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Norddeutschland Berliner Plan: Alkoholsünder sollen vor der Fahrt pusten
Nachrichten Norddeutschland Berliner Plan: Alkoholsünder sollen vor der Fahrt pusten
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22:41 14.11.2014
Die Alkohol-Wegfahrsperren, genannt Alkohol-Interlocks, blockieren den Start des Fahrzeugs, sobald der Alkoholspiegel des Fahrers den Grenzwert von 0,0 Promille überschreitet. Quelle: Dräger
Berlin/Lübeck

Um Alkoholunfälle im Straßenverkehr einzudämmen, sollen künftig Wegfahrsperren eingesetzt werden, sogenannte Alkohol-Interlocks („Alcolocks“). Das verlangt der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrausschusses, Martin Burkert (SPD).

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Die elektronischen Messgeräte sollen als Bewährungsauflage für Promillesünder dienen, denen nach einem Alkoholdelikt der Führerschein entzogen wurde. Die Technik wird vom Lübecker Unternehmen Dräger produziert. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) stehe einem Ansatz von Alkohol-Wegfahrsperren grundsätzlich positiv gegenüber, hieß es.

Bei Alkoholunfällen wurden im Vorjahr 336 Menschen getötet und mehr als 17 000 verletzt. „Hier müssen wir politisch dringend aktiv werden“, sagte Burkert den LN. Er ist auch Schirmherr für das Projekt Alkohol-Interlocks des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR).

Die Alkohol-Wegfahrsperren sind elektronische Messgeräte, die den Start des Fahrzeugs blockieren, sobald der Alkoholspiegel des Fahrers, gemessen in der Atemluft, den Grenzwert von 0,0 Promille überschreitet. Es gilt das Prinzip: „Erst pusten, dann starten.“ Ein Umgehen des Alkoholtests im Fahrzeug, etwa durch einen Beifahrer, ist wegen der in das System integrierten Kamera praktisch unmöglich, erläuterte Burkert. Auch beinhalte das Test-System einen Zufallsgenerator, der in unregelmäßigen Abständen einen Alkoholtest des Fahrerserlange.

Der SPD-Politiker will mit der Einführung dieser Geräte Alkoholsündern eine zweite Chance geben. Ertappte Alkoholsünder, bei denen zwischen 1,1 und 1,6 Promille gemessen wurden, könnten damit begnadigt werden und einen Führerschein-Entzug vermeiden, wenn sie sich das Testgerät auf eigene Kosten in ihr Auto einbauen ließen. Fahrten mit anderen Fahrzeugen blieben jedoch untersagt.

Verkehrspolitiker im Norden reagieren unterschiedlich auf die Idee: „Dieser Vorstoß hat meine volle Unterstützung“, erklärt der CDU-Landtagsabgeordnete Hans-Jörn Arp. Für ihn spreche nichts dagegen, den Einbau eines Alcolocks strafmildernd anzurechnen.

Ganz anders argumentiert Kai Vogel (SPD): Sinn eines Fahrverbotes sei schließlich auch dessen abschreckende Wirkung. „Sich mit einem Alcolock-Gerät davon ,freizukaufen‘, ist deshalb nicht akzeptabel.“

Ähnliche Bauchschmerzen hat Andreas Tietze (Grüne): „Für verantwortungsloses Verhalten am Steuer darf es keinen Rabatt geben.“ Es könne zudem nicht sein, dass sich wohlhabende Alkoholsünder regelrecht freikaufen könnten, während allen anderen dieser Vorteil verwehrt bleibe, sagt Tietze. Einen verpflichtenden Einbau von Alcolocks bei Wiederholungstätern könne er sich indes gut vorstellen.

Christopher Vogt (FDP) hielte die Möglichkeit des verkürzten Fahrverbotes zwar für interessant. „Es sollte jedoch in einem Modellversuch getestet werden, ob das System zuverlässig funktioniert und Missbrauch ausgeschlossen werden kann.“

Beim Alcolock-Marktführer Dräger in Lübeck wurde der Vorstoß aus Berlin gestern entsprechend begrüßt. Um das Fahren unter Alkoholeinfluss zu verhindern, stellten solche Geräte die einzige technische Möglichkeiten dar. „Die Technik ist seit Jahrzehnten erprobt und bewährt“, so ein Sprecher.

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