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Norddeutschland Berater: Sie wollen Landwirten Mut machen
Nachrichten Norddeutschland Berater: Sie wollen Landwirten Mut machen
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18:10 21.01.2017
Rendsburg

Zuhören, rechnen, beraten: Die sozioökonomischen Berater der Landwirtschaftskammer verhelfen Bauern zu neuen Perspektiven. Und sie sind gefragt wie lange nicht. „Die Betriebe sind anders betroffen als früher, es gibt ganz andere Abhängigkeiten etwa von Banken und vom Markt“, meint Peter Levsen Johannsen, Geschäftsführer der Landwirtschaftskammer in Rendsburg. Außerdem gebe es physische Belastungen, aber vor allem auch psychischen Druck, der Landwirte in Not bringe. Nach dem Ende der Milchquote seien die Bauern jetzt am Weltmarkt angekommen. „Das muss ein Landwirt managen können, das gehört in sein Aufgabenprofil mit hinein. Und das ist ein zusätzlicher Belastungsbaustein“, so Johannsen.

Wenn die Last zu groß wird, können die Berater der Kammer helfen. Bisher waren vier von ihnen im Einsatz, zwei weitere kommen in diesen Wochen dazu. Es sind meist ausgebildete Agrarökonomen, die im Idealfall auch seelsorgerische Fähigkeiten haben. „Das sind keine Abwickler“, stellt Johannsen klar. Sie sichten die Fakten, stellen eine Diagnose und versuchen, den Betrieb zu heilen. Denkbar sei aber auch, dass gemeinsam geklärt werde, wie Vermögen gesichert werden könne. „Vielleicht kann der Bauer oder seine Frau eine Arbeit außerhalb des Hofes annehmen, und dieser nur noch im Nebenerwerb geführt werden?“ Manchmal, berichtet Johannsen, bleibe aber nur der Ausstieg aus der Landwirtschaft. Da müssten Tiere und Maschinen gut verkauft, die Ackerflächen verpachtet werden. „Wichtig ist, dass die Berater dranbleiben.“

Für Bauern, die sich meist als freie Unternehmer verstehen, sei diese Einmischung von außen oft schwierig. Und so treten auch nur wenige selbst die „Flucht“ nach vorn an. In den meisten Fällen würden sich Angehörigen melden, aber auch die Banken könnten den Anstoß geben, wenn sie merken, dass da jemand ständig im Minus sei und seinen Verpflichtungen nicht nachkomme.

Nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes sind die landwirtschaftlichen Einkommen gesunken. Wegen niedriger Preise für Milch und Schweinefleisch hätten viele Kollegen Gewinneinbußen und Einkommensrückgänge zu verzeichnen. So entspreche das durchschnittliche Unternehmensergebnis im Wirtschaftsjahr 2015/2016 umgerechnet einem monatlichen Bruttoeinkommen von 2300 Euro je Landwirt.

Davon müssten noch Sozialabgaben und Steuern gezahlt werden, erklärte Präsident Joachim Rukwied. Während die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Schleswig-Holstein gesunken ist, stieg die durchschnittliche Betriebsgröße von gut 74 auf knapp 78 Hektar. Die Zahl der Beschäftigten in landwirtschaftlichen Betrieben im Norden sank um elf Prozent auf knapp 39 900 Personen.

Hilfsangebote für Bauern in Notlagen sind in einem Flyer des Landwirtschaftsministeriums zusammengefasst. Da findet sich die Landwirtschaftskammer ebenso wie das Sorgentelefon für landwirtschaftliche Familien des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt, der Bauernverband, der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter und der Vertrauensmann Tierschutz. Julia Paulat

LN

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