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Norddeutschland Azubi zu werden, ist nicht schwer
Nachrichten Norddeutschland Azubi zu werden, ist nicht schwer
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07:00 25.10.2018
Sophia Wandel (20) feilt ein Eisen. Sie lernt bei Dräger Elektronikerin für Geräte und Systeme. Quelle: 54° / John Garve
Lübeck

Die große Werkstatthalle bei dem Medizin- und Sicherheitstechnikhersteller Dräger in Lübeck wirkt ein wenig wie in einer Schule: Junge Leute in blauer Arbeitskleidung sitzen hier an Bänken und basteln. Alles Azubis – oder Studenten, die hier den praktischen Teil ihrer Ausbildung absolvieren. Beate Haracska (20) ist eine von ihnen. Vor ihr steht eine kleine Metallkonstruktion mit vielen verschiedenfarbigen Drähten.„Ich installiere hier gerade einen Schaltkreis“, erklärt sie.

Im August hat sie bei Dräger angefangen. Ihr Studienziel ist der Bachelor of Engineering in Medizintechnik. Wenn sie ihre viermonatige technische Grundausbildung hinter sich hat, wird sie an ihrem künftigen Arbeitsplatz, der Kieler Uniklinik, eingesetzt. „Dort führe ich dann Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten an medizinischen Geräten durch.“ Bei Dräger habe sie sich gleich wohl gefühlt, da habe sie zugesagt.

Fast alle Betriebe suchen Nachwuchs

Angebote gab es genug. Fast alle Betriebe suchen Nachwuchs, nicht für alle Berufe aber gibt es genug Bewerber. Betroffen vom Lehrlingsmangel sind nicht zuletzt technische und handwerkliche Berufe. Landesweit gab es zu Beginn des Ausbildungsjahres im August nach Angaben der Arbeitsagentur 5200 unbesetzte Lehrstellen, aber nur 3800 Bewerber. Besonders viele Ausbildungsplätze waren im Kreis Segeberg frei (401), dafür gab es zuletzt 297 Bewerber. In Lübeck und Ostholstein standen zuletzt 2643 Suchenden 3729 Ausbildungsplätze zur Verfügung. „Dabei ist davon auszugehen, dass die Zahlen sich in den letzten acht Wochen etwas angeglichen haben“, verdeutlicht Olga Nommensen von der Arbeitsagentur Lübeck.

Interesse am Handwerk wächst

Immer noch aber gebe es Betriebe, die keinen Lehrling gefunden hätten, weiß Frank Roth, Ausbildungsberater der Handwerkskammer Lübeck. Insgesamt beobachte er allerdings, dass das Interesse an Handwerksberufen wieder wachse. „In diesem Jahr wurden im Kammerbezirk 4470 Verträge geschlossen, das sind 2,6 Prozent mehr als im Vorjahr.“ Manche Berufe seien in der Tat gefragter als andere.

Vier junge Dräger-Azubis erklären, für welche Ausbildung sie sich entschieden haben und warum

Da spiele es schon eine Rolle, was der Ausbildungsbetrieb bieten könne, ist Matthias Reessing (38), Ausbildungsleiter bei Dräger, überzeugt. Jedes Jahr stelle das Unternehmen 85 neue Azubis ein. Über 200 lernten im Betrieb. „Wenn es für die Ausbildung wichtig ist, dass jemand mobil ist, bekommt er auch schon in der Ausbildung einen Dienstwagen und ein Handy“, erklärt Reessing. „Zum Beispiel die angehenden Anlagenmechaniker.“

Dräger übernimmt Azubis

Außerdem biete Dräger eine langfristige Jobperspektive. Alle Azubis hätten die Aussicht, in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen zu werden. Reessing: „Die persönliche Entwicklung unserer Arbeitnehmer ist uns sehr wichtig. Daher bieten wir 30 zusätzliche Seminartage, um Dinge wie Methodenkompetenz, Projektmanagement, Präsentationstechniken zu lehren.“ Es gebe auch das Projekt „Outdoor-Experience“: „Bei diesem einwöchigen Seminar wird gewandert, und wir übernachten in der Natur.“ Das fördert den Zusammenhalt und die Sozialkompetenz. Letztere sei bei der Einstellung wichtiger als gute Noten, findet Reessing. Ob Chemielaborant, Technischer Zeichner oder Informatikingenieur: „Wichtig ist, dass die jungen Menschen zu Dräger passen. Sozialkompetenz ist genauso wichtig wie das zu erlernende Fachwissen.“

Trotzdem kämpft auch Dräger mit der demografischen Entwicklung. „Im technisch-gewerblichen und im IT-Bereich würden wir uns über mehr Bewerbungen freuen“, macht Reessing klar.

Deshalb werde auch Dräger bei der großen Ausbildungsmesse „Azubify“ am Sonnabend im Verlagsgebäude der Lübecker Nachrichten präsent sein. „Eltern und Familie spielen bei Berufswahl eine große Rolle“, stellt der Ausbildungschef fest. „Wir hoffen ins Gespräch zu kommen und Schüler zu begeistern.“

LN-Ausbildungsmesse „Azubify“

Eine gute Ausbildung ist die Basis für eine gesicherte Zukunft. Um bei der beruflichen Orientierung zu helfen, laden die Lübecker Nachrichten Schulabgänger und ihre Eltern am kommenden Sonnabend, 27. Oktober, von 10 bis 18 Uhr zur Ausbildungsmesse „Azubify“ im LN-Medienhaus, Herrenholz 10-12 in Lübeck, ein.

Insgesamt 18 Ausbildungsbetriebe aus der Region präsentieren sich. Vertreten sind die Branchen Gesundheitswesen, Versicherungswesen, Handwerk, Gastronomie, Industrieunternehmen und viele mehr. Es gibt die Möglichkeit, sich direkt mit derzeitigen Lehrlingen und ihren Ausbildern auszutauschen.

In entspannter Atmosphäre bietet sich so die Chance, miteinander ins Gespräch zu kommen, sich zu informieren und ein Praktikum oder sogar Vorstellungsgespräch zu vereinbaren. Zudem gibt es Vorträge und Bewerbungs-Tipps.

Und das ohne Messehektik, mit gedämpftem Geräuschpegel, einladenden Sitz-Lounges sowie einer leckeren Food-Lounge. Weitere Infos unter www.LN-Medienhaus.de/Azubify

Marcus Stöcklin

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