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Norddeutschland Bauern in Sorge: Fällt die Ernte ins Wasser?
Nachrichten Norddeutschland Bauern in Sorge: Fällt die Ernte ins Wasser?
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12:55 21.08.2017
Quelle: dpa

 „Wir ernten dieses Jahr so spät wie noch nie“, sagt Reinhard Jahnke vom Kreisbauernverband Herzogtum Lauenburg. „Die Böden sind randvoll mit Wasser.“ Manche Flächen seien mit den großen Erntemaschinen gar nicht mehr befahrbar.

Vor allem die Kreise Ostholstein, Stormarn, Plön und das Herzogtum Lauenburg hätten große Schwierigkeiten, ihre Weizenernte zu beenden, sagt Werner Schwarz, Präsident des Landesbauernverbands. An der Westküste sehe die Situation anders aus, dort sei die Ernte bereits mit guten Erträgen abgeschlossen worden – denn es habe weniger Regenschauer gegeben.
Die Rapsernte ist zwar in den meisten Teilen des Landes abgeschlossen, aber „mit überwiegend enttäuschenden Erträgen“, berichtet Schwarz. Als Landwirt müsse man diese Saison „ein ziemlich dickes Fell“ haben, sagt auch Jens-Walter Bohnenkamp vom Kreisbauernverband Segeberg: „Es war ein schwieriges Jahr.“

Lesen Sie dazu auch: "Landwirte unter Hochdruck - jetzt muss der Weizen rein."

Beim Weizen ist nicht nur die gedroschene Menge relevant, sondern auch die Qualität. „Oftmals ist zu nasser Weizen nicht mehr backfähig“, erklärt Dierk Boie, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Plön. „Dann wird der Brotweizen zu Futterweizen.“ Das drücke den Preis. „Wird ein Hektar Brot- zu Futterweizen, mache ich einen Verlust von 160 Euro“, sagt Jahnke. „Das ist viel Geld.“

Nicht nur der Ackerbau leidet dieses Jahr. Laut Bohnenkamp ernteten die Landwirte im Kreis Segeberg rund 60 Prozent weniger Äpfel als im Vorjahr. Viele Baumblüten seien im Frühjahr erfroren, die Hummeln und Bienen konnten sie nicht bestäuben. Ähnlich sei es bei den Erdbeeren. Zudem seien viele Früchte im Sommer durch die hohen Niederschlagsmengen matschig geworden.
Wie es mit der Weizenernte in der Region wird, hängt jetzt von der Wetterentwicklung ab. „Wir bräuchten nur eine Woche, in der es trocken bleibt“, sagt Jahnke. „Dann ist zumindest der Weizen gerettet.“

Allerdings sieht die Wetterprognose eher düster aus. Auch heute soll es so wechselhaft wie in den vergangenen Tagen bleiben – mit vielen Schauern. „Lokal sind sehr große Regenmengen mit bis zu 20 Litern pro Quadratmeter möglich“, sagt Christoph Lerchl, Meteorologe bei der Wetterwelt GmbH in Kiel. Das sei genau die Menge, die Landwirte fürchteten, weil dadurch die Böden extrem matschig und damit für die Erntemaschinen unbefahrbar würden. Morgen soll es zwar überwiegend trocken bleiben, doch schon Dienstag sei die Lage wieder unsicher.

Reinhard Jahnkes größte Sorge könnte damit zur Realität werden: Bleibt es feucht, fällt nicht nur die diesjährige Ernte, sondern auch die Aussaat für 2018 ins Wasser. Kommende Woche müsste es nämlich bereits mit dem Aussäen der Rapssamen losgehen.

Von Saskia Bücker und Janina Dietrich

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