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Ausländer sollen beim Kampf gegen Lehrermangel helfen

Kiel/Lübeck Ausländer sollen beim Kampf gegen Lehrermangel helfen

Im Kampf gegen den Lehrermangel denkt das Land darüber nach, verstärkt auf Lehrkräfte aus dem Ausland zu setzen. Für sie sollen die Einstellungsmöglichkeiten erleichtert werden. SPD, SSW und Grüne wollen den Weg für sogenannte Ein-Fach-Lehrkräfte ebnen. Vorbild ist Hamburg.

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„Die Zwei-Fächer- Kombination ist im europäischen Vergleich eher die Ausnahme.“ Anke Erdmann, Grünen-Bildungsexpertin

Quelle: Roeßler

Kiel/Lübeck. Der Schulleitungsverband Schleswig- Holstein begrüßt den Vorstoß: „Wir sind einfach gut beraten, jeden Lehrer zu nehmen, den wir kriegen können“, sagt Vorsitzender Uwe Niekiel. Derzeit sind 130 Planstellen im Land unbesetzt. „Das ist kein Problem der strukturschwachen Regionen“, mahnt er.

 

LN-Bild

„Es ist schwierig, die Stellen zu besetzen. Egal, wer kommt. Hauptsache, es kommt jemand.“Astrid Henke, GEW-Landesvorsitzende

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„Wir wollen ausländischen Lehrern ermöglichen, einfacher bei uns einzusteigen“, erklärt Grünen-Bildungspolitikerin Anke Erdmann. Manche Schulen hätten gute Lehrer aus dem Ausland, könnten sie mit nur einem Fach aber höchstens befristet einstellen. Die Zwei-Fächer-Kombination, wie sie in Deutschland üblich ist, sei im europäischen Vergleich eher die Ausnahme, erklärt Erdmann.

„Wir wollen klare nachvollziehbare Strukturen schaffen, wie es besser gehen kann“, sagt Martin Habersaat, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion. Der Impuls sei aus der Kultusministerkonferenz gekommen. Die Notwendigkeit bestehe jetzt, weil so viele Menschen mit einer Unterrichtsqualifikation im Land seien. Gemeint sind Flüchtlinge, aber auch EU-Ausländer, die in ihrem Heimatland studiert haben und nun in Deutschland Lehrer werden wollen. Zudem biete eine Neuregelung die Möglichkeit, den Fachkräftemangel auszugleichen. „Wir haben an Schulen, die weiter draußen liegen, Probleme, Stellen zu besetzen“, sagt Habersaat.

Im Kieler Bildungsministerium wird der Landtagsantrag bearbeitet. „Wir denken darüber nach und arbeiten daran“, erklärt Ministerin Britta Ernst (SPD). Im Herbst will sie dem Parlament berichten.

Schulen wollten aber die Zwei- Fach-Lehrkräfte, betont sie. Und erklärt weiter, dass die Ein-Fach- Lehrkräfte nicht verbeamtet werden sollen. Vorbild ist hier offenbar das „Hamburger Modell“ aus Ernsts Heimatstadt, das zwischen Lehrern mit einer Laufbahnbefähigung und einer Lehramtsbefähigung unterscheidet. Letztere bekommen weniger Geld und keinen Beamtenstatus.

Die Ministerin betont zugleich, dass es bereits heute Zugänge zum Lehrer-Beruf jenseits des „klassischen“ Weges gebe. Bewerber aus dem Ausland müssen eine in der Regel einjährige Zusatzausbildung in Schulrecht sowie in Pädagogik und Didaktik machen.

Im Bildungsministerium weist man auf die Liste der Mangelfächer hin. So werden beispielsweise für Mathematik in allen Schultypen Lehrer gesucht. Aber auch Musik, Kunst, Sport an der Grundschule gelten als Mangelfächer. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ist derzeit bemüht, belastbare Zahlen zu bekommen. Es gebe viele Ausschreibungen, in denen nicht nach bestimmten Fächern gesucht werde, sondern „beliebig“, berichtet GEW-Landesvorsitzende Astrid Henke. Das sei ein deutliches Signal dafür, dass es Schwierigkeiten gibt, die Stellen zu besetzen. „Es ist egal, wer da kommt. Hauptsache, es kommt jemand.“

Den Vorstoß zur Anerkennung ausländischer Lehramtsabschlüsse hält sie für richtig. „Es ist eine Möglichkeit, um Menschen mit einer Lehrerausbildung aus anderen Ländern in unbefristete Beschäftigung zu bringen“, sagt Henke. Sie geht davon aus, dass die Zahl der Ein- Fach-Bewerber nicht so groß ist. Eine grundsätzliche Aufweichung des Zwei-Fach-Prinzips lehnt sie ab. Bei der CDU kann man sich die Anerkennung ausländischer Lehramtsabschlüsse ebenfalls vorstellen – unter bestimmten Voraussetzungen, wie Bildungsexpertin Heike Franzen betont. So müsse eine fachlich und didaktisch vergleichbare Qualifikation vorliegen. Die Bewerber müssten zudem Deutschkenntnisse auf höchstem Niveau nachweisen, um kindgerecht unterrichten zu können. Auch müssten die Besonderheiten unseres Schulsystems erklärt werden, eventuell bis hin zu einem Ergänzungsstudium. „Ein Lehrer- Light ist mit der CDU nicht zu machen.“

 Julia Paulat

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