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Norddeutschland Bis zu 100 Euro pro Haushalt: Bund verordnet neue Stromzähler
Nachrichten Norddeutschland Bis zu 100 Euro pro Haushalt: Bund verordnet neue Stromzähler
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12:30 13.08.2015
Die alten Stromzähler sind bald Geschichte.
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Berlin/Lübeck

 Bislang sind digitale Stromzähler in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern Mangelware. Datenschützer, aber auch die Lübecker Stadtwerke, sehen die Verpflichtung kritisch.

Hier lesen Sie den Kommentar zum Thema von Curd Tönnemann

Laut einem Arbeitsentwurf des Ministeriums kostet die Einführung intelligenter Stromzähler einen privaten Haushalt bis zu 100 Euro. In Schleswig-Holstein sind allein beim Marktführer Eon-Hansewerk 180<TH>000 Kunden von einem Austausch ihrer Zähler betroffen.
Bei der Netz Lübeck GmbH der Stadtwerke begrüßt man zwar, dass der Gesetzentwurf strittige Punkte konkretisiert, bleibt aber skeptisch. „Eine eingesparte Kilowattstunde ist für die Kunden allemal besser und wirtschaftlicher als eine auch noch so modern gemessene“, sagt Sprecher Lars Hertrampf. Die langen Zeiträume für die Amortisation der Mehrkosten für den reinen Smart Meter legten daher nahe, dass es für Verbraucher einfacher sei, sich beim lokalen Energieversorger über Einsparpotentiale zu informieren. Auch bei Eon Netzwerk bestehen Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Projekts. „Wir warten händeringend auf Daten aus Berlin, was die neuen Zähler können dürfen“, sagt Vize-Sprecher Volker Mielisch. Ein geplanter Pilotversuch liege deshalb auf Eis. „Stromsparen muss sich für Kunden auch rechnen.“ Eine Entscheidung, ob auch Haushalten mit geringem Stromverbrauch die neuen Zähler empfohlen werden sollen, sei nicht gefallen. Netz Lübeck will eine Kundenberatung anbieten.
Die Datenschützer sind alarmiert. Stromverbrauchswerte, die in kurzen Zeitintervallen weitergeleitet werden, gäben detaillierte Informationen über das Verhalten im Haushalt, kritisiert Schleswig-Holsteins oberste Datenschützerin Marit Hansen. Forscher hätten daraus sogar auf das eingeschaltete Fernsehprogramm oder gesehene Videos schließen können. Deshalb sei es wichtig, Daten nicht sofort zu übertragen, sondern eine gewisse Zeit lokal zu sammeln. Zur Steuerung der Stromversorgung würde es reichen, die Dateien anonymisiert zu übertragen. Wichtig ist Hansen die Datensouveränität der Bewohner. „Sie müssen verstehen können, welche Daten anfallen und welcher Teil davon übertragen wird.“ Die Bundesregierung kündigte an, selbst darauf achten zu wollen, dass sensible Daten über die Stromnutzung nicht in falsche Hände geraten. Beim zuständigen Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) würden 30 zusätzliche Stellen geschaffen, hieß es aus Berlin.
Ein durchschnittlicher Drei-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden Strom soll aufgrund des klugen Messsystems nach Berechnungen des Gabriel-Ministeriums etwa 15 Euro im Jahr sparen. Bis zu einer Grenze von 6000 Kilowattstunden Verbrauch sollen Netzbetreiber entscheiden, ob sie neue Zähler und Digitaltechnik bei ihren Kunden einbauen. Für größere Haushalte und Gewerbebetriebe soll die Umrüstung Pflicht sein. Laut Gesetzentwurf kostet der Einbau des neuen Zählers zwischen 23 und 60 Euro (bis 6000 kWh). Dazu kommt eine jährliche Grundgebühr.
Der Kieler Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne) begrüßte die Einführung intelligenter Stromzähler gestern. „Na endlich“, sagte er.

Von Curd Tönnemann

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