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Norddeutschland Belttunnel: Dänen versprechen 1000 Jobs für die deutsche Seite
Nachrichten Norddeutschland Belttunnel: Dänen versprechen 1000 Jobs für die deutsche Seite
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22:15 05.09.2013
Der Bau des Belttunnels soll 1000 neue Jobs schaffen. Quelle: dpa

Der Tunnelbau am Fehmarnbelt soll in Schleswig-Holstein 1000 neue Arbeitsplätze schaffen. Darunter sollen 70 deutsche Auszubildende sein. Das verspricht Claus F. Baunkjær, Vorstandsvorsitzender der dänischen Staatsgesellschaft Femern A/S. Gegner des Milliardenprojekts kritisieren, dass der heimische Arbeitsmarkt vom Bau des Dänen-Tunnels allenfalls vorübergehend profitiere.

„Wir sind uns der Bedeutung unseres Vorhabens für die Region bewusst“, sagt Baunkjær. Insgesamt würden für den Bau vor Ort bis zu 4000 Arbeitskräfte benötigt. Auf Ostholsteiner Seite gehe es in erster Linie um Portalbauten und Anschlussrampen bei Puttgarden, die elektrischen und mechanischen Arbeiten in der deutschen Tunnelhälfte sowie die Eisenbahninstallationen. „Klassische Erd-, Straßen- und Stahlbetonarbeiten machen einen Löwenanteil aus. Zusätzlich werden Elektriker und Monteure gebraucht“, erläutert Femern-Sprecher Obinna van Capelleveen. Andere Berufsfelder könnten indirekt vom Tunnelbau profitieren. Gesucht werde auch Sicherheits-, Kantinen- und Reinigungspersonal für die Tunnelfabrik in Rødbyhavn.

Besonders am Herzen liegt den Dänen offenbar der Einsatz junger Leute auf der Baustelle. 500 Auszubildende sollen engagiert werden, mindestens jeder Siebte von ihnen soll aus Schleswig-Holstein kommen. Dass sich Baukonsortien auch daran hielten, so viel Azubis zu beschäftigen, garantierten entsprechende Vertragsklauseln. „Wir werden dafür sorgen, dass uns die Verträge erlauben, finanziellen Druck auf die Unternehmen auszuüben, wenn sie die Bedingungen nicht streng einhalten“, sagt der Femern-Chef. Konkret bedeute das, bei Verstößen Abschlagszahlungen zurückzuhalten.

In Kürze wollen die Dänen die in der Vorauswahl erfolgreichen Baukonsortien mit interessierten Unternehmen aus der Region zusammenbringen. Mittler dabei soll die IHK Lübeck sein. Ein Treffen ist für den 15. November geplant. Die internationalen Konsortien sollten dabei für die gesetzlichen Regelungen auf deutscher Seite sensibilisiert werden. Aufgrund gut gefüllter Auftragsbücher sei das Interesse des Handwerks noch relativ mau, sagt Andreas Katschke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Lübeck. Mit Info-Veranstaltungen arbeitet die Kammer dagegen an.

Hartmut Hamerich (CDU) begrüßt das Arbeitsplatz-Versprechen: „Wer bis heute behauptet hat, Ostholstein werde durch die Querung nur Transitland, ist endgültig widerlegt.“ SPD-Wirtschaftsminister Reinhard Meyer ermuntert Unternehmen der Region: „Sie können und sollten jetzt Kontakt zu den bekannten neun Baukonsortien aufnehmen.“ Schon in der jetzigen Planungsphase seien 160 deutsche Unternehmen an Aufträgen von Femern A/S beteiligt, darunter viele aus Norddeutschland.

Die Kritiker bleiben skeptisch. „Lediglich in der Bauphase kommt es zu einem Arbeitsmarkt-Effekt“, prognostiziert Susanne Brelowski, Sprecherin der Allianz gegen die Feste Querung. „Wenn der Tunnel fertig ist, fällt das zusammen wie eine Blase.“ Gleichzeitig vernichte das unsinnige Projekt allein 600 Arbeitsplätze auf den Fähren.

Curd Tönnemann

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