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Auktion: Das Erbe des Walter Ulbricht

Hamburg Auktion: Das Erbe des Walter Ulbricht

Auktionator Carsten Zeige hat sich mit der Versteigerung von Nachlässen bekannter Ost-Größen einen Namen gemacht. Persönliche Besitztümer von Willi Stoph, Erich Mielke und Alexander Schalck-Golodkowski machte er schon zu Geld. Am Sonnabend sucht in Hamburg Übriggebliebenes von Walter Ulbricht neue Liebhaber.

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Beitragsmarken der Kommunistischen Partei Deutschland (KPD) im Mitgliedsausweis Walter Ulbrichts von 1945.

Hamburg. Nach seiner Rückkehr aus dem Moskauer Exil stellte Walter Ulbricht (1893-1973) die Weichen für einen „Arbeiter- und Bauernstaat“, die spätere DDR. Er selbst war von Anfang an einer der mächtigsten kommunistischen Funktionäre, die Deutschland nach sowjetischem Vorbild umgestalten sollten. Auf seiner Mitgliedskarte der 1946 gegründeten Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) gab er als Beruf allerdings nur „Parteiarbeiter“ an. Seine Frau Charlotte („Lotte“) wählte auf ihrer Mitgliedskarte die gleiche Berufsbezeichnung. Die Parteiausweise sind Teil des Nachlasses des Herrscherpaares, der am Sonnabend in Hamburg unter den Hammer kommt.

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Auktionator Carsten Zeige hat sich mit der Versteigerung von Nachlässen bekannter Ost-Größen einen Namen gemacht. Persönliche Besitztümer von Willi Stoph, Erich Mielke und Alexander Schalck-Golodkowski machte er schon zu Geld. Am Sonnabend sucht in Hamburg Übriggebliebenes von Walter Ulbricht neue Liebhaber.

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Die Auktion umfasst Ausweise, Dokumente und Briefe der Ulbrichts. Als Startpreis hat Auktionator Carsten Zeige für alle Einzelstücke zusammen eine Summe von 10000 Euro aufgerufen, er rechnet aber mit einem weit höheren Preis. Besonders Sammler von Ausweisen seien interessiert, sagt Zeige. „Die von bekannten Persönlichkeiten sind besonders reizvoll.“

Die Dokumente könnten aber auch für Historiker von Interesse sein. Das Familienstammbuch, die Heirats- und eine Scheidungsurkunde werfen Fragen auf. Demnach heirateten Charlotte Kühn und Walter Ulbricht im Jahr 1950. Ihren Nachnamen hatte Kühn aber schon 1946 mit Genehmigung des Polizeichefs von Sachsen in Ulbricht geändert. Zuvor war sie mit dem Parteifunktionär Erich Wendt verheiratet gewesen, der in der Sowjetunion unter Stalin in Ungnade gefallen war. Es gab aber noch einen weiteren Ehemann, den sie 1923 geheiratet hatte, und zwar Otto Schultchen. Eine Gerichtsurkunde im Nachlass belegt, dass dieser sich 1942 von Charlotte Schultchen, geb. Kühn, scheiden ließ. Grund: Sie sei nach Moskau ausgewandert.

Dort hatte die spätere First Lady der DDR schon 1938 gelernt, was es heißt, hinter einer „unübersteigbaren Mauer“ zu leben. So formulierte sie damals in einem Brief an den Generalsekretär der Kommunistischen Internationale, Georgi Dimitroff. Sie bettelte ihn um eine Beschäftigung an, denn auch sie war im Rahmen der stalinistischen Säuberungen kaltgestellt worden. „Da ich fast 20 Jahre ununterbrochen beruflich und politisch tätig bin und ausserdem weder Lust noch Talent zur Hausfrau habe, bedeutet dieser Zustand nicht nur geistigen Stillstand, d.h. Rückschritt, sondern auch schwere gesundheitliche Schädigung“, klagte sie laut Abschrift eines Briefes an den „lieben Genossen Dimitroff“.

Ihr Mann Walter fuhr unter den Russen besser. Ein Dokument zeigt, dass ihm die sowjetischen Behörden am 11. Mai 1945, also unmittelbar nach Kriegsende, die Erlaubnis erteilten, einen Opel Super 6 zu nutzen. Einen Freifahrtschein für die Reichsbahn hatte er auch. Doch der Ausweis sieht wenig benutzt aus. Etwas abgenutzter erscheint ein „Behelfsmäßiger Personalausweis“, ausgestellt am 1. März 1946 in Berlin. Das Passbild zeigt den damals 52-Jährigen mit Stirnglatze, dunklen Haaren und dem charakteristischen „Spitzbart“, in der Beschreibung heißt es: „Haarfarbe: blond, besondere Kennzeichen:

keine“. Ein Abdruck des rechten Zeigefingers sollte wohl die zweifelsfreie Identität garantieren.

Zusammen mit den Ulbricht-Urkunden kommen auch zahlreiche DDR-Orden, Uniformen und Auszeichnungen anderer Funktionäre unter den Hammer. Sie stammen aus einer Sammlung sowie dem Nachlass eines Generals. Auktionator Zeige versteigerte vor zehn Jahren bereits Nachlassobjekte des DDR-Staatsratsvorsitzenden Willi Stoph. Es folgten weitere Auktionen zu Stasi-Minister Erich Mielke und zuletzt Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski.

Sohn eines Schneiders

Walter Ulbricht (1893-1973) wuchs als Sohn eines Schneiders in Leipzig auf. Im Ersten Weltkrieg war er Soldat. Er war schon als junger Mann in der Sozialistischen Arbeiterbewegung und der KPD aktiv. Nach der Machtübernahme durch die Nazis ging er ins Exil und gründete in Moskau die „Gruppe Ulbricht“. 1945 kehrte er ins sowjetisch besetzte Berlin zurück, wo er sich dem Aufbau der sozialistischen DDR widmete, die er von Beginn an bis 1971 regierte.

LN

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