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Norddeutschland Ausländer geraten häufiger unter Verdacht
Nachrichten Norddeutschland Ausländer geraten häufiger unter Verdacht
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21:27 08.03.2018
Die Quote jener, die als Tatverdächtige ins Visier der Polizei geraten, ist bei Zuwanderern höher als bei Schleswig-Holsteinern mit deutschem Pass. Quelle: Philipp Schülermann
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Kiel

4,2 Prozent der zuletzt 228 700 Zuwanderer im Land wurden demnach 2016 als Tatverdächtige registriert – 95,8 Prozent der Zuwanderer kamen nicht mit der Polizei in Berührung. Von den 2,678 Millionen Einwohnern mit deutschem Pass wurden 1,8 Prozent als Tatverdächtige registriert, 98,2 Prozent blieben unbescholten. Würde man zum Vergleich eine Gruppe Deutscher zusammenstellen, die prozentual aus ebenso vielen jungen Männern besteht wie die Zuwanderer, würden sich die Zahlen angleichen, rechnet KFN-Direktor Professor Thomas Bliesener vor. Dann wäre die Tatverdächtigenquote bei den Zuwanderern nur noch rund 1,8 mal so hoch. Dazu passe auch der hohe Anteil von Körperverletzungen, die ein typisch männliches Delikt seien. Die Opfer der Taten seien in 53,8 Prozent der Fälle selber wieder Zuwanderer gewesen. Die meisten Täter und Opfer hätten sich bereits vorher gekannt.

Die ganze Studie als PDF

Die Wissenschaftler haben für ihre Studie erstmals die genauen Zahlen nur für die im Land sesshaften Zuwanderer ermittelt. Delikte zum Beispiel durch aus dem Ausland einfallende Einbrecherbanden oder durch Touristen blieben unberücksichtigt, rein ausländerrechtliche Verstöße ebenso. Es wurde in der Studie auch nicht ausgewertet, ob sich der Tatverdacht am Ende des Verfahrens auch bestätigte.

„Diese Zahlen sind ein Impulsgeber für uns“, sagt Grote. Alle an der Integration der Zuwanderer Beteiligten seien gefordert, sie zu verbessern. Denn, so der Innenminister: „Die beste Prävention ist eine gelungene Integration.“ Integration heiße „Ausbildung, Arbeit, Freunde, Familie. Kurzum: Perspektive“. Scharfe Kritik übte Grote an der GroKo in Berlin. Es sei ein Fehler, dass sie sich verständigt habe, den Familiennachzug für Flüchtlinge weiter auszusetzen und später einzuschränken. „Integration gelingt viel einfacher, wenn die Familie dabei ist“, sagt Grote. Das Land werde sich dafür im Bundesrat stark machen. Für die Zuwanderung von Fachkräften müsse ein Einwanderungsgesetz her. Wer keine Bleibeperspektive habe, müsse schneller Klarheit bekommen und nach der Rückkehr in die Heimat beim Neustart unterstützt werden.

Die Landespolizei will im Kampf gegen die Kriminalität junger Zuwanderer auf dieselben Instrumente setzen, die sich bei deutschen Jugendlichen bewährt hätten, beschleunigte Verfahren zum Beispiel, sagt Peter Fritzsche vom Landeskriminalamt LKA. Für spezielle Phänomene wie häusliche Gewalt in Flüchtlingsunterkünften oder Sexualdelikte kämen bereits neue Konzepte zum Einsatz. Wolfram Hammer

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