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Norddeutschland Auf der Suche nach einem Lebensretter
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17:18 17.11.2014
Mit diesem Foto von Johnny suchen Freunde und Verwandte auf Facebook unter dem Titel „#Johnny needs you“ einen Spender. Quelle: privat
Hamburg

Blass lächelt der 28-jährige Johnny in die Kamera, seine Hände hält er gefaltet auf dem Schoß. Er wirkt ruhig, fast entspannt. Eigentlich das Foto eines ganz normalen jungen Mannes. Doch der Schein trügt: Denn Johnny hat Blutkrebs. Seit einem Monat liegt der 28-Jährige abgeschottet in einem Krankenhausbett. Freunde und Verwandte dürfen ihn nur mit Handschuhen und Mundschutz besuchen. Wenn überhaupt. Rettung gibt es für Johnny nur in Form einer Stammzellenspende. Doch einen geeigneten Spender zu finden, ist vor allem in diesem Fall sehr schwer.

Denn Johnny ist halb deutsch, halb Indonesier. Sein Spender muss also auch Asiate oder Halbasiate sein, um in Frage zu kommen. Mit der Facebookseite „#Johnny needs you“ versuchen Freunde und Familie jetzt einen geeigneten Spender zu finden. Innerhalb von einer Woche haben sie bereits 1500 Unterstützer für ihre Aktion gefunden. Nur der geeigneten Spender war bislang nicht dabei.

Angefangen hatte alles auf den ersten Blick ganz harmlos: Mit Halsschmerzen geht der 28-Jährige, der in Kiel eine Lehre macht und begeisterter Basketballspieler ist, zum Arzt. „Nur eine Erkältung“, denkt er sich, will sich aber auf Grund einer Blutkrebserkrankung, die er als 17-Jähriger erfolgreich bekämpft hatte, lieber genauer untersuchen lassen. Die folgende Diagnose reißt der gesamten Familie den Boden unter den Füßen weg: akute myeloische Leukämie. Wieder Blutkrebs. „Wir haben uns in der Familie sofort nach der Diagnose als Spender testen lassen“, sagt Johnnys ältere Schwester Joyce. Ohne Erfolg, weder die Eltern noch die drei Schwestern kommen in Frage. Besonders schlimm ist die Situation für Johnnys Zwillingsschwester. „Die beiden haben ein sehr enges Verhältnis, haben alles zusammen gemacht, und jetzt kann sie ihm nicht helfen. Das nimmt sie sehr mit“, sagt Joyce. Ihrem Bruder gehe es momentan den Umständen entsprechend, sagt sie: „Er bekommt Chemotherapie, deshalb ist ihm oft schlecht, und er ist sehr schlapp.“

Über das Internet versuchen Johnnys Freunde und seine Familie seit gut einer Woche, einen passenden Spender zu finden. „Es ist sonst schon schwer, einen Spender zu finden, aber in diesem Fall ist es wirklich die Nadel im Heuhaufen“, so Joyce. Auf der Suche nach Hilfe wendete sich der Freundes- und Familienkreis an die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS), die seither die Facebookseite und die geplanten Registrierungsaktionen unterstützt. DKMS-Sprecher Karsten Meier erklärt: „Gerade bei Menschen, die einer genetischen Minorität angehören, ist es schwieriger, einen geeigneten Spender zu finden, da für eine Spende zehn von zehn genetischen Merkmalen übereinstimmen müssen.“ Gemeinsam mit der DKMS und dem Indonesischen Generalkonsulat in Hamburg veranstalten Freunde und Familie am Freitag, 21. November, von 15.30 bis 18.30 Uhr im Generalkonsulat der Republik Indonesien, Bebelallee 15, eine Registrierungsaktion für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei. An diesem Wochenende verteilen Johnnys Angehörige und Unterstützer in Hamburg, Lübeck und Kiel Flyer, mit denen sie auf die Spendenaktion hinweisen wollen.

Ob sich ein passender Spender für Johnny findet, ist ungewiss. Trotzdem gibt der junge Mann die Hoffnung nicht auf. Zu seiner Schwester sagte er: „Ich sehe zuversichtlich in die Zukunft. Ich habe die Kraft, das alles zu überstehen.“

Die Stammzellenspende
12 100 Menschen erkrankten in diesem Jahr in Deutschland an Blutkrebs, sechs Prozent der Patienten sind unter 15 Jahre alt. In den meisten Fällen hilft den Betroffenen nur eine Stammzellenspende. Spenden kann jeder, der zwischen 18 und 55 Jahren alt ist und über 50 Kilogramm wiegt. Karsten Meier von der DKMS erklärt: „Dazu kann man sich entweder bei einer Registrierungsaktion etwas Blut abnehmen lassen oder bequem von zu Hause aus mit einem Wattestäbchen einen Wangenabstrich machen und das Ganze bei uns einschicken.“ Alle Informationen dazu gibt es auf www.dkms.de

Marieke Stender

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