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Norddeutschland Bauer Lödings glückliche Schweine
Nachrichten Norddeutschland Bauer Lödings glückliche Schweine
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10:32 04.08.2017
Im Sand zu wühlen, macht den Schweinen Freude. Man sieht es ihnen an. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen
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Buchholz

Man sieht’s den Schweinen an, dass es ihnen gut geht: Sie wühlen im Sand, fressen Blätter von Zweigen und nagen Rinde von Ästen. Im „Wellness-Bereich“ von Bauer Lödings neuem „Naturklima-Stroh-Schweinestall“ ist so was möglich.

Wellness, echtes Stroh und ein bequemeres Tierleben machen das Fleisch attraktiver für Verbraucher.

„Die Schweine sollen sich bei uns möglichst wohlfühlen und ihre Instinkte ausleben“, erklärt Tierhalter Andreas Löding (38) aus Buchholz (Kreis Herzogtum Lauenburg). Dabei hat er eigentlich keine Schweine-Urlaubs-Pension, sondern ist ein echter Landwirt. „Fleischhaltung mit gutem Gewissen“ nennt er sein Projekt.

Der neue Vorzeige-Stall ist offen, in den Betonbuchten liegt Stroh. Es gibt überdachte „Nester“ mit besonders viel Streu, in die sich die Schweine zurückziehen können. „Zum Schlafen oder wenn es kalt ist“, sagt Löding. Sogar einen gelben Gummiball zum Spielen haben die Schweine. Dazu braucht es auch Platz. Löding: „Die Tiere haben hier doppelt so viel Raum wie in einem gewöhnlichen Stall.“

Dafür sei der Bau, der im Juni fertig wurde und 225 Mastschweine aufnehmen kann, aber nur knapp zur Hälfte belegt ist, auch doppelt so teuer gewesen wie ein herkömmlicher Stall. Auch das Fressen sei vom Feinsten: Pressfutter aus Roggen, Weizen, Triticale. „Für die Eiweißversorgung nehmen wir Raps- und Sonnenblumenschrot.“ Auf Soja werde bewusst verzichtet, betont Löding, da es in Südamerika zu oft zu fragwürdigen Bedingungen produziert werde. Sein Schweinefutter kauft Löding lieber vom Ratzeburger Landhandel.

Er setzt auf Regionalität und Saisonalität: Die Ferkel beziehe er mit einem Gewicht von 25 bis 30 Kilo vom einem Sauenhalter im nahen Gülzow. Wenn sie nach rund vier bis fünf Monaten ein Gewicht von 115 bis 130 Kilo erreicht hätten, könnten sie geschlachtet werden. Das übernimmt dann eine Fleischerei in Mölln.

„Geschlachtet wird nach Bedarf“, führt Löding aus. „So wie wir die Tiere brauchen.“ Das Fleisch vermarktet der Hof selbst, im Hofladen oder über eigene Gastronomie-Events im Bauernhof-Restaurant. Wo es herkommt, könne jeder Besucher sich selbst anschauen: Der Schweinestall sei auch zum Angucken da. Für Kinder gibt es sogar erhöhte Stehplätze.

Schön rosa sind die Ferkel, eine Mischung aus dänischer Sau und belgischem Pietrain. Nichts Außergewöhnliches, doch durch die besondere Haltung, und weil die Tiere mehr Bewegung haben, sei das Fleisch besser, bissfester, wirbt Löding. „Seeluft-Schweine“ nennt er seine Wellness-Ferkel. Weil sein selbst geschaffenes Schweine-Paradies am Ratzeburger See liegt.

Das Konzept sei erfolgversprechend, meint Reinhard Jahnke (60), Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Lauenburg. „Eine tolle Idee. Tierwohl par excellence.“ Jetzt müsse sich zeigen, „ob die Verbraucher das bezahlen“.

Kreispräsident Meinhard Füllner (66) ist da zuversichtlich. „Was wollen die Menschen?“, fragt er sich. „Die meisten haben doch eine große Sehnsucht nach dem Ursprünglichen, nach Dingen, die sie verstehen.“ Ein Schweinestall mit glücklichen Schweinen sei da genau das Richtige.

„45 Prozent unserer Gäste legen Wert auf Regionalität“, sagt Günter Schmidt, Geschäftsführer Herzogtum Lauenburg Marketing und Service GmbH (HLMS). Viele Touristen würden sich freuen, einen echten Bauernhof mit Schweinen besuchen zu können. „Bei schlechtem Wetter ist jedes Alternativangebot willkommen.“

Regionalität, aber auch Transparenz liegen im Trend. Und wem es gelingt, die Kunden damit auf den Hof zu locken, der kann auch verkaufen. Etliche Betriebe im Norden setzen daher mittlerweile auf Selbstvermarktung sowie eine Tierhaltung, die an das gute Gewissen appelliert, weiß Susanne Dreyer vom Bauernverband Schleswig- Holstein in Rendsburg.

Ein Stück heile Welt auf einem „richtigen“ Bauernhof – das mögen die Besucher. Löding ist selbst froh, dass er für die Schweine, mit denen sein Vater Ernst (83) 1970 anfing, ein neues Konzept gefunden hat. Bisher waren ein Hauptstandbein des Hofes Himbeeren, die er auf fünf Hektar anbaut und zwölf Hektar Spargel. „Aber Schweine gehören eben auch zu einer richtigen Landwirtschaft“, findet er.

 Marcus Stöcklin

Hier gibt es noch einmal alle drei Teile der Videoserie "Du musst ein Schwein sein...", in der wir uns die Schweinehaltung in Norddeutschland angesehen haben:

https://www.youtube.com/watch?v=mdxXqSX9HSg 

https://www.youtube.com/watch?v=KT5RlgAkV6g

https://www.youtube.com/watch?v=p8R5-yVKqCM

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