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Norddeutschland Bewährung für früheren Redakteur des NDR
Nachrichten Norddeutschland Bewährung für früheren Redakteur des NDR
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21:19 16.03.2016

Die Äußerungen, mit denen der NDR-Redakteur Gerd R. (62) seinen Kunden bis März 2010 die Platzierung ihrer Interessen in Sendungen wie dem Schleswig-Holstein- Magazin in Aussicht stellte, waren „an Deutlichkeit kaum zu übertreffen“: Gestern verurteilte das Kieler Landgericht den damaligen Amtsträger des öffentlich-rechtlichen Senders wegen gewerbsmäßiger Bestechlichkeit in 77 Fällen zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung.

In dem viertägigen Prozess konzentrierte sich die Wirtschaftsstrafkammer auf sechs von zehn Firmen und Verbänden, die dem geständigen Medienberater insgesamt 366000 Euro brutto zukommen ließen — diskret auf das Konto seiner Ehefrau. In keinem Vertrag tauchte der Name des NDR-Journalisten auf — für die Richter ein Zeichen für Unrechtsbewusstsein.

Wenig Neutralität von R.s Berichterstattung erwartete die Landesinnung der Schornsteinfeger, die im Tatzeitraum (2003 bis 2010) um ihre Monopolstellung bangte und dringend „einen Türöffner in die Politik“ benötigte. Insgesamt 186 000 Euro überwies sie an den auf Diskretion bedachten Gerd R., auch aus Etats für Lehrlinge und Mietobjekte. Dafür versprach der Journalist schon mal schriftlich, der NDR werde „in Kürze einen Schornsteinfeger aufs gelbe Sofa holen“.

Beim NDR verdiente der Redakteur zuletzt 5700 Euro brutto. Für seine Nebentätigkeiten, die er laut Urteil nur seiner Position im Sender verdankte, kassierte er zeitweise noch mehr. Erlaubt waren maximal 400 Euro. 5000 Euro monatlich überwies allein die expandierende Damp Holding AG. Die Bahn zahlte 1500 Euro im Monat — für überwiegend heiße Luft. In Wirklichkeit war dem Redakteur keine einzige reale Einflussnahme auf die Programmgestaltung nachzuweisen.

Für den Straftatbestand der Bestechlichkeit (ein bis zehn Jahre Haft) reicht laut Urteil schon „der böse Anschein“, die Demonstration der Bereitwilligkeit. Von seinen illegalen Einnahmen müssen Gerd R. und seine ursprünglich wegen Beihilfe mitangeklagte Ehefrau 160000 Euro an den Staat abführen. Wegen rechtsstaatswidriger Verzögerung des Verfahrens gelten drei Monate der verhängten Freiheitsstrafe bereits als vollstreckt. Thomas Geyer

LN

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