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Norddeutschland Behörde im Gitarren-Stress
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14:24 13.01.2017
Bestimmte Tropenhölzer, die zum Teil in Musikinstrumenten wie Geigen oder Gitarren verbaut werden, stehen seit Anfang des Jahres unter Artenschutz. Quelle: Fotolia
Lübeck/Kiel

„Es handelt sich um sogenannte Palisander-Holzarten“, erklärt Rüdiger Albrecht, Experte für Artenschutzrecht beim LLUR. „Sie wurden bisher auch häufig im Instrumentenbau verwendet – bis auf das seltene Rio-Palisander, das bereits seit 1992 unter dem höchsten Schutz steht.“ Jetzt werden die anderen Palisander-Arten unter der sogenannten zweiten Schutzstufe auf der Liste des Washingtoner Artenschutzabkommens (Cites) geführt. Die Einstufung erschwert unter anderem den Handel mit den Edelhölzern. Ein Schritt gegen den Raubabbau der Regenwälder, der bei manchem Geigen-Liebhaber vor allem eines auslöst: Panik.

„Viele sind verunsichert, ob sie ihre Instrumente bei den zuständigen Landesbehörden melden müssen“, sagt Albrecht. Besonders in der ersten Januarwoche seien in seiner Abteilung etliche Anfragen von besorgten Privatpersonen eingegangen. Albrecht: „Das war schon verrückt und hatte unter anderem auch mit einer falschen Berichterstattung in der Fachpresse zu tun.“ Denn den meisten der besorgten Instrumenten-Besitzern kann der Artenschutz-Experte Entwarnung geben: Eine Pflicht zur Registrierung der Instrumente besteht nicht. Erst im Fall eines beabsichtigten Verkaufs in ein Drittland außerhalb der EU müssen Bescheinigungen beantragt werden.

Händler und Instrumentenbauer haben mehr Aufwand: Sie mussten schon bis Ende 2016 gelagerte Instrumente, in denen die neu geschützten Holzarten verbaut wurden, deklarieren. Eine von ihnen ist Andrea Masurat, Geigenbaumeisterin aus Lübeck. Wie viele ihrer Kollegen hat die Lübeckerin bisher auch Palisander-Holzarten verarbeitet, etwa beim Einbau der Wirbel und Saitenhalter in Geigen, Bratschen und Celli. „Es ist in erster Linie eine optische Entscheidung“, erklärt Masurat, „Palisander-Holz ist dunkelbraun, außerdem gehört es zu den Edelhölzern und wurde gerne für hochwertige Instrumente verwendet.“ Dennoch befürwortet sie den Schutz der Tropenhölzer. „Es ist ein wichtiger Schritt, außerdem gibt es andere gute Alternativen – zum Beispiel Ebenholz oder Buchsbaum.“

Katrin Diederichs

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