Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Bauern trotzen dem eisigen Aprilwetter
Nachrichten Norddeutschland Bauern trotzen dem eisigen Aprilwetter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:06 19.04.2017
Eis umschließt die Blüten des Obstbaums. Mit Beregnungsanlagen schützen Bauern ihre Pflanzen. Quelle: Foto: Reinhardt/dpa
Anzeige
Lübeck

 Besonders Obstbäume wie Kirschen, Äpfel und Birnen, bei denen die Blüten schon teilweise geöffnet sind, reagieren empfindlich auf Frost. Erfriert eine Blüte oder die Knospe, kann daraus später keine Frucht entstehen. „Die Gefahr von Ertragseinbußen sehen wir jedoch noch nicht“, sagt Susanne Dreyer vom Bauernverband Schleswig- Holstein. Vielmehr sei das derzeitige Wetter typisch für den Monat April. Die Bauern müssten um diese Jahreszeit mit frostigen Nächten rechnen und seien dementsprechend vorbereitet.

Obstbauern schützen die empfindliche Blüte der Bäume mit speziellen Beregnungsanlagen vor dem Frost. „Fest installierte Sprinkleranlagen berieseln die Bäume bei Temperaturen um den Gefrierpunkt mit Wasser“, sagt Axel Münster vom Obsthof Münster in Eutin. Dieses gefriert um die Blüten herum. Dabei kommt es zur sogenannten Erstarrungswärme. Das Wasser gibt Wärme an die Blüte ab, sodass diese nicht erfriert. Diese Frostschutzberegnung funktioniert nur, wenn immer neues Wasser auf die Blüten gesprüht wird: „30000 Liter pro Hektar und Stunde werden benötigt“, sagt Münster. „Wenn man einen Finger befeuchtet und diesen in den Wind hält, merkt man schnell, wie er auskühlt.“ Das passiere auch mit den Blüten, wenn die Beregnung unterbrochen werde. Durch die dann entstehende Verdunstungskälte würde die Blüte schnell erfrieren. Deshalb müssten die Bauern die Temperaturen genau beobachten. Auch Erdbeeren fangen im Frühjahr schon bei milden Temperaturen an zu blühen. Um dem Erfrieren der Blüten vorzubeugen, können Landwirte zwischen den Pflanzreihen Stroh oder Reisig auslegen. Das wärmt die Pflanzen.

Auf den Erdbeerfeldern schützen die Bauern ihre Pflanzen zunächst mit einer Folie. Tagsüber wird das Erdreich darunter auch bei wenig Sonne schnell aufgewärmt. Die Folie hilft zusätzlich, die Wärme länger zu speichern. „Trotzdem verlangsamt sich das Wachstum bei den derzeit niedrigen Temperaturen“, sagt Daniela Rixen, Sprecherin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein.

Auch die beginnende Spargelernte sei davon betroffen. Doppelfolienabdeckungen schützten den Spargel vor großer Kälte. Die ersten Ernten könnten durch den Temperatursturz dennoch etwas geringer ausfallen, sagt Rixen. Größere Einbußen erwarte sie aber derzeit nicht. Ähnlich niedrige Temperaturen im vergangenen Frühjahr hätten gezeigt, dass die Pflanzen ein enormes Kompensationsvermögen besäßen und trotz widriger Bedingungen noch ein gutes Wachstum entwickeln könnten.

Das gelte auch für Raps und Getreide. Sogar die Hagelschauer hätten die Pflanzen gut überstanden. „In ihrem derzeitigen Entwicklungsstadium sind die Pflanzen recht unempfindlich“, sagt Rixen. „Das Wetter konnte daher keine Schäden verursachen.“

Anbaugebiete im Norden

Die inzwischen bedeutendste Obstkultur in Schleswig-Holstein ist die Erdbeere. In den Kreisen Ostholstein und Herzogtum Lauenburg liegen die ältesten und größten Betriebe. Kernobst, wie der Apfel, wird vor allem in den Elbmarschen westlich von Hamburg, aber auch zwischen Lübeck und Kiel in der Nähe der Ostsee und den Seen der Holsteinischen Schweiz angebaut.

In der Spargelsaison von April bis Juni bieten mehr als 40 Betriebe im ganzen Land ihre Ware direkt ab Hof an. Getreide wird in Schleswig-Holstein in diesem Jahr auf einer Fläche von mehr als 300000 Hektar angebaut. Nach einer Schätzung des Statistikamtes Nord wird in diesem Jahr eine Ernte von gut 2,7 Millionen Tonnen erwartet.

 Sandra Böhlein

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige