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Norddeutschland Bahnchef Grube plant Züge ohne Lokführer
Nachrichten Norddeutschland Bahnchef Grube plant Züge ohne Lokführer
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22:22 10.06.2016
Ein Lokführer steuert einen InterCityExpress (ICE) am 01.06.2015 bei Lutherstadt Wittenberg (Sachsen-Anhalt). Mit dem Plan, schon in wenigen Jahren Züge ohne Lokführer rollen zu lassen, überrascht Bahnchef Grube. Quelle: Jan Woitas/dpa
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„Das autonome Fahren ist in einem komplexen Schienensystem, in dem schnelle und langsame Personenzüge sowie Güterzüge fahren, schwieriger als bei einer U-Bahn – aber es ist möglich.“ Wenn die Schiene im Wettbewerb mit der Straße mithalten wolle, „können wir bei der Digitalisierung nicht zusehen“. Man wolle die Kunden mit moderner Technik begeistern. Es gebe bereits Pilotprojekte (siehe Text rechts).

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Der Fahrgastverband Pro Bahn spricht von einer „interessanten Idee“. Der Entwicklung selbstfahrender Autos müsse die Bahn etwas entgegensetzen. Bei U-Bahnen in Nürnberg und Paris zum Beispiel funktioniere der vollautomatische Betrieb einwandfrei, sagt Sprecher Karl-Peter Naumann. „Die entscheidende Frage ist aber, was das Unternehmen daraus macht. Dient der Schritt nur dazu, Personal abzubauen oder will man auch mehr für die Kunden tun?“, fragt Naumann. Für ihn ist klar: Personalabbau komme nicht in Frage, die Automatisierung biete dagegen die große Chance, den Fahrgästen mehr Service zu bieten.

„Wenn es dazu führt, dass die Züge pünktlicher werden, stößt das bei mir auf großes Interesse“, sagt Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD). Kritisch sieht er, dass damit der einzige Ansprechpartner bei einer Zugfahrt entfiele. „Denkbar wäre, Lokführer dann durch Zugbegleiter zu ersetzen“, so Meyer. Das Thema sei spannend, dürfe aber nicht zu Lasten der Personalpräsenz gehen.

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) sieht die Pläne dagegen sehr kritisch. Er kriege bei diesen Äußerungen „die kalte Wut“, sagte GDL-Chef Claus Weselsky im Hessischen Rundfunk und spricht von einem „Scharlatan in der Geisterbahn“. Grubes Pläne seien ein „Treppenwitz der Geschichte: Hier ruft jemand, der nicht in der Lage ist, das Tagesgeschäft zu organisieren, nach der Zukunft, nach führerlosen Triebwagen“. Man könne zwar davon träumen, führerlos zu fahren, „aber die äußeren Einflüsse sind viel zu groß, als dass man auf Menschen verzichten kann“, so Weselsky. Es sei an der Zeit, dass der Eigentümer Bund den Bahnvorstand zur Räson ruft und ihn die Infrastruktur auf Vordermann bringen lässt.

„Diese Pläne bis 2023 umzusetzen ist für mich einfach nicht vorstellbar“, sagt Hartmut Petersen, Bezirksgeschäftsführer der GDL im Norden. Automatische Züge seien in geschlossenen Systemen denkbar, aber nicht da, wo Güterzüge und Personenzüge das gleiche Gleis nutzen.

Pilotprojekt im Erzgebirge

30 Kilometer Bahnstrecke der Erzgebirgsbahn zwischen Annaberg-Buchholz und Wolkenstein (Sachsen) dienen als erste Teststrecke der Deutschen Bahn für vollautomatisiertes Fahren. Die Verbindung wird vor allem von Touristen genutzt. Nach Angaben eines DB-Sprechers werden die Dieseltriebwagen der Erzgebirgsbahn mit einer Kamerasensorik ausgestattet, die mit der Steuerung gekoppelt ist und Signale sowie Hindernisse im Gleis erkennt. Später werde auch auf Güterzugstrecken getestet.

Von Christian Risch

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