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Norddeutschland Beim Einkauf daneben gegriffen
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21:12 05.11.2016
Es liegt nicht an der Farbe: Steffi Schimurda möchte ihre Jacke auf dem Flohmarkt verkaufen. Quelle: Jan Dresing

Im Lagerhaus am Hafen reihen sich die Trödelstände aneinander. Der Kaupuskoipi-Flohmarkt hat im Schuppen F seit vier Jahren sein Quartier aufgeschlagen. Von einem überquellenden Kleiderständer zieht Steffi Schimurda die auffällige Jacke hervor. Signalfarbe Neonpink. Ein echter Fehlkauf – das liegt jedoch nicht an der leuchtenden Farbe.

„Pink ist einfach mein Ding“, sagt die Mitarbeiterin des Hafenflohmarkts. Bei einem Stadtbummel sei ihr die Jacke direkt aufgefallen. Sie war von 100 auf 30 Euro heruntergesetzt. Ein Schnäppchen – vermeintlich. Denn jetzt möchte Steffi Schimurda die Jacke einfach nur noch loswerden. „Ich habe sie im Sommer gekauft, da waren es nur etwa 20 Grad“, sagt sie. Doch dann kam im August die Hitzewelle. Seitdem hängt die Jacke zu Hause, wurde nicht einmal getragen. „Ich war echt sauer auf das Wetter“, so die 41-Jährige. Die Jacke wartet jetzt am Hafen auf eine neue Besitzerin.

Viele Deutsche kennen diese Situation: Gut 40 Prozent haben in den letzten zwölf Monaten einen Fehlkauf getätigt. Das belegt eine repräsentative Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag der Direktbank Barclaycard. Fehlkäufe im Wert von schätzungsweise 3,7 Milliarden Euro blockieren die Schränke und Keller der Republik. Pro Kopf sind das immerhin rund 140 Euro.

Winterstiefel, die gar keine sind, sind der Fehlkauf von Abigail Augustyniak. „Es hat nur ein bisschen geregnet, trotzdem waren die Füße sofort nass. Obwohl ich die Schuhe imprägniert hatte“, sagt die 22-Jährige. „Ich dachte, ich mache ein Schnäppchen für 30 Euro.“ Und was sie bei der Anprobe im Laden auch noch nicht merkte: Die Absätze mit Plastikkappe sind extrem rutschig. Auf glatten Böden oder Treppen konnte sie sich nur mit Mühe unfallfrei fortbewegen. Zurück im Laden wird sie von den Verkäuferinnen abgewimmelt: Ein Umtausch sei nicht möglich.

„Ich habe mich richtig geärgert“, sagt die Schülerin. Sie geht auf ein Berufliches Gymnasium und lebt von Bafög. Da reißt ein solcher Fehlkauf große Löcher in den ohnehin schon schmalen Geldbeutel.

Die Schuhe zu verkaufen, ist für sie keine Option. „Das will man ja keinem antun. Vielleicht verschenke ich sie, wenn jemand darin laufen kann. Aber Geld verlange ich dafür nicht.“

Beim Shoppen greift fast jede zweite Frau aber nur jeder dritte Mann daneben, heißt es in der GfK-Studie. Frauen irrten sich meist im Bereich Mode, die Männer beim Kauf von Unterhaltungselektronik.

Irgendetwas zwischen echter Küchenhilfe und witziger Verkaufsidee vermutetete auch LN-Redakteur Nick Vogler (48), als er im Internet einen elektrischen Quirl für 15 Euro fand, der selbstständig Soßen im Topf umrührt. Angeblich. Doch schon beim ersten Test wies das Ding nachdrücklich seine Untauglichkeit nach: Es kippte einfach auf dem Tisch um. Zwar zappelten die flexiblen Beinchen behende im Kreis – doch auch beim Einsatz in der Pfanne war der Rühreffekt gleich Null. „Es ist der blödsinnigste Kauf, der mir je passiert ist – und dabei mag ich solche Geräte in der Küche gar nicht“, sagt Vogler. Er lacht nun über den elektrischen Rumsteher, dessen Rücksendung viel zu umständlich ist. Immerhin: Vier Batterien waren enthalten – mit denen kann Vogler ein herumliegendes Blutdruckmessgerät testen, das bisher verlässlich falsche Werte geliefert hat.

Top 10 der Fehlkäufe

Die Liste wird mit großem Abstand von Kleidung und Accessoires angeführt. Jeder Zweite (51,1 Prozent) greift hier beim Shoppen daneben. Auf Platz zwei stehen Haushaltsgeräte wie Mixer oder Staubsauger (19,4 Prozent). Das unrühmliche Treppchen komplettieren Bücher, DVDs und CDs (17,1 Prozent). Es folgen Unterhaltungselektronik (Konsolen, Smartphones), Sport- und Freizeitausstattung (Skier, Skateboards), Inneneinrichtung (Kleinmöbel, Deko), Kinderbekleidung (Schuhe, Strampler), Gartenausstattung (Heckenschere, Liegestuhl) sowie Spielzeug und Kinderausstattung.

Jan Dresing

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