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Norddeutschland Betrüger: Erster Klasse durch Europa
Nachrichten Norddeutschland Betrüger: Erster Klasse durch Europa
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22:13 30.06.2016

Am liebsten fuhr er mit der Deutschen Bahn nach Prag, Wien, Zürich, Amsterdam, München oder Berlin, unterwegs genoss er stets den Komfort der Ersten Klasse:

Zwei Jahre lang konnte ein Serienbetrüger aus Rendsburg immer wieder Bahntickets über das Internet buchen und kostenlos durch Europa reisen, bis die Polizei ihn im November 2015 stoppte. Gestern verurteilte ein Schöffengericht den 29-Jährigen zu zweieinhalb Jahren Gefängnis.

320 Reisen im Gesamtwert von 44 000 Euro hatte der vorbestrafte Hartz-IV-Empfänger laut Gerichtsurteil durch Computerbetrug erschlichen, fast jeden zweiten Tag war er auf Achse. Am heimischen PC gelang es ihm offenbar spielend leicht, durch Eingabe falscher Daten gültige Bahntickets zu ordern.

Die meisten seiner Bestellungen gingen auf Kosten gemeinnütziger Vereine und Einrichtungen, deren Bankverbindungen er auf Webseiten ausfindig machte. Die prompt freigegebenen Tickets druckte der Angeklagte zu Hause aus oder ließ sie gleich auf sein Smartphone senden. Auch zu diesem Zweck hatte er sich über Ebay ein iPhone bestellt und zuschicken lassen. Natürlich ohne zu bezahlen, wie ihm Punkt 293 der Anklage zur Last legt.

Zu den Geschädigten gehörten auch die Stiftung „Familien leben – mit Krebs“ mit Sitz in Hamburg und eine Rendsburger Jugendeinrichtung, für die der Angeklagte nach einer Vorverurteilung Arbeitsstunden als Bewährungsauflage zu verrichten hatte. Dieses Vorgehen nannte die Vorsitzende besonders verwerflich und „jenseits jeder moralischen Grenze“.

Positiv wertete das Gericht das Geständnis des Angeklagten und seine erstmals gezeigte Bereitschaft, seine Spiel-, Kauf- und Reisesucht mithilfe einer Therapie anzugehen. „Ihnen ging es darum, unterwegs zu sein“, stellte die Vorsitzende fest. Man habe es ihm allzu leicht gemacht. Als Erste-Klasse-Reisendem sei es ihm zudem gelungen, sich unterwegs kostenlos zu verpflegen. Zuvor hatte der Verteidiger gemutmaßt, sein Mandant habe sich durch notorisches Bahnfahren vor den Erfordernissen des Alltags gedrückt. Dazu gehört inzwischen auch ein dreijähriges Kind.

gey

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