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Norddeutschland Illegales Tropenholz auf der „Gorch Fock“?
Nachrichten Norddeutschland Illegales Tropenholz auf der „Gorch Fock“?
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20:16 25.09.2018
Die „Gorch Fock“ wird auf einer Elsflether Werft saniert – mit Holz, das aus nicht nachhaltigem Anbau stammt. Quelle: imago
Bremerhaven/Kiel

Schon wieder Wirbel um das Segelschulschiff der Marine, die „Gorch Fock“: Auf dem Oberdeck des Schiffs, das derzeit auf der Elsflether Werft saniert wird, soll Teakholz aus dem südostasiatischen Myanmar verarbeitet werden. Ob es sich dabei um legal geschlagenes Holz handelt, ist angeblich nicht mehr zu klären. Das Holz besitze „keinen Nachweis der Nachhaltigkeit“, räumte das Bundesverteidigungsministerium auf Anfrage ein. Die „Gorch Fock“ wird seit 2015 für 135 Millionen Euro generalüberholt. Das Schiff mit Heimathafen Kiel ist maritimes Patenkind des Kieler Landtags.

Das umstrittene Holz war 2017 importiert worden. Im Frühjahr 2017 erließ die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung eine Anordnung, wonach Importeure von Teakholz Nachweise über die Herkunft des Holzes erbringen müssen. In Myanmar ist der Handel von Korruption geprägt, es gibt in dem von Unruhen geschüttelten Land keine zuverlässige Zertifizierung mehr. Seit diesem Sommer darf kein Burma-Teak mehr aus dem südostasiatischen Staat eingeführt werden.

Kein Nachweis für nachhaltigen Anbau

„Das Holz auf der ’Gorch Fock’ zu verbauen, ist rein rechtlich nicht zu beanstanden“, teilte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums mit. Ungeachtet dessen müssten Holzprodukte, die durch die Bundesverwaltung beschafft werden, nachweislich aus legaler und nachhaltiger Waldbewirtschaftung stammen.

Für das in Rede stehende Holz gebe es keinen Nachweis von nachhaltigem Anbau. Die entsprechenden Stellen seien mit Nachdruck auf die Beachtung der Erlasslage hingewiesen worden. Das ARD-Politmagazin „Report Mainz“ berichtete am Dienstagabend, dass trotz des Importverbots von April bis August 2018 rund 250 Tonnen Teakholz aus Myanmar nach Deutschland eingeführt wurden.

Kommandant: Das Holz sei „alternativlos“

Nils Brandt, Kommandant der „Gorch Fock“, kann die Aufregung um sein Schiff nicht verstehen. Das gelieferte Holz sei alternativlos, wegen seiner Haltbar- und Rutschfestigkeit. 70 Millimeter starke Schiffsplanken würden durch 35 Millimeter starke ersetzt. Das neue Holz habe weniger Verschnitt, sein Verbrauch sei deshalb deutlich geringer als für das alte Schiffsdeck. Das Teakholz lagert derzeit bei einer renommierten Fachfirma.

Die Umweltorganisation WWF forderte, das Holz nicht einzusetzen, damit aus dem deutschen Wahrzeichen kein „Schiff der Schande“ werde. Ingo Ludwichowski vom Nabu Schleswig-Holstein sagte: „Selbst wenn der Import zu dem Zeitpunkt noch legal war, hätte die Bundesregierung eine Vorbildfunktion übernehmen müssen.“

Kritik aus den Fraktionen im Landtag

Unmut auch in der Landespolitik. „Ein unglaublicher Vorgang“, sagte Marlies Fritzen (Grüne). Es müsse unbedingt aufgeklärt werden, wie dies passieren konnte. Der Einbau von Holz aus Myanmar müsse gestoppt werden. „Ein Paradebeispiel dafür, welche massiven negativen Außenwirkung es haben kann, wenn Beschaffungsrichtlinien unzureichend berücksichtigt werden“, schimpfte die SPD-Abgeordnete Kerstin Metzner.

Die „Gorch Fock“, 1958 bei Blohm+Voss in Hamburg vom Stapel gelaufen, war zuletzt in die Schlagzeilen geraten, weil sich die Reparatur des Dreimasters von ursprünglich veranschlagten zehn Millionen Euro auf 135 Millionen Euro verteuerte. Der Bundesrechnungshof untersucht die enorme Kostensteigerung.

Aloys Altmann, Präsident des Steuerzahlerbundes Schleswig-Holstein, spricht von einem „Trauerspiel ohne Ende“. Die „Gorch Fock“ ist auch das Schiff, auf dem 2008 die Kadettin Jenny Böken unter bis heute ungeklärten Umständen vor Norderney über Bord ging. Deren Eltern streben eine Wiederaufnahme der eingestellten Ermittlungen an.

Curd Tönnemann

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