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Behörden wollen Bürger besser vor Katastrophen warnen

Kiel Behörden wollen Bürger besser vor Katastrophen warnen

Lübeck setzt auf App fürs Smartphone – In Kiel kehren die Sirenen zurück.

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Die Feuerwehr in Lübeck will bei Hochwasser weiter per Lautsprecher warnen – und mit einer App.

Quelle: Foto: König/imago

Kiel. Die Bürger in Schleswig-Holstein sollen zuverlässiger vor Katastrophen gewarnt werden. Nach der schweren Sturmflut Anfang des Jahres, die viele Küstenbewohner unvorbereitet traf, denken die Sicherheitsbehörden im Land über die stärkere Nutzung neuer Medien nach. Das Innenministerium kündigte an, das modulare Warnsystem (Mowa) einzuführen, mit dem App-Alarme, Radiodurchsagen und Sirenen ausgelöst werden können. „Das Geld steht bereit und die technische Ausrüstung kann angeschafft werden“, bestätigte Ralf Kirchhoff vom Brandschutzreferat des Innenministeriums den „Kieler Nachrichten“. Das neue System biete die Chance, „möglichst viele Menschen gleichzeitig und schnell zu erreichen“.

Noch in diesem Jahr werde Schleswig-Holstein alle nichtpolizeilichen Leitstellen mit dem modularen Warnsystem ausrüsten, erklärt Jana Ohlhoff, Sprecherin des Innenministeriums. So könnten die Lagezentren von Bund und Land oder die Leitstellen der Kreise zeitgleich mehrere Medien nutzen, um beispielsweise über drohende Unwetter zu informieren. Gleichzeitig arbeitet in Kiel die Berufsfeuerwehr an „neuen Konzepten“ für die Alarmierung, bestätigt der stellvertretende Amtsleiter Ulrich Hackenberg. Details sollen im Innen- und Umweltausschuss der Landeshauptstadt präsentiert werden.

Dabei könnten auch die guten alten Sirenen wieder eine wichtige Rolle spielen. Sie werden derzeit nur noch in den Stadtteilen am Rande Kiels eingesetzt, um die Feuerwehr zu alarmieren. Bis 2019 will die Landeshauptstadt 65 neue Anlagen installieren.

In Lübeck gibt es bisher keine Pläne, die Sirenen wieder einzuführen. Sie hätten zwar eine bessere „Weckfunktion“ als die zurzeit genutzten Lautsprecherdurchsagen aus den Feuerwehrfahrzeugen, sagt Henning Witten, Sachgebietsleiter Katastrophenschutz bei der Berufsfeuerwehr Lübeck. „Andererseits können sie auch Reaktionen provozieren, die wir vielleicht gar nicht wollen.“ So wüssten viele Menschen gar nicht mehr, was die einzelnen Heultöne überhaupt bedeuteten. Das könne dazu führen, dass die Bürger im Alarmierungsfall Angst bekämen und sich in ihrer Panik falsch verhielten – zum Beispiel, indem sie eine Sturm- mit einer Feuerwarnung verwechselten und fluchtartig ihr Haus verließen, anstatt dort Schutz zu suchen.

Mehr Nutzen verspricht sich Henning Witten dagegen von der Notfall-Informations- und Nachrichten-App (Nina), die vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) zur Verfügung gestellt wird. Sie soll seinen Angaben zufolge demnächst auch in die Leitstelle in Lübeck integriert werden. Bürger können die App kostenlos auf ihr Smartphone herunterladen. „Wir haben dann die Möglichkeit, sie jederzeit mit Informationen zu bespielen“, sagt Witten. „Damit erreichen wir die Menschen viel besser als mit Sirenen und können präziser kommunizieren.“ Sätze wie „Wir empfehlen, die Fahrzeuge von der Obertrave zu entfernen“, sollen bei Hochwasser künftig über die App verschickt werden.

Auch die Feuerwehr Kiel prüft, „welche zusätzlichen Warnmöglichkeiten für den Wirkkreis der Landeshauptstadt sinnvoll sind“. Mit den Kreisen Plön und Rendsburg-Eckernförde wird über die Einführung von „Katwarn“ nachgedacht – ebenfalls eine App fürs Smartphone. In Neumünster ist das zurzeit kein Thema. Die Kreise Segeberg und Ostholstein stimmen sich aktuell mit den umliegenden Kreisen ab.

Frank Behling, Niklas Wieczorek und Janina Dietric

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