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Norddeutschland Bewegende Aussage des Vaters
Nachrichten Norddeutschland Bewegende Aussage des Vaters
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21:14 11.08.2016
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Kiel

Es wird still vor Spannung in diesem Kieler Missbrauchsprozess. Der Vorsitzende Richter, Stefan Becker, fragt den irakischen Flüchtling und Vater, ob der Mann, den er auf der Toilette mit seinem vierjährigen Sohn überrascht habe, hier im Saal ist. Der 28-Jährige lässt bei der Verhandlung im Landgericht die Augen wandern, dreht sich um und zeigt mit dem Finger auf den Hauptangeklagten: „Ja.“

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 22-jährigen Afghanen vor, am 29. März den Jungen in der Landesunterkunft Boostedt bei Neumünster massiv sexuell missbraucht zu haben. Der Angeklagte bestreitet das.

Ebenfalls vor Gericht steht ein 29-jähriger Afghane. Er soll Schmiere gestanden und den achtjährigen Bruder, der dem mutmaßlichen Opfer helfen wollte, mit einem Messer bedroht haben. Der 29-Jährige schweigt bisher.

Dem Vater des Vierjährigen geht die Gerichtsverhandlung sichtlich an die Nieren. Er war früher bei der Armee. Richter, Staatsanwältin und Verteidiger wollen mit präzisen Fragen Widersprüche aufdecken. Die wegen der Sprachprobleme mühselige Befragung mit Dolmetschern ergibt folgende Aussage des Vaters: Er rauchte abends draußen am Eingang der Unterkunft, als sein achtjähriger Sohn zu ihm rannte und sagte: Mit dem kleinen Bruder sei ein fremder Mann auf der Toilette. Er sei hingegangen und habe von draußen auf dem Boden einer Kabine die kleinen Schuhe seines Sohnes gesehen und die Schuhe eines Erwachsenen. Er habe gerufen und versucht die Tür zu öffnen, die dann offenbar von innen aufging.

Der Junge habe sich die Hose hochgezogen und der Erwachsene ebenso. Auf Arabisch habe er gefragt: „Was machst Du mit meinem Sohn?“, sagte der Vater. Der Mann habe Persisch geantwortet, er habe diesem nur beim Toilettengang geholfen. „Ich habe das in dem Moment geglaubt und ihm auf Persisch noch gedankt.“ Im Zimmer der Familie habe seine Frau Misstrauen geschöpft, dem offensichtlich verängstigten Kind Schokolade gegeben und ermutigt, endlich zu sagen, was passiert ist, berichtete der Vater. Dann habe der Vierjährige das Geschehen detailliert geschildert.

Das Kind ist jetzt mit seiner Familie in Schleswig, es macht dort eine Therapie. Die Familie hatte den Wunsch geäußert, möglichst schnell die Unterkunft zu wechseln. Dem Jungen gehe es insgesamt gut, sagte der Vater. Er könne wie sein achtjähriger Bruder demnächst in dem Verfahren aussagen. Den 22-jährigen Afghanen und den zweiten Angeklagten kannte der Vater nach dessen Aussagen nicht. Beide verfolgen konzentriert die Verhandlung, oft das Kinn auf die gefalteten Hände gestützt oder mit verschränkten Armen.

Vor dem Vater hatte ein Polizist ausgesagt und die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen die Angeklagten praktisch untermauert – gestützt auf die damaligen Aussagen des Vaters und der Kinder. Auch ein DNA-Gutachten belastet den Angeklagten. Für den Prozess sind acht weitere Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil könnte im Oktober fallen. Beide Angeklagte sitzen in Untersuchungshaft.

LN

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