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Norddeutschland Berufungsprozess gegen Gaffer
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20:10 10.01.2017
Kiel

Als Gaffer behinderte der Angeklagte (21) beim Brand eines Mehrfamilienhauses in Kaltenkirchen vor zwei Jahren massiv die Rettungsarbeiten der Feuerwehr. Als ein Polizeibeamter deshalb einen Platzverweis durchsetzen wollte, kugelte der vorbestrafte Schläger ihm mit einem Fußtritt das Knie aus. Wegen gefährlicher Körperverletzung, Widerstands und anderer Delikte wurde der vorbestrafte Täter im November des Jahres 2015 vom Amtsgericht Norderstedt zu einem Jahr und zehn Monaten Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt.

Gestern im Kieler Landgericht begann der Berufungsprozess gegen den Angeklagten, der Rechtsmittel eingelegt hatte. Geplant war eine dreitägige Beweisaufnahme mit mehr als 20 Zeugen. Doch der Vorsitzende der Jugendstrafkammer, Stefan Becker, konnte den Angeklagten und seinen Verteidiger von der Aussichtslosigkeit des Unterfangens überzeugen: Sie nahmen die Berufung zurück, das Norderstedter Urteil wird damit rechtskräftig.

Mit dem milden Richterspruch habe der Angeklagte Glück gehabt, betonte Becker. Nach dem hartnäckigen Filmen der Rettungsarbeiten mit seinem Handy hatte der Schaulustige, der zur Tatzeit unter Bewährung stand, den Beamten per Fußtritt für drei Monate dienstunfähig gemacht. Bis heute ist der Verletzte beim Sport eingeschränkt. Sein Anwalt will daher zivilrechtlich „eine fünfstellige Summe“

Schmerzensgeld einklagen.

Das Urteil ahndet auch einen Einbruch des Angeklagten, der in der Nacht zum 10. Mai 2015 in die Stadtbücherei Kaltenkirchen eingestiegen und auf frischer Tat ertappt worden war. Auf dem Revier in Henstedt-Ulzburg hatte er einem Polizeibeamten angedroht, ihn töten zu lassen. Schließlich floss noch eine brutale Attacke auf einen Besucher des Kisdorfer Osterfeuers im April 2015 in die Strafe mit ein. Damals hatte der mit zwei Promille alkoholisierte Täter im Streit mit seiner Freundin einem Unbeteiligten zwei Wodkaflaschen auf den Kopf geschlagen. Der Verletzte war in die Scherben und gefallen, hatte sich die Hand zerschnitten und war sieben Wochen arbeitsunfähig. Bis heute kann er seinen Mittelfinger nicht strecken.

Seit Ende des Jahres 2015 ist der Angeklagte nicht mehr durch Straftaten aufgefallen, vor zwei Monaten begann der junge Mann eine Ausbildung – eine Entwicklung, die den Prozessbeteiligten Hoffnung macht. „Jetzt sind Sie 21 Jahre alt“, ermahnte ihn der Vorsitzende zum Abschied. „Da ist dann Schluss mit Jugendgericht.“

Thomas Geyer

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