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„Bin noch mehr Manager als Politiker“

Kiel „Bin noch mehr Manager als Politiker“

Comeback in der Politik: Bernd Buchholz ist Vize- Landeschef der FDP und neuer Superminister im Kabinett Günther.

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Plausch am Meer: FDP-Minister Bernd Buchholz (r.) erläutert dem LN-Chefkorrespondenten Curd Tönnemann seine Pläne.

Quelle: Fotos: Olaf Malzahn

Scharbeutz/Kiel. Politik, danach in die freie Wirtschaft und zurück in die Politik. Das ist ein ungewöhnlicher Lebensweg, oder? „Ja, das stimmt“, räumt Bernd Buchholz (FDP) ein, während wir in einem Scharbeutzer Strandkorb Platz nehmen. „Aber wenn man mal Blut geleckt hat. . . Ich hatte in der Politik immer das Gefühl, etwas bewegen zu können.“ Buchholz (55) ist in der neuen Landesregierung Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie, Tourismus und noch allerlei Gedöns. Ein Superminister sozusagen. Die FDP wollte das Amt in einer Jamaika-Ehe mit CDU und Grünen, sie hat es bekommen.

LN-Bild

Comeback in der Politik: Bernd Buchholz ist Vize- Landeschef der FDP und neuer Superminister im Kabinett Günther.

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Dabei hatte sich der promovierte Jurist 1996 nach vier Jahren als Abgeordneter im schleswig-holsteinischen Landesparlament bereits von der Politik verabschiedet. Er habe damals nach „beruflicher Bodenhaftung“ gesucht, erklärte der Jurist einmal. Buchholz wechselte als Vorstandsassistent zu Gruner + Jahr (Stern, Geo, Brigitte). Seine Karriere dort glich fast der eines Tellerwäschers zum Millionär. Nur zwei Jahre später wurde der eloquente Mann mit Wohnsitz in Ahrensburg (Stormarn) und Ferienhaus in Bosau (Ostholstein) Verlagsleiter der Hamburger Morgenpost. Wieder zwei Jahre später war Buchholz Verlagsgeschäftsführer der Stern-Geo-Gruppe. 2009 kommt Buchholz in der Führungsspitze an. Er wird Vorstandsvorsitzender von Gruner + Jahr. Zudem gehört Buchholz für dreieinhalb Jahre dem Vorstand von Bertelsmann an. So viel Vorgeschichte muss sein, um zu verstehen, wie dieser Minister tickt. „Wirtschaftsminister. Wenn Sie mir das vor vier Jahren gesagt hätten. . .“. Buchholz lacht. Er wundert sich wohl selbst ein wenig über die Schnörkel in seiner Vita. Vor vier Jahren hatten wir uns zuletzt in einem Scharbeutzer Strandkorb getroffen.

Die Morgensonne glitzert auf dem glatten Meeresspiegel. Erste Urlauber trauen sich in die Ostsee. Auf der Promenade ziehen Jogger ihre Bahn. Unter ihnen könnte auch Werner Marnette sein, einer der Vor-Vor-Vorgänger von Buchholz im Amt des Kieler Wirtschaftsministers. Er hat nur wenige hunderte Meter von unserem Strandkorb entfernt eine Ferienwohnung und zählt üblicherweise zu den ganz frühen Joggern an der Küste. Auch Marnette kam aus der Wirtschaft. Aber richtig warm werden mit der Politik konnte der CDU-Minister nie. Zu unterschiedlich scheint das Tagesgeschäft zu sein.

Auch Buchholz scheint den Manager in sich noch nicht hinter sich gelassen zu haben. Das will er offenbar auch gar nicht. Sein Job habe derzeit mehr mit Management zu tun als mit politischer Steuerung, sagt Buchholz. Er habe den Eindruck, das werde von ihm auch verlangt. Es gelte zunächst, sich ein Bild zu machen und „vieles voranzutreiben“. Dazu zählt er beispielsweise den Weiterbau der A 20 von Bad Segeberg bis zur Elbe. „Ich habe das zur Chefsache gemacht.“ Wer allerdings darauf wartet, dass Buchholz ins Lästern kommt über behäbige Bürokratie, der sitzt vergeblich mit ihm im Strandkorb. So bleiben Buchholz’ Töne moderat, wenn er über angestrebte Veränderungen spricht, etwa was eine liberalere Sonntagsöffnung in den Badeorten angeht („wir werden nicht wie ein Elefant im Porzellanladen unterwegs sein“), den Naturschutz entlang von Autobahnen („es sind Menschen, die dahinterstehen“) oder die Hinterlandanbindung des Belttunnels („müssen Beeinträchtigungen so gering wie möglich halten“). Mit den Betroffenen das Gespräch zu suchen, das sei ihm wichtig. Derzeit ist der FDP-Minister auf Schmusetour. Zuletzt gab’s ein Kennenlern-Gespräch beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB).

„Es hat mich immer gereizt, unser gesellschaftliches Zusammenleben zu gestalten“, erläutert Buchholz und schiebt sich die Sonnenbrille vom Haar auf die Nase. Buchholz hätte sich auch für eine politische Karriere im Bundestag entscheiden können, den nötigen Listenplatz dafür hatte er sich gesichert. Weltstadt statt Provinz. Erste Geige statt Hintergrundmusik. Die Entscheidung, als gebürtiger Berliner auf Berlin zu verzichten, sei hart gewesen, räumt Buchholz ein. „Sie fiel während der Kieler Koalitionsverhandlungen.“ Jene Runde, die Buchholz, der Platzhirsch, aus Verärgerung über die Grünen um ein Haar platzen ließ. Er habe am Ende der Gespräche einen ganzen Haufen an Aufgaben vor sich gesehen, die Gestaltungswillen verlangen, sagt Buchholz nicht ganz uneitel. Und seine Gestaltungsmöglichkeiten als Landesminister seien vermeintlich größer als sie es vermutlich in Berlin geworden wären. Mit anderen Worten: Möglicherweise ist die Provinz-Bühne doch die größere.

Buchholz ist nun Neu-Kieler, und seine Ehefrau bekommt einen Hund, den sie eigentlich nur bekommen sollte, wenn ihr Mann ein Mandat in Berlin annimmt. Das klingt nach Win-Win-Situation.

Gibt BB in Kiel vielleicht bald den Kubicki-Ersatz, wenn der liberale Lautsprecher wie geplant an die Spree wechselt? „Ich glaube nicht, dass das nötig ist“, sagt Buchholz. „Wenn Kubicki nach Berlin geht, wird er hier nie ganz weg sein.“ Außerdem gebe es viele andere gute Liberale im Norden. „Auch diesen Leuten muss man Raum lassen.“ Bislang sei Kubicki „raumfüllend“ gewesen.

Zur Person

Bernd Klaus Buchholz wurde am 2. November 1961 in Berlin geboren. Dort legte er auch sein Abitur ab. In Berlin, Erlangen und Kiel studierte Buchholz Jura und VWL. An der Christian-Albrechts-Universität Kiel promovierte er mit der Arbeit „Der Betroffene im parlamentarischen Untersuchungsausschuss“. Im zweiten Untersuchungsausschuss des Kieler Landtags zur Barschel-Affäre war Buchholz Vize-Vorsitzender. Seit 1992 saß der Jurist für die FDP im Landtag, 1996 schied er aus. Es folgte eine steile Karrie

re in der Medienbranche.

Buchholz ist verheiratet, hat zwei erwachsene Söhne. Hobbys: Golfen und Motorradfahren.

Curd Tönnemann

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