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Bahn-Chaos: Zwangspause in Hamburg

Reportage aus Hamburg Bahn-Chaos: Zwangspause in Hamburg

Tausende Reisende wussten nicht weiter: Am Hamburger Hauptbahnhof ging gestern fast nichts mehr. Sturmtief „Xavier“ hatte die Bahn lahmgelegt. Viele mussten die Nacht in einem bereitgestellten „Hotelzug“ verbringen. Ersatzverkehr gab es oftmals nicht – bloß Taxen.

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René Kirchner (46), Christine Dressel-Lutz (46) mit Rufus (14) und Vitus (12) wollten nach Erfurt.

Quelle: M. Stöcklin

Hamburg. „Der Zug von Lübeck nach Hamburg ist ja gefahren“, berichtet Heike Kullmann (55) aus Essen. Nach einem schönen Besuch in der Heimatstadt des Marzipans würde sie nun gerne wieder nach Hause reisen.

LN-Bild

Tausende Reisende wussten nicht weiter: Am Hamburger Hauptbahnhof ging gestern fast nichts mehr. Sturmtief „Xavier“ hatte die Bahn lahmgelegt. Viele mussten die Nacht in einem bereitgestellten „Hotelzug“ verbringen. Ersatzverkehr gab es oftmals nicht – bloß Taxen.

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Nur: „Alle Fernzüge sind gestrichen“, musste sie gestern feststellen. Der Hauptbahnhof: gerammelt voll. Hunderte Menschen, die Rat und Hilfe suchen – Hunderte, die im Zweifel vor ihr dran sind. „Da nehm’ ich mir lieber ein Hotelzimmer“, hat die Krankenschwester beschlossen. Sie hofft, dass die Bahn die Kosten übernimmt. „Sicher bin ich da nicht.“

Servicekräfte der Bahn in dunkelblauen Jacken versuchen, den Menschen zu helfen. „Es gibt zwei Möglichkeiten“, hat René Kirchner (46) aus Thüringen erfahren. „Entweder man lässt sich einen Taxischein geben und fährt damit bis Hannover – oder man nimmt ein Hotelzimmer.“ Letzteres will er mit seiner Familie nun versuchen. „Dann bleiben wir eben noch einen Tag in Hamburg.“

Markus Budd (30) aus Wilhelmshaven würde gerne ein Taxi nehmen. Aber er hat ein Nahverkehrsticket. „Einen Taxischein bekommt nur, wer eine Fern-Fahrkarte hat“, wurde ihm mitgeteilt. Nun weiß er nicht weiter. „Der eine sagt so, der andere so. Keine Ahnung, was ich jetzt machen soll.“

Drinnen im Bahnhof drängen sich die Leute dicht an dicht, Koffer stehen herum, die Anzeigetafel zeigt die geplanten Verbindungen an – dahinter der Hinweis: „Zug fällt aus“.

„Einfach zu einem Taxi zu laufen und einzusteigen, geht nicht“, meint Rico Schubert (35), der einen Taxischein nach Hannover ergattert hat. „Die Fahrer kommen hier rein und suchen sich aus, wen sie mitnehmen. Es gibt lange Wartezeiten.“ Vielleicht helfe es, einen 50-Euro-Schein zu schwenken, wirft jemand ein.

Eine Dame mit Kind dagegen hat es anscheinend geschafft, sie steht vor einer geöffneten Taxi-Tür. „Ja, ich zahle das jetzt selbst“, erklärt sie. „Sonst wird das nie was.“ Rund 250 Euro, denkt sie, werde die Fahrt nach Hannover kosten. „Es hilft ja nichts, ich muss mein Enkelkind bei seinen Eltern abliefern.“ Auch sie war am Morgen in Lübeck in den Zug gestiegen.

„Es gibt null Informationen, wie es mit dem Zugverkehr weitergeht“, ärgert sich Kathrin Müller (45) aus München. Es werde davon geredet, einen Bus einzusetzen. „Aber es tut sich nichts.“

Martha Stollenberger (30) aus Wien und ihr Freund kommen gerade aus Wien. Von Hannover sind sie mit einem Sammeltaxi nach Hamburg gebracht worden. „Wir hatten im Nachtzug Liegeplätze reserviert. Aber alle mussten sitzen.“

Viele strandeten schon am Donnerstagnachmittag im Hauptbahnhof. Wie Grete und Klaus-Dieter Schmidt aus Berlin (66 und 67), die in einem auf Gleis 8 bereitgestellten ICE übernachteten, der als „Hotelzug“ fungiert. „Es war sehr laut“, klagt Grete Schmidt. „Ständig gingen Türen auf und zu. Dann hat einer laut geschnarcht.“ Immerhin: Bahn-Personal habe ihnen Decken und Kissen gebracht, auch Getränke und Kaffee habe es gegeben. „Da kann man nicht meckern.“ Am Donnerstag seien sie aus ihrem Venedig-Urlaub zurückgekommen und am Hamburger Flughafen gelandet. „Seitdem sind wir hier. Wie lange wir noch bleiben müssen, wissen wir nicht.“

„Ich muss doch morgen wieder arbeiten“, sorgt sich Susanne (28) aus Hannover. Stattdessen werde sie einen Tag länger in Hamburg bleiben. „Anders geht es wohl nicht.“ Das glaubt auch Arno Bales (75), der nach seinem Scharbeutz-Urlaub zurück nach Düsseldorf will. „Nur wie – das ist die große Frage.“

Seehund rettet sich auf Deich

Ein junger Seehund hat sich am Donnerstag vor dem Sturm „Xavier“ aus der Dove-Elbe im Süden Hamburgs an Land gerettet. Der etwa sechs Monate alte Seehund robbte auf den Moorfleeter Deich, wo ihn Passanten fanden. Der Seehund wurde von seinen Rettern auf den Namen „Stormy“ getauft und in die Seehundstation Friedrichskoog gebracht.

 Marcus Stöcklin

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