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Norddeutschland Auf Regen folgt Kunst
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18:10 10.07.2018
„Der arme Poet“ trotzt in seiner ärmlichen Dachkammer dem Regen. Das Bild von Carl Spitzweg ist zu seinem berühmtesten Werk geworden.
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In Liebesfilmen nutzen Regisseure Regen als Stilmittel für romantische Stimmung. In der britischen Komödie „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ (1994) klopft Carrie (Andie MacDowell) nach der geplatzten Hochzeit von Charles (Hugh Grant) an seine Wohnungstür. Im strömenden Regen bittet er sie, für den Rest des Lebens nicht mit ihm verheiratet zu sein. Denn die Ehe hat für beide bisher nicht funktioniert. Carrie nimmt den Anti-Antrag an. Es folgt ein langer Kuss. Im vor Romantik triefenden Streifen „Wie ein einziger Tag“ (2004) nach einer Romanvorlage von Nicolas Sparks machen die Hauptfiguren Allie (Rachel McAdams) und Noah (Ryan Gosling) eine Bootstour auf einem idyllisch gelegenen See. Plötzlich schüttet es wie aus Kübeln, die beiden beginnen, über ihre seit Jahren unterdrückte Sehnsucht zueinander zu sprechen. Zum Schluss, endlich, knutschen sie hemmungslos.

Nach trockenen Tagen wird es jetzt nass. Musiker, Regisseure und Maler nutzen den Regen als Stil- und Ausdrucksmittel.

Für die Popmusik war Regen in den letzten Jahrzehnten eine Quelle der Inspiration. Den womöglich bekanntesten Song über Regentropfen sang der Amerikaner B. J. Thomas in den 60er Jahren. Der sorglose Titel „Raindrops keep fallin’ on my Head“ wurde von zahlreichen Musikern gecovert und damit zum Pop-Evergreen. In dem Song geht es um einen Mann, der glücklich und sorgenfrei durch sein Leben geht, sogar dann, als ihm dicke Regentropfen auf den Kopf pladdern. Die Liste über Regensongs im Musikgeschäft ist lang: So ließen die Weather Girls in ihrem Hit „It’s raining Men“ nicht Regentropfen, sondern Männer vom Himmel fallen. Über Lila Regen sang Musik-Legende Prince und auch die Beatles, Madonna oder Guns’N’Roses ließen sich bei einigen Songs vom Regen inspirieren.

Im amerikanischen Musical-Film „Singin’ in the Rain“ tanzt Gene Kelly frisch verliebt durch den Regen. Und den Schirm spannt er gar nicht erst auf. Wenn die innere Einstellung stimmt, ist auch der heftigste Wolkenbruch willkommen. „Singin’ in the Rain“ ist 1952 erschienen und vom American Film Institute zum besten amerikanischen Musicalfilm aller Zeiten gewählt worden. Er bekam zwei Oscar-Nominierungen – darunter für die beste Filmmusik – und ist auch heute noch in mehreren DVD- und Blu-ray-Editionen erhältlich.

In der Bildenden Kunst trotzt „Der arme Poet“ von Carl Spitzweg dem Regen. Das Bild ist das berühmteste Werk des deutschen Malers. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der bedauernswerte Poet der Öffentlichkeit vorgestellt – ein Klischee des sich nur auf seine Dichtung besinnenden Künstlers. Den Regen, der durch das Dach seiner ärmlichen Kammer tropft, muss er mit einem bereits abgewetzten Regenschirm abwehren. Damals verstand die Kunstszene die ironische Darstellung als Angriff auf das Ideal des Kunstschaffenden. Erst mit der Zeit wandelte sich die Wertschätzung. Mittlerweile ist „Der arme Poet“ Spitzwegs populärstes Bild. Den heutigen Betrachter mag es dazu anregen, in sich hineinzuhorchen, vielleicht zu einem Buch zu greifen, während der Regen auf das Dach prasselt. Bleibt zu hoffen, dass es dicht hält.

Das sind die Aussichten

Tief „Gislinde“ überquert heute mit labiler Höhenkaltluft den Westen und die Mitte mit kräftigen Schauern und einzelnen Gewittern. Bis Donnerstagabend können nach Schätzungen des Deutschen Wetterdienstes von der Ostsee bis zum Erzgebirge 15 bis 40 Liter Regen pro Quadratmeter zusammen kommen, im äußersten Nordosten auch mehr.

Donnerstag klart es dann laut Wetterprognose schon wieder auf, es gibt kaum noch Schauer und bleibt meist trocken. Der Wind wird schwächer.

lj/sha/sbu

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