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Aus Kenia in die Lübecker Augenklinik

Lübeck Aus Kenia in die Lübecker Augenklinik

Der Weg ist nicht leicht, aber er lohnt sich: Ärzte aus aller Welt finden ihren Weg in norddeutsche Praxen und Kliniken.

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Dr. Mary Asiyo-Vogel (56) ist seit 1992 in Deutschland. Trotz Schwierigkeiten bereut die Augenärztin ihre Entscheidung nicht.

Quelle: Foto: Wolfgang Maxwitat

Lübeck. Lübeck — Das Licht strahlt grell aus der Spaltlampe. Damit lässt sich bis ins Innere des Auges schauen. „Das Kinn können Sie hier ablegen“, sagt Augenärztin Dr. Mary Asiyo-Vogel. Die Afrikanerin ist nach ihrem Studium durch ein Stipendium des Deutschen Akademischen Auslandsdienstes nach Deutschland gekommen. Wie sie kommen in Zeiten des Fachkräftemangels immer mehr Ärzte aus dem Ausland nach Deutschland. In Schleswig-Holstein stieg die Zahl zwischen 2010 und 2012 von 27 auf 88 Mediziner, die ins Land kamen.

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Dr. Mary Asiyo-Vogel (56) ist seit 1992 in Deutschland. Trotz Schwierigkeiten bereut die Augenärztin ihre Entscheidung nicht.

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„Ich bin seit 1992 fest in Deutschland und seit 2000 in der Augen- Praxisklinik Lübeck niedergelassen“, sagt Dr. Mary Asiyo-Vogel. Die 56-Jährige stammt aus einem Dorf „in der Pampa hinter der Pampa“, wie sie sagt, in der Nähe des Victoriasees in Kenia (Afrika). Sie habe in Russland Medizin studiert, in der Ukraine ihren Abschluss und an der Universität Nairobi die Facharztausbildung gemacht. Als sie dann beim gemeinsamen Forschen in Deutschland ihren Mann kennengelernt habe, entschied sie sich, zu bleiben. „Dank meiner Ausbildung habe ich die Möglichkeit, hier einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten“, sagt die Augenärztin. Es sei selbstverständlich, sich dann in die hiesige Kultur und Sprache einzufügen. „Integrieren geht nicht von selbst, dir wird nichts geschenkt.“

Fünf Jahre Ausbildung habe sie wiederholen müssen, um hier als Ärztin anerkannt zu werden. „Ich komme aus einem Entwicklungsland. Man muss prüfen, was ich kann“, sagt die Kenianerin. Die deutsche Doktorarbeit habe sie dann mit dem Prädikat ,summa cum laude‘ abgeschlossen. Bis zum 1. März 2012 mussten Ärzte zudem die deutsche Staatsangehörigkeit haben, um sich niederzulassen zu können — auch Dr. Asiyo-Vogel. „Als Ausländer wäre das unmöglich gewesen“, meint Asiyo-Vogel. Auch mit Diskriminierung sah sie sich oft konfrontiert: „Ich habe privat als Ehefrau eines Deutschen und auch beruflich viel dergleichen erlebt.“

Für sie überwiegen aber die Vorteile, die man hier als Arzt habe: tolle medizinische Möglichkeiten und ein intaktes Gesundheitssystem. „Meine Arbeit und Mittel hier nutze ich, um auch in meinem Land zu helfen“, sagt Asiyo-Vogel. Sie engagiere sich deshalb beruflich wie auch privat.

„Das Beste ist, zwischen Gesellschaften Brücken zu schlagen.“

Auch ihre Kollegin Anna Wagner kennt das Leben zwischen den Kulturen. Die Augenärztin ist mit ihrem Ehemann und der Familie als Spätaussiedlerin aus Kasachstan nach Deutschland zurückgekehrt. „Wir waren für die einen zu deutsch und für die anderen zu russisch. Das ist nicht leicht“, erzählt die 36-Jährige. Das Paar fand in Deutschland zunächst keine Anstellung. „Mein Mann ist auch Mediziner.

Wir mussten zum Anfang Ein-Euro-Jobs machen und uns anhören, dass unsere Diplome hier gar nichts bedeuten.“

Mit Hilfe der Otto-Benecke-Stiftung und der Rackow-Schule in Hamburg gelang es schließlich, die Fachausbildung zu wiederholen und abzuschließen. Seit 2008 ist Anna Wagner nun Augenärztin in der Augen-Praxisklinik in Lübeck. „Ich bin derzeit zwar in Mutterschutz, aber mein Mann und ich haben beide eine Anstellung bekommen. Ich bin hier sehr zufrieden.“

Sie sei sich der Schwierigkeiten, bevor sie nach Deutschland kam, stets bewusst gewesen. „Aber es war die richtige Entscheidung. Ich habe mich gut eingelebt“, sagt Wagner. Besonders dankbar sind Dr.

Asiyo-Vogel und Anna Wagner ihrem Team in der Augen Praxisklinik: „Es ist toll, wie die Kollegen sich auf uns Ausländer einlassen.“ Der Weg nach Deutschland und schließlich die Integration hier sei zwar ein steiniger Weg gewesen, aber lohnenswert. Anna Wagner sagt deshalb: „Ich kann es nur jedem empfehlen. Man muss es einfach probieren.“

Hier wird Akademikern bei der Integration geholfen
Die Otto-Benecke-Stiftung unterstützt seit 1965 Akademiker aus dem Ausland. Der Schwerpunkt liegt dabei in der Eingliederungshilfe für Zuwanderer. Mit Beratungen, Hilfe bei der Ausbildungs- und Berufseinstiegsplanung, Sprachkursen, Abiturlehrgängen und Praktika unterstützt die Stiftung Migrantinnen und Migranten vor und während des Studiums. Die Otto-Benecke-Stiftung ist im Auftrag der Bundesregierung tätig.

Die Rackow-Schule ist seit 130 Jahren in der kaufmännischen Aus- und Weiterbildung tätig. In Hamburg und Schleswig-Holstein bietet die Einrichtung unter anderem für Migrantinnen und Migranten Beratung, Betreuung und Unterricht an. Sie hilft bei der Vermittlung von Arbeitsplätzen und Praktika. Im Auftrag des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge bietet die Schule Integrationskurse an. Sie gehört dem Verband Deutscher Wohltätigkeitsstiftungen an.

Kim Meyer

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