Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Auf den Strauß gekommen
Nachrichten Norddeutschland Auf den Strauß gekommen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:48 25.06.2018
Alle drei Tage legt das Straußenweibchen ein Ei. Für die weitere Zucht oder den Verzehr sammelt sie Phillip Strukat regelmäßig ein. Quelle: Fotos: Lutz Roessler
Hohenfelde

400 Strauße und vier Emus leben auf dem etwa 15 Hektar großen Gelände des Familienbetriebs Strukat. „Dass Strauße hier leben können, ist nicht ungewöhnlich“, sagt Junior-Chef Phillip Strukat. In dem natürlichen Lebensraum der Laufvögel, der Halbwüste Afrikas, seien Temperaturunterschiede von 60 Grad innerhalb von 24 Stunden normal, erklärt Ralph Schumacher, Präsident des Bundesverbands deutscher Straußenzüchter. „Die winterlichen Temperaturen müssen nur durch eine angepasste Fütterung ausgeglichen werden.“

Nordwestlich der Hohwachter Bucht liegt das kleine Örtchen Hohenfelde. Friedlich wiegen sich die grüngelben Roggenähren im Wind. Der endlos wirkende Horizont der Ostsee ist stets im Blick. Nicht umsonst der Name: „Straußenfarm Ostseeblick“. Moment mal: Strauße an der Ostsee?

Zu dem landwirtschaftlichen Betrieb mit den vielen Laufvögeln gehören noch ein Hofladen mit Restaurant sowie eine Hofschlachterei. „Alles vom Strauß“ steht in himmelblauen Lettern über dem Eingang des Hauses, in dem alles vom Strauß verkauft wird: Würstchen, Steak, Braten, Corned-Strauß, Eier und Federn. Am beliebtesten sei jedoch das klassische Steak, sagt Strukat-Junior. „Geschmacklich liegt das Straußenfleisch zwischen Wild und Rind.“ Es zeichne sich durch seine sehr magere und zarte Konsistenz aus. Zudem sei es sehr cholesterinarm, ergänzt er.

Heute ist die Straußenfarm Ostseeblick ein Magnet für Touristen der Region. „Wo gibt es schon so etwas, dass man die Vögel hautnah erleben kann“, schwärmt Tanya Bannat-Reimers (42), während ihr Sohn Felix (5) die zwei Wochen alten Küken streichelt. „Fühlt sich ein bisschen an wie Kunstrasen“, sagt sie. Erst neugierig,dann scheu flüchten die Kleinen ruckartig in die andere Ecke des Geheges. Und nicht nur bei den kleinen Besuchern sind die Strauße der Hit. „Unsere Seniorengruppe kommt vom Land. Daher sind wir natürlich an der Vogelwelt und insbesondere dem Strauß interessiert“, sagt Jakob Heldt (75) aus Havetoft. Das Fleisch habe er auch schon probiert. Einen Unterschied zu anderen könne er jedoch nicht rausschmecken.

Die Idee, Strauße auf den Familienbetrieb zu holen, entstand zur Jahrtausendwende. Im Zuge finanzieller Schwierigkeiten im Zusammenhang mit dem BSE-Skandal trennte sich der Senior, Stefan Strukat, von den Tieren des seit 1953 existierenden Milchviehbetriebs. „Bei einer Familienfeier bestellte sich mein Vater ein Straußensteak und die Idee war geboren. Vier Wochen später standen die ersten Strauße auf unseren Wiesen“, sagt der Junior. Nicht aus Afrika, wie man vermuten würde, sondern von einer kleinen Farm aus Niedersachsen. Zunächst war es als Hobby gedacht, doch die Nachfrage durch Medien und Besucher war so groß, dass der Betrieb das Angebot erweiterte.

„Strauße werden in Deutschland bis auf zwei Farmen immer im Nebenerwerb oder als zusätzliches Standbein eines landwirtschaftlichen oder andersartigen Betriebes gehalten. Die Zahl der Hobbyhalter wird nicht erfasst“, sagt der Straußenexperte Ralph Schumacher.

Weil der Strauß ein Exot ist, gebe es viele Auflagen, die man einhalten müsse, sagt Strukat. Ein Beispiel: Ein Straußentrio braucht 2500 Quadratmeter Auslauffläche. Bei so viel Platz komme es auch mal vor, dass sie ausbüchsen, erzählt der Junior. Was da hilft? „Dann müssen wir sie eben wieder einfangen“, sagt er. Einmal verfolgte er einen geflohenen Strauß mit einem Quad. Als er auf gleicher Höhe war, sprang er von seinem Gefährt und stürzte sich auf den Rücken des Tieres. Man bedenke: Strauße können bis zu 70 Stundenkilometer schnell laufen.

Ein weiteres Highlight auf der Straußenfarm sind die Eier der Laufvögel. Die harte Schale der handballgroßen Eier fühlt sich an wie Porzellan. Hart, sehr glatt und glänzend. „Um da rauszukommen, bedarf es Schwerstarbeit der schlüpfenden Küken“, sagt Strukat senior. 42 Tage dauert es, bis ein Küken schlüpft. Daher werden sie in klimatisierten Schränken, mit einer Kapazität von 650 Eiern, gelagert. 20 Prozent sind für den Verzehr gedacht, der Rest dient der Zucht.

Diese hart zu kochen dauert eineinhalb Stunden. Ein Omelett wiederum reicht für sechs Personen und entspricht der Menge von etwa 30 Hühnereiern.

Geschmacklich unterscheiden sie sich nicht. Nur der Eiweißgehalt, der ist höher beim Straußenei.

Nur zwei Zehen

Der Strauß ist der größte Laufvogel der Welt. Nicht zu verwechseln mit den australischen Emus und den südamerikanischen Nandus. Ein Blick auf die Füße der Vogel verrät den Unterschied: Strauße besitzen nur zwei Zehen am Fuß, wohingegen alle anderen Vögel drei Zehen haben. Die Hähne tragen ein schwarzweißes Gefieder. Die Weibchen sind gräulich- braun. Auf der Farm Ostseeblick wird der Blauhalsstrauß, eine von drei Arten, gezüchtet. Er wird etwa 2,70 Meter groß und bis zu 160 Kilogramm schwer. In Deutschland wurden die ersten Strauße um 1985 erstmals privat als landwirtschaftliches Nutztier gehalten.

Fabian Boerger

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!