Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Beltquerung: Die Dänen legen los
Nachrichten Norddeutschland Beltquerung: Die Dänen legen los
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:31 03.09.2014
Dänemarks Verkehrsminister Magnus Heunicke (im Bagger) beim symbolischen ersten „Spatenstich“für die feste Fehmarnbelt-Querung auf dänischer Seite. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Orehoved

Die Straßen von Orehoved sind leer. Keine Autos, keine Spaziergänger. Auch in den Vorgärten des etwa 500-Seelen-Dorfes an der Nordspitze der dänischen Insel Falster ist keine Menschenseele zu sehen, es wirkt wie ausgestorben. Es scheint, als würden die Bewohner nicht mitbekommen haben, dass heute in ihrem Dorf der Verkehrsminister Magnus Heunicke zu Gast sein wird — und dass an diesem Tage etwas Historisches passieren wird.

Dänemarks Verkehrsminister Magnus Heunicke beim symbolischen ersten „Spatenstich“für die feste Fehmarnbelt-Querung auf dänischer Seite.

Denn Heunicke leitet offiziell die Baumaßnahmen für die Hinterlandanbindung an den Belttunnel auf dänischer Seite ein. Er macht den symbolischen ersten Spatenstich. Auf dem 115 Kilometer langen Abschnitt zwischen Rødbyhavn und Ringstedt wird ein zusätzliches Gleis gebaut, die gesamte Strecke elektrifiziert.

Züge können dann bis zu 200 Kilometer pro Stunde auf diesem Abschnitt fahren. Bis 2021 sollen 18 alte Brücken abgerissen und durch neue ersetzt, die auf dem Abschnitt liegenden Bahnhöfe modernisiert werden. Kosten: 1,2 Milliarden Euro. „Es ist wichtig für die Region“, sagt der Verkehrsminister. Wirtschaftlich gehe es hier um „Leben und Tod“.

Eine offizielle Baugenehmigung für das Milliardenprojekt Fehmarnbelt gibt es allerdings noch nicht. Darüber wird das dänische Parlament erst noch entscheiden. „Niemand geht davon aus, dass das Projekt noch scheitern könnte“, sagt Ajs Dam, Sprecher der dänischen Staatsgesellschaft Femern A/S, die den Tunnel plant. Schließlich seien die Vorbereitungsmaßnahmen auch schon durch das Parlament genehmigt worden. Auch Heunicke ist sich sicher, dass die Beltquerung kommen wird: „Sie können hier durch das gesamte Dorf gehen, und ich wette, sie finden keinen, der sich gegen das Projekt stellt.“

Die Wette hat der Minister gewonnen. Selbst Daniel Vaque, der direkt neben dem Bahnhof wohnt und somit stark von dem Lärm der Bauarbeiten betroffen sein wird, spricht sich für das Projekt aus. „Es geht um die Zukunft Dänemarks“, sagt der 33-Jährige.

Außerdem fühle er sich von den Planern und den Verantwortlichen sehr gut behandelt. „Ich habe neue Fenster bekommen, mein ganzes Haus wurde gedämmt, damit der Lärm nicht so nervt“, sagt er.

Trotzdem stellt er sich auf eine unangenehme Zeit ein. „Klar, es könnte laut werden. Aber damit muss man leben — es ist ja für eine gute Sache.“ Vaque freue sich sogar, live bei so einem Megaprojekt dabei sein zu dürfen. „Da kann ich noch meinen Enkelkindern von erzählen.“

Auch Kim Hammerlund ist ein Fan der Beltquerung und der Baumaßnahmen zwischen Rødbyhavn und Ringstedt. „Alles wird schneller und besser zu erreichen. Das braucht Dänemark. Es geht ja auch um Arbeitsplätze und internationalen Wettbewerb“, sagt der 40-Jährige.

Dass er in seinem persönlichen Umfeld Einschränkungen hinnehmen muss, findet er normal. „Vielleicht wird es mal ein bisschen lauter oder ich muss mich auf ein wenig Wartezeit einstellen. Egal, dieses Projekt ist alternativlos.“

Während auf dänischer Seite die Bauarbeiten beginnen, wird in Deutschland noch fleißig diskutiert. Dass die Deutschen der Fehmarnbeltquerung bedeutend skeptischer gegenüber stehen, weiß auch Magnus Heunicke: „Ich kann die Sorgen und Ängste verstehen“, sagt der Minister. „Aber es gibt für alles eine Lösung und ich sehe es auch als meine Aufgabe, auf deutscher Seite für Akzeptanz für das Projekt zu sorgen.“

Schließlich sei der Belttunnel auch für den Verkehrsminister persönlich das wichtigste Projekt. Heunicke: „Spätestens wenn die Deutschen merken, dass sie von Hamburg nach Kopenhagen nur zweieinhalb Stunden brauchen, sind ganz sicher alle Zweifel verflogen.“

Tunnel unter dem Belt
2008 haben Deutschland und Dänemark einen Staatsvertrag über den Bau der festen Fehmarnbeltquerung zwischen Puttgarden (Ostholstein) und Rødby (Lolland) unterzeichnet. Nachdem zunächst eine Brücke über den Belt im Gespräch war, fiel die Entscheidung später auf einen Absenktunnel. Mit 17,6 Kilometer würde er der weltweit längste seiner Art. Die Dänen sichern den Bau über Staatsgarantien ab. Die Nutzer refinanzieren den Tunnel über eine Maut. Auf deutscher Seite läuft das Planfeststellungsverfahren. Die Dänen wollen das entsprechende Baugesetz im Dezember vom Parlament absegnen lassen. 2021/22 soll der Tunnel fertig sein.

Hannes Lintschnig

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!