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Norddeutschland Auf sechs Spuren zur Hochbrücke?
Nachrichten Norddeutschland Auf sechs Spuren zur Hochbrücke?
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10:26 13.09.2017
Die Rader Hochbrücke über dem Nord-Ostsee-Kanal ist marode und soll bis 2030 durch einen Neubau ersetzt werden – mit sechs Fahrspuren. Quelle: Aufwind
Kiel

Man solle doch „jetzt erst mal fröhlich feiern, dass wir kein Nadelöhr an der Rader Hochbrücke haben“, sagt Kiels FDP-Verkehrsminister Bernd Buchholz. Er hatte in Berlin neue Verkehrsprognosen für die Querung des Nord-Ostsee-Kanals vorgelegt – 61 900 Fahrzeuge im Jahr 2030 –, die einen sechsstreifigen Bau der Brücke gerade eben rechtfertigen. Die Landtags-SPD will sich damit aber nicht lange aufhalten. „Wir fordern jetzt, die A 7 nördlich von Bordesholm ebenfalls sechsspurig auszubauen“, sagt deren Verkehrspolitiker Kai Vogel. In der Sommerreisezeit habe sich wiederholt gezeigt, dass die Strecke regelmäßig überlastet sei. Bereits jetzt könnten dort Bedarfsspuren eingerichtet werden. Spätestens im kommenden Bundesverkehrswegeplan, der ab 2030 gilt, müsse der Ausbau der gesamten A 7 bis zur dänischen Grenze enthalten sein. Das wäre „folgerichtig und wünschenswert“, sagt auch der CDU-Verkehrspolitiker Hans-Jörn Arp. Der Ausbau der A 7 zwischen Hamburg und Neumünster sei ein Beispiel dafür, wie gut so ein Projekt klappen könne.

Buchholz’ FDP-Landtags-Parteifreund Christopher Vogt bremst die Erwartungen allerdings gleich wieder. Man solle zwar den Ausbau der 20 Kilometer langen Strecke zwischen Bordesholmer Dreieck und Rader Hochbrücke perspektivisch ins Auge fassen, „kurzfristig steht dies jedoch nicht auf der Tagesordnung“. Auch Buchholz selber ist zurückhaltend. Man werde zusammen mit der Planungsgesellschaft Deges schauen, ob auf diesem ersten Abschnitt noch kurzfristig Umplanungen möglich sind. Nördlich von Rendsburg bis zur Grenze sei ein Ausbau aber „ein dickes Brett“, das zu bohren dauern werde. Der grüne Koalitionspartner mauert ohnehin schon. Die Verkehrsmengen gäben einen sechsstreifigen Ausbau zwischen Bordesholmer Dreieck und Grenze gar nicht her, sagt der Grünen-Landtagsabgeordnete Andreas Tietze. Er spricht daher von einer „populistischen Forderung“.

Die Anschlussbereiche der Brücke zwischen dem Autobahnkreuz Rendsburg und der Anschlussstelle Büdelsdorf wolle man aber auf jeden Fall sechsstreifig ausbauen, sagt Buchholz. Das erfordere allerdings zusätzliche Untersuchungen, insbesondere im Umweltbereich. Der Verkehrsforscher Justin Geistefeldt, Professor an der Ruhr- Universität Bochum, rechnet durch den sechsstreifigen Ausbau der Brücke auf jeden Fall schon mit einer deutlichen Verkehrsentlastung auf dem Streckenabschnitt – wegen des „Gradientenverlaufs“, also der Steigung, beziehungsweise dem Gefälle der Strecke kurz vor und hinter der Brücke. „Steigungsstrecken haben eine geringere Kapazität als ebene Strecken. Insofern wäre bei einem durchgehend vierstreifigen Ausbauzustand der Anstieg auf die Hochbrücke ein potenzieller Engpass“, sagt der Wissenschaftler. Hinzu komme, dass die Verkehrsnachfrage auf dem Streckenabschnitt zwischen der Anschlussstelle Büdelsdorf und dem Autobahnkreuz Rendsburg höher sei als auf den benachbarten Abschnitten. Denn: Die Hochbrücke werde „als eine der wenigen Querungen des Nord-Ostsee-Kanals auch vom Regionalverkehr genutzt“.

Von Wolfram Hammer

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