Atomkraftgegner gegen das Wiederanfahren des Meilers. Sie forderten unter anderem einen Verzicht auf die rostanfälligen M5-Brennstäbe und eine Reduzierung der Leistung auf 80 Prozent. Die Anlage hat eine Restlaufzeit bis 2021.

Im Zuge der Jahresrevision des AKW Brokdorf war im Februar Rost an Brennstäben festgestellt worden, der nicht nur dicker war, sondern auch schneller und an anderen Stellen auftrat als erwartet. Die Revision sollte ursprünglich drei Wochen dauern, zog sich aber wegen der Rostfunde fast sechs Monate hin.

Experten fanden in dieser Zeit heraus, dass zu der auffälligen Oxidation der Brennstäbe außer dem Hüllrohrmaterial auch die im Jahr 2006 erhöhte Leistung und ein immer häufigeres schnelles Hoch- und Herunterfahren des Reaktors geführt hatten. Für die sogenannte Lastwechselgeschwindigkeit machte die Atomaufsicht jetzt auch eine Vorgabe: Sie wurde halbiert.

Während des fast halbjährigen Stillstands kam es im AKW Brokdorf wiederholt zu Problemen. Nach Angaben des Energieministeriums gab es fünf meldepflichtige Ereignisse. So starteten im März ungewollt zwei Kühlwasserpumpen. Ursache war ein defekter Kondensator. Im selben Monat kam es zu einer knapp 30-minütigen Überschreitung des maximalen Betriebs- und Prüfungsunterdrucks im Reaktorsicherheitsbehälter. Im Mai musste eine defekte Ölpumpe ausgetauscht werden. Im Juni machten zwei defekte Transistoren Probleme bei der Neutronenflussmessung. Am vergangenen Freitag öffnete eine Klappe im Ladeluftsystem eines Notstromdiesels bei einer Prüfung nicht. „Bei keinem der meldepflichtigen Ereignisse bestand die Gefahr einer Freisetzung von radioaktiven Stoffen“, betonte die Atomaufsicht.

Hintergrund

Das Kernkraftwerk Brokdorf ist eines von drei Kernkraftwerken in Schleswig-Holstein. Während die Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel in Folge des Atomausstiegs keine Berechtigung zum Leistungsbetrieb mehr haben, darf Brokdorf laut Gesetz noch bis längstens Ende 2021 Strom produzieren.

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