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Norddeutschland Beratung gegen Spontan-Tattoos? Viele Lübecker sind skeptisch
Nachrichten Norddeutschland Beratung gegen Spontan-Tattoos? Viele Lübecker sind skeptisch
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21:39 07.08.2018
Tätowierer Frank Stieghorst sieht Tattoos als einen Lifestyle an, der immer beliebter wird. Quelle: Fotos: Felix König
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Lübeck

„Es darf nicht sein, dass eine Entscheidung, die lebenslang sichtbar sein wird, spontan, ohne Beratung und ungesichert erfolgen kann“, argumentiert Connemann. Auch bei der Entfernung von Tattoos will der Gesetzgeber eingreifen. Das Bundesumweltministerium hat eine Verordnung zur Modernisierung des Strahlenschutzrechts erarbeitet: Die Entfernung von Tätowierungen mittels Laserbehandlung sollen künftig nur noch Fachärzte vornehmen dürfen. Die Regelung soll nach Angaben des Ministeriums zum 31. Dezember dieses Jahres in Kraft treten.

Ein unter Alkoholeinfluss oder unter Gruppendruck gestochenes Spontantattoo? Die Vizechefin der CDU-Bundestagsfraktion Gitta Connemann will das per Pflichtberatung verhindern. Mit ihrem Vorschlag trifft sie bei Tattoo-Trägern jedoch auf nur wenig Gegenliebe.

Laut einer Studie des Forschungsinstituts Aproxima im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) haben sich mehrere Zehntausend Menschen schon mal ein Tattoo entfernen lassen – in mehr als jedem sechsten Fall würde es jedoch zu bleibenden Nebenwirkungen wie etwa Hell- und Dunkelfärbungen der Haut, aber auch Narben kommen.

Die Vorstöße aus Berlin kommen nicht überall gut an: Dr. Ralph von Kiedrowski vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen sieht in Connemanns Vorschlag ein Beispiel für „die Überregulierung in Deutschland“. Sicherlich, so sagt er, sei der Vorschlag überdenkenswert.

Allerdings stelle sich die Frage, wer dies leisten und vor allem kontrollieren solle.

Dr. Birgit Thomas vom Haut- und Laserzentrum Mühlenbrücke in der Lübecker Altstadt stimmt ihm da zu: „Wer soll die Beratung durchführen? Ärzte, Tätowierer?“ Und wenn die Pflichtberatung kommt, „müsste dies auch für Piercings und Permanent-Make-up gelten“, sagt Thomas. Frank Stieghorst, Tätowierer und Eigentümer des Nautic Ink Tattoo-Studios am Lübecker Hansering, widerspricht ebenfalls Connemanns Wunsch nach einer Beratungspflicht: „Tattoos werden immer trendiger. Das ist ein Lifestyle. Früher war jeder Zehnte tätowiert, dann jeder Achte – mittlerweile ist es wohl jeder Fünfte“, sagt er. „Wenn man dieses Pflichtberatungsgespräch einführt – und beraten werden Kunden in jedem guten Studio – dann würde das den Markt wahrscheinlich auch ein Stück weit kaputtmachen“, fürchtet Stieghorst.

Viele Tattooträger im Norden teilen seine Meinung. „Ich hätte garantiert nicht von der Politik bevormundet werden wollen, ob und wann ich mir wie ein Tattoo stechen lasse“, sagt Ilka Pagel aus Hamburg, die sich ihr erstes Tattoo, eine „Rose, die aussah wie ein Brokkoli“, mit 18 Jahren auf den Oberarm tätowieren ließ. „Damals fehlte mir das Geld, heute habe ich es und konnte mir ein neues Tattoo darüberstechen lassen“ – sowie zahlreiche neue dazu. „Ich habe damals auch nicht meine Eltern gefragt. Und mittlerweile läuft ohnehin jeder Zweite mit einem Tattoo herum“, ergänzt sie. Wie aber sieht das Tattoo in 20, 30 Jahren aus? „Wenn ich 70 bin, ist mir das egal. Für mich war schon während meiner Kindheit klar, dass ich Tattoos haben wollte. Auch wenn meine Mutter das nicht gut findet“, erzählt Daniel Grimm, Süßwarentechnologe aus Lübeck.

Wer sein Tattoo im Alter nicht mehr leiden mag, der muss allerdings mit einer deutlich teureren und längerfristigen Behandlung als dem Stechen selbst rechnen. „Eine Behandlung kostet zwischen 100 bis 300 Euro, je nach Größe des Tattoos“, sagt Dr. Birgit Thomas.

Von Josephine Andreoli

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